Nach dem Test: Wo gibt es gute Infos?

Infos gibt es zuhauf - aber wo stehen die besten?

Erste Schritte: mehr lernen über Hochbegabung

Im Auswertungsgespräch zur Testung und im schriftlichen Gutachten der BegabungsdiagnostikerInnen erhält man idR ein paar grundlegende Informationen zum Thema Hochbegabung. Die meisten Eltern haben danach jedoch das Bedürfnis, mehr zu erfahren, insbesondere wenn sie von dem Ergebnis überrascht wurden. Viele möchten sich auch mit anderen Eltern austauschen und ggf. von ihnen lernen.

Die im Folgenden genannten Anlaufstellen bieten sowohl Informationen als auch Vernetzung an. Es gibt darüber hinaus natürlich noch viele weitere Vereine, private Blogs usw., die sich mit begabten Kindern und Begabungsförderung beschäftigen. Gerade in diesem Bereich sind regionale Initiativen sehr häufig anzutreffen. Man sollte deshalb unbedingt im eigenen Bundesland, in der eigenen Stadt, im eigenen Landkreis schauen, ob es dort Angebote gibt. Diese reichen von Marburger Konzentrationstrainings über Rollenspiel-Angebote bis zu regionalen Begabtentreffen oder Mentoring-Angeboten.

Auch lohnt es sich, einmal über den Tellerrand zu schauen und z.B. auf US-amerikanischen Seiten zu lesen (z.B. bei der „National Association for gifted children“; unter der Rubrik „Informations & Publications“ findet sich eine Kategorie für „Parents“: hier gibt es viele Tipps).

Karg-Stiftung

Die Karg-Stiftung hat den Auftrag, hochbegabte Kinder zu fördern. Auf drei Seiten (Stiftung/Fachportal/Lernportal) finden sich hier viele Informationen zum Thema Hochbegabung. Insbesondere das Fachportal ist sehr ergiebig. Auch wenn es sich vorrangig an PsychologInnen und PädagogInnen richtet, ist es für interessierte Eltern ebenfalls sehr nützlich.

So findet man hier z.B. eine Datenbank mit Beratungsstellen (unter „Service“) , die man anhand von Postleitzahlen durchforsten kann. Allerdings ist nicht ganz klar, nach welchen Kriterien diese Beratungsstellen hier veröffentlicht werden (objektive? Selbstnomination?). Im Zweifel sollte man mit der jeweiligen Stelle zunächst telefonieren, um herauszufinden, ob sie wirklich das bietet, was man sich davon erhofft – und was das ggf. kostet. Gerade im Bereich Begabten/Elternberatung tummeln sich viele, idelogisch und qualitativ sehr unterschiedliche Anbieter – um es diplomatisch auszudrücken. Es ist deshalb sinnvoll und notwendig, sich über das jeweilige Beratungsangebot bzw. die Qualifikationen der BeraterInnen vorher zu informieren, etwas zu recherchieren und z.B. in einschlägigen Elternforen im Internet auch nach Erfahrungen zu fragen.

Auf der Seite gibt es außerdem Info-Broschüren (https://www.fachportal-hochbegabung.de/grundlagen-der-hochbegabung/) – die sich auch zur Weitergabe an LehrerInnen eignen -, einen Länder-Schwerpunkt mit einem Überblick über die rechtlichen Grundlagen der Förderung in den einzelnen Bundesländern, Rezensionen der verschiedenen, gängigen Intelligenztests usw…

Im Bereich „Fachmedien“ auf der Stiftungs-Seite finden sich die Ausgaben der Stiftungs-eigenen Zeitschrift („Karg-Heft“) mit vielen interessanten Themen und sehr viele weitere Literatur-/Medien-Tipps. Die Karg-Hefte können alle in der digitalen Version online gelesen oder als gedruckte Version bestellt werden (mW kostenlos!).

Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK)

Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. ist ein Verein, der sich seit 1978 für die Belange von hochbegabten Kindern einsetzt. Er hat nach eigener Auskunft ca. 3000 Mitglieder (Stand: Mai 2022). Gegründet wurde er auf die Initiative von Annette Heinbokel hin, einer Lehrerin, die insbesondere das Überspringen von Klassen als Fördermaßnahme in Deutschland erforscht und dazu mehrere Bücher und eine Website veröffentlicht hat1 (für Eltern, die sich über das Thema „Überspringen“ informieren wollen: unbedingt lesen!).

Die DGhK ist in Regionalvereine (meist deckungsgleich mit den Bundesländern – aber nicht immer) gegliedert. Diese sind unterschiedlich aktiv, aber alle bieten eine kostenlose Erstberatung für Eltern an, die gerade erst von der Hochbegabung eines ihrer Kinder erfahren haben – oder sie auch nur vermuten. In vielen Bundesländern gibt es darüber hinaus Gesprächskreise für Eltern, gemeinsame Ausflüge, Spielenachmittage, Freizeiten und Kurse oder Workshops für hochbegabte Kinder und ihre Familien. Die Aktivitäten sind immer davon abhängig, wie sich die Mitglieder der jeweiligen Region engagieren. Hier kann man also auch selbst viel beitragen.

Der Bundesverband bietet eine kostenlose telefonische Beratung für PädagogInnen an, auf die man LehrerInnen hinweisen kann.

Außerdem veranstaltet die DGhK Familienfreizeiten, die in der Mitgliederzeitschrift angekündigt werden und sehr beliebt sind.

Schließlich ercheint vier Mal im Jahr eine interessante Mitglieder-Zeitschrift („Labyrinth“), die man auch als Nicht-Mitglied abonnieren kann (Preis: 15 Euro; Stand: Mai 2022). Alle Ausgaben vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2014 sind – gestückelt in drei „Portionen“ – kostenlos als pdf-Download erhältlich2.

Mensa/ MinD gGmbH

Mensa Deutschland e.V.(https://www.mensa.de/) ist ein Netzwerk für hochbegabte Menschen in Deutschland. Der internationale Dachverband Mensa International wurde 1960 gegründet. In ca. 50 Ländern der Erde gibt es Mensa-Vereine bzw. -Mitglieder. In Deutschland sind zurzeit (Stand: Mai 2022) ca. 16.000 Menschen Mitglied, international sind es um die 145.000.

Mensa möchte für seine Mitglieder private und berufliche Kontakte ermöglichen. Der Verein strebt keine konkreten politischen Ziele an, will aber „mit den negativen Stereotypen rund um Hochbegabung in der Gesellschaft aufräumen“.

Interessant für Familien mit hochbegabten Kindern ist Mensa besonders deshalb, weil der Verein Feriencamps für Kinder und Jugendliche von 6-19 Jahren (https://www.mensa.de/kiju/camps/) anbietet (weder Mitgliedschaft noch Nachweis der Hochbegabung sind zwingend erforderlich). Außerdem gibt es Regionalgruppen, die ebenfalls Aktivitäten für Kinder und ihre Familien organisieren. Um von diesen zu erfahren, muss man ein Konto auf der Internet-Seite anlegen bzw. sich per Mail bei Mensa melden.

Für junge Erwachsene (18-30 Jahre) bietet Mensa Youth eine Anlaufstelle für gemeinsame Unternehmungen, Urlaube und Unterstützung z.B. im Studium.

Die Mind-Stiftung gGmbH ergänzt das Angebot. Sie setzt sich für die „Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der menschlichen Intelligenz sowie die Förderung von Bildung und Erziehung Hochbegabter“ ein. Hier können Schulen und Kitas z.B. den „Begabungskoffer“3 für sehr wenig Geld ausleihen: Er wird individuell zusammengestellt und enthält Fördermaterial für hochbegabte Kinder/Jugendliche und Fachbücher zum Thema Hochbegabung. Die Stiftung vergibt seit 2017 außerdem auch drei Studienstipendien4, zwei davon für das Fach Psychologie.

Auch Mensa gibt eine Mitgliederzeitschrift heraus: Sechs Ausgaben pro Jahr erscheinen von „MinD“. Alle Ausgaben sind auf der Homepage frei zugänglich. Die Artikel drehen sich bei weitem nicht nur um Hochbegabung: Es gibt auch Reise-Berichte, Berichte über ehrenamtliches Engagement, ein ganzes Heft über Liebe usw…

www.begabungslotse.de

Diese Internetpräsenz wird vom Verein „Bildung und Begabung gemeinnützige GmbH“ betrieben und bietet vielfältige Informationen zum Thema (Hoch-)Begabung. Dahinter stecken als „Förderer“ das Bundesbildungsministerium, die Kultusministerkonferenz (KMK) und der Stifterverband (ein Unternehmens- und Stiftungsverband).

Auf der Homepage können interessierte Eltern z.B. nach Kurs-Angeboten für Kinder bzw. Jugendliche suchen: Unter „Angebote/Suche“ lassen sich verschiedene Kriterien auswählen (Zielgruppe/Fach/Thema).

Außerdem findet man auch hier einen Überblick über die Begabtenförderung in den einzelnen Bundesländern5, außerdem eine Datenbank mit „Begabungsorten“ sortiert nach Postleitzahlen und ein Verzeichnis von „Anbietern“ nach Bundesländern geordnet. Die „Begabungsorte“ können verschiedenste Einrichtungen und Angebote umfassen: Schulen mit einem Schwerpunkt in der Begabtenförderung ebenso wie Fortbildungsanbieter zum Thema oder fördernde Kurse für Kinder/Jugendliche. Die „Anbieter“ sind bunt gemischt: Schulen ebenso wie Verlage, Hochschulen usw. – wer im weiteren Sinn etwas mit Talentförderung zu tun hat, und das auch belegen kann, kann sich hier listen lassen. Für die Anbieter wurden Qualitätskriterien festgelegt, die unter „Service/Qualitätskriterien“ eingesehen werden können.

 Im Begabungskalender finden sich Tagungen, Kongresse, Messen und Fortbildungen zum Themenfeld Talententwicklung und Begabungsförderung.


1  http://www.ieua.de/

2  https://www.dghk.de/das-labyrinth/

3  https://www.mensa.de/kiju/begabungskoffer/

4  https://www.mensa.de/ggmbh/bildung/hb-im-studium/

5  https://www.begabungslotse.de/laender


Im nächsten Teil dieser Serie gibt es einige Büchertipps zum Thema „Hochbegabt“. Einige sind auch schon hier zu lesen.

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