Teenager-Entertainment

30.09.2022 – Für Eltern ist es nicht immer einfach, Teenies noch zu gemeinsamen Ausflügen zu motivieren. Was bei uns immer geht: mit asiatischem Essen locken. Neulich waren wir zuerst beim „Ghost walk“ in der Altstadt von Stockholm (den wir nicht toll fanden) und anschließend bei „Nara de“ vietnamesisch essen (was wir wärmstens weiterempfehlen).

Stadtführung aus dem „Umzugskalender“

Der „Ghost walk“ war ein Gutschein, der noch aus dem „Umzugskalender“ stammte, den ich vor unserem Umzug nach Schweden für die Kinder gemacht hatte: eine Art Adventskalender um den Aufbruch und die Ankunft herum, der den Abschied leichter und das Ankommen schöner machen sollte. Da wir im Sommer 2020 mitten in der Pandemie umgezogen sind, konnten wir manches davon noch nicht machen. So auch diese „gruselige“ Stadtführung durch Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm. Deshalb habe ich sie erst neulich für einen Samstag abend gebucht.

Die SMS machte keinen guten Eindruck

Etwas befremdlich war die SMS, die wir kurz vor dem Termin bekamen. Da habe ich erste Zweifel bekommen, ob es wohl gut werden würde. Zusammengefasst stand drin, dass man Pech habe, wenn man zu spät komme – niemand würde auf einen warten. Auch kein Angebot, dass man sich dann irgendwo melden könnte oder so, um den Anschluss noch zu bekommen. Das finde ich bei einem Preis von rund 70 Euro für drei Personen schon nicht sehr nett. Prompt wären wir fast zu spät gekommen – und das war absolut nicht unsere Schuld: Wir sind rechtzeitig losgefahren, wussten aber nicht, dass man ausgerechnet an diesem Abend nicht mit dem Auto auf die Insel fahren konnte, weil irgendein Lauf-Event stattfand. Also mussten wir relativ weit weg parken und hinlaufen. Wir haben es nur gerade so noch im letzten Moment geschafft… Ich hatte sogar extra – auf gut Glück – noch an diesen SMS-Absender geantwortet und Bescheid gesagt, was los war: keine Reaktion. Stunden später kam dann mal eine Antwort: sorry, sie seien alle unterwegs bei den Touren gewesen…

Der Stadtführer war schlecht zu verstehen

Tja, also ja, wir kamen gerade noch pünktlich, bevor der Stadtführer losstürmte (übrigens lag der Startpunkt an einem anderen Ort als das Büro des Veranstalters, das direkt neben der Deutschen Kirche liegt – auch darauf muss man sehr achten, das überhaupt mitzukriegen). Dieser Stadtführer legte dann ein Tempo vor, das die Gruppe von ungefähr 40 Personen in einen ziemlich langen Zug von Menschen verwandelte. Er wartete auch nicht immer darauf, dass alle da waren, bevor er anfing, etwas zu erzählen. Ob es daran oder an seinem starken schottischen Akzent lag (die Führung war auf Englisch)… Jedenfalls haben wir wirklich schlecht verstanden, wovon seine Geschichten handelten. Was natürlich sehr schade ist, denn darum geht es ja bei so einer Art von Stadtführung. Es hat mich ziemlich enttäuscht. Denn mein Englisch ist ziemlich gut, meine Teenies verstehen es auch prima. Aber dieser Typ…?

Schmale Gasse, kleiner Junge

Der Eisenjunge (Järnpojke) heißt eigentlich

Die Tour war das Übliche, was man in Gamla Stan sonst auch zu sehen bekommt: die schmalste Gasse Marten Trotzig Gränd, die an ihrer engsten Stelle nur ca. 90cm misst z.B., oder Järnpojke, eine nur 15cm „große“ Skulptur im Innenhof der finnischen Kirche, die Glück bringen soll, wenn man ihr über den Kopf streicht und ihr etwas spendet (im Winter stricken manche Leute ihr Schals und Mützen!).

Mein kläglicher Versuch, die schmalste Gasse der Altstadt fotografisch festzuhalten, während ich im Schweinsgalopp durchgeführt wurde…

Zeit zum Fotografieren gab es allerdings an den wenigsten Stellen, wo es sich gelohnt hätte. Sehr oft kam es mir vor, als würden wir auch an dem Lauf teilnehmen, der uns die Zufahrt zur Insel vermasselt hatte…

Und so richtig hat sich mir auch nicht erschlossen, was gruselig sein sollte. Eine abstruse Geschichte über einen Puffbesitzer, der im Keller seines Etablissements nach einem Schatz graben ließ, habe ich nur zu Bruchteilen verstanden. Irgendwie sind die Schatzgräber irgendwann verschwunden und nicht mehr auffindbar gewesen. Um die Pest ging es auch natürlich irgendwann – die war ja überall in Europa präsent im Mittelalter. Aber sonst? Wahrscheinlich ist es mir alles entgangen, weil ich den Schotten so schlecht verstanden habe. Einen roten Faden von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten habe ich definitiv nicht feststellen können.

Typisch Stockholmer Regenguss

Das Wasser schoss nur so aus den Regenrinnen heraus…

Kurz vor Schluss fing es dann noch jessesmäßig an zu gießen: Ein Wolkenbruch, wie ich das wirklich nur aus Stockholm kenne. Sehr plötzlich, sehr viel, sehr nass. Meine Töchter und ich hatten Glück und standen gerade in der Nähe eines Hauseingangs, wo wir uns unterstellen konnten. Dort beschlossen wir dann auch, uns nun vorzeitig vom „Ghost walk“ abzuseilen und zu einem vietnamesischen Restaurant zu laufen, das eine meiner Töchter für uns ausgesucht hatte.


K-Pop-Devotionalien an den Wänden sorgen für eine echt vietnamesische Athmosphäre (wie man sie sich als Europäer so vorstellt…).

Das „Nara de“ bietet neben vietnamesischen Köstlichkeiten und Sushi eine perfekte Kulisse für K-Pop (koreanische Popmusik)-Fans: Überall hängen Poster, Sammelkarten und weitere Devotionalien von K-Pop-Stars und -Sternchen wie BTS, Black Pink und Konsorten. Auf einem großen Flachbildschirm über der Küche laufen permanente Zusammenschnitte aus koreanischen Serien, die alle mit K-Pop unterlegt sind. Meine Töchter waren hellauf begeistert.

Frisches Essen, sehr lecker, kaum Wartezeit, freundliches Personal

Mein Essen – Pokébowl mit Lachs. Die Farben wirken im künstlichen Licht leider etwas braun. Die Qualität war hervorragend.

Das Essen war auch sehr gut: Wir hatten eine Bento-Box, die schön abwechslungsreich und frisch war und eine Poké-Bowl, dazu Kimchi, der eindeutig selbstgemacht war. Nur das Hähnchenspieße-Essen einer meiner Töchter war etwas zu klein geraten, so dass wir ein weiteres Hauptgericht nachbestellen mussten. Praktisch war, dass außer uns nur ein anderes Pärchen da war und wir deshalb nicht lange warten mussten – auch nicht bei der Nachbestellung. Vermutlich machen die Restaurants hier ihren Hauptumsatz tagsüber: Gamla Stan ist die touristischste aller Stockholmer Inseln mit dem Schloß, vielen Souvenirläden und unzähligen Kneipen, Cafés und Restaurants.

Das „Nara de“ gefiel uns aber nicht nur wegen des K-Pop-Einschlags und des wirklich guten Essens: Ganz offenbar hat man hier auch Humor:

Nur eine Art Drama ist hier erwünscht.
Das können wir bestätigen!

Deshalb werden wir ganz sicher wiederkommen. Nämlich heute. Ich muss los!

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