Interview mit Nr. 2 (14 Jahre)

Zeitpunkt: Anfang April 2021. Wir wohnen seit acht Monaten in Schweden.

Weniger Corona-Stress

– mehr Schul-Stress

Auf einer Skala von 1-10 (1=schlecht, 10=supergut): Wie geht es dir im Moment?
  1. Weil es mir hier schon ziemlich gut geht, aber man könnte es noch verbessern, z.B. nicht so viel Schule und vor allem nicht so viele Klassenarbeiten. Da hab ich im Moment ja sehr viele.
Was gefällt dir bisher am besten/am wenigsten hier?

Am besten das Haus, in dem wir wohnen. Am wenigsten… (denkt sehr lange nach) – manchmal, wenn ich Sachen in der Schule nicht verstehe, weil die auf schwedisch reden. Das ist manchmal ein bisschen ärgerlich, weil ich mich dann manchmal ein bisschen ausgeschlossen fühle. Aber sie switchen dann oft sehr schnell ins Deutsche um.

Gibt es etwas, was dich in Schweden überrascht hat?

Wie schnell man die Sprache verstehen lernt.

Hast Du hier schon etwas Neues kennengelernt, etwas hier zum ersten Mal gesehen oder erlebt?

Das Mittagessen in der Schule schmeckt hier sehr viel besser als in Deutschland.

Womit beschäftigst Du Dich zurzeit am liebsten?

Mit Büchern.

Die Kinder in Deutschland haben seit Monaten Distanzunterricht wegen der Covid-Pandemie. Wenn sie in der Schule sind, müssen sie Masken tragen und Abstand halten. Hier gehen die Kinder von Klasse 1-9 durchgehend zur Schule seit wir hier sind (Aug. 2020). Masken werden in der Schule nur von wenigen Kindern freiwillig getragen, Abstände gibt es nicht. Welche Vor- und Nachteile dieser Situation siehst Du für die Kinder in Deutschland/in Schweden?

In Deutschland ist der Vorteil, dass sie wesentlich weniger Ansteckungsgefahr haben. Aber hier in Schweden hat man den Vorteil, dass man wesentlich mehr Kontakt mit Freunden haben kann. Und man bekommt wesentlich weniger von der Pandemie mit. Man hat wesentlich weniger das Gefühl, man könnte sich jeden Moment anstecken. Man fühlt sich irgendwie freier. Ich fühle mich weniger belastet und habe weniger Sorgen hier.

„Ich fühle mich freier und weniger belastet durch Corona hier in Schweden“

Was könnten die Schweden von den Deutschen lernen und andersrum?

Die Schweden sind meist sehr darauf bedacht, es jedem recht zu machen. Z.B. bei den Gesetzen – sie machen z.B. nur Empfehlungen zu Corona. Von den Deutschen könnten sie lernen, sich ein bisschen mehr durchzusetzen.

Die Schweden könnten lernen, ihre Kartoffeln besser zu kochen. Die schmecken hier z.T. echt scheußlich (in der Schulkantine).

Die Deutschen könnten von den Schweden lernen, sich nicht so viele Sorgen zu machen.

Wie ist das, wenn man plötzlich AusländerIn ist? In welchen Situationen merkst Du es?

Es kam am Anfang, als die Zahlen noch nicht so hoch waren, da bin ich noch mit dem Bus gefahren, und da kam es öfter vor, dass mich jemand nach dem Weg gefragt hat – da konnte ich nicht antworten. Da haben mich die Leute z.T. seltsam angeschaut. Ich würde sagen, in der Schule (ich gehe auf die deutsche Schule, deshalb wahrscheinlich weniger), aber es gibt hier z.B. ganz andere Fächer und ein anderes Benotungssystem. Da merkt man auch schnell, man ist nicht von hier. Auch beim Essen gibt es ziemlich große Unterschiede, z.B. gibt es komplett andere Chipssorten als in Deutschland, auch total andere Süßigkeiten.

Machmal ist man ziemlich verwirrt von den Sachen hier. Was mich am Anfang ziemlich verwirrt hat, ist, dass man in Schweden fast alles mit Karte, Swish oder paypal bezahlt, dass alles elektronisch abläuft. Das ist in Deutschland ganz anders. Hier gibt es Läden, da kann man nur mit Karte bezahlen. Und ich Deutschland gibt es Läden, wo man nur mit Bargeld bezahlen kann. Es gibt auch andere Feiertage. Daran merkt man auch, was den Leuten hier wichtig ist und was den Leuten in Deutschland wichtig ist. Zum Beispiel den Kanelbulletag hier.

Es ist der Eingang eines Hauses zu sehen. Die Haustür hat ein Bullauge und es liegt Schnee davor. Im Hintergrund ist ein Garten mit einem Trampolin zu erkennen. Das Bild zeigt das Haus, mit dem die hier interviewte Teenagerin sehr zufrieden ist.
Nr. 2 gefällt in Schweden besonders unser Wohnhaus (gemietet ohne Besichtigung – Covid-style). Foto: privat.
Wo wärst du jetzt gern, wenn du für ein paar Stunden überall auf der Welt sein könntest? Wen würdest du dorthin mitnehmen oder treffen?

Ich denke, ich wäre sehr gern mal nach Griechenlang gehen und mir in Athen die Überbleibsel vom Alten Griechenland ansehen. Das Orakel von Delphi z.B., oder die Akropolis in Athen. Meinen kleinen Bruder würde ich mitnehmen, weil der auch sehr fasziniert von der griechischen Mythologie ist und vielleicht meine Mutter. Weil ich glaube, weil das meine Mama noch mehr interessiert als meinen Vater.

Treffen würde ich gern – nicht in Griechenland aber generell – würde ich sehr gern BTS treffen. Dafür würde ich dann meine große Schwester und meinen kleinen Bruder mitnehmen.

Wer oder was hilft Dir beim Eingewöhnen hier?

Am Anfang sehr meine KlassenkameradInnen. Und sonst hilft es, die Familie um sich herum zu haben. Aber auch die Lehrer waren von Anfang an sehr nett. Ich denke, dass ich schon öfters umgezogen bin, hat mir auch geholfen, weil ich dadurch schon Erfahrung damit habe, mich an neuen Plätzen einzugewöhnen.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest, was würdest Du Dir gerade wünschen? (Alles ist erlaubt und möglich.)

In einer Phantasy-Welt zu leben, wo Magie existiert.

Irgendein außergewöhnliches Talent, z.B. jede Sprache der Welt sprechen.

Die größte Bibliothek der Welt zu besitzen.

Wer oder was hilft Dir, wenn Du traurig bist?

Meine Bücher und meine kleine Schwester. Sich mit Chips vollzufressen und dabei einen sehr schokoladigen Kakao zu trinken.

Kannst Du schon Schwedisch sprechen?

Jag prater lite svenska. Ich spreche also ein bisschen schwedisch, aber man lernt es aber auch ziemlich schnell, wenn man die ganze Zeit davon umgeben ist. Es ist nur manchmal ein bisschen schwierig, in den Gesprächen hinterher zu kommen, weil die Schweden sehr schnell sprechen.

Ein Blick in die Zukunft: Was glaubst du, wie es Dir hier in einem Jahr gehen wird? Was wird anders sein als jetzt? Wie?

Ich hoffe natürlich, dass ich bis dahin die Sprache beherrsche. Ein weiterer Wunsch von mir ist, dass Corona vorbei ist, und man dadurch auch mehr mit Leuten nach der Schule unternehmen kann. Natürlich werde ich dann auch ein Jahr älter sein und dadurch vielleicht andere Probleme haben als ich sie jetzt habe. Aber ich denke, es wird sich nicht so viel grundlegend ändern. Außer dass ich mich dann vielleicht noch besser in Stockholm und generell Schweden auskenne. Und vielleicht habe ich bis dahin ein paar tolle Entdeckungen gemacht, z.B. ein schöner Platz, wo ich immer hingehe, oder mich interessiert eine Sache extrem.

Oder ich hab ein tolles Restaurant entdeckt, wo man sehr gut griechisch essen kann.

Ein griechischer Salat mit Feta. Das Bild zeigt, worauf das interviewte Kind Lust hat.

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