Fürs Wesentliche aktiv werden

Warum wir am „Semmeltag“ mit Denken und Handeln beginnen sollten

25.02.2022 – Eigentlich wollte ich mal einen ganz heiteren, unbeschwerten Artikel schreiben. Was Leichtes über SchwedInnen und ihre Vorliebe, regelmäßige „Essens-Feiertage“ zu begehen: am Dienstag, 1. März 2022, ist nämlich der „Semmeltag“ (semmeldagen). Aber der Krieg in der Ukraine hat gestern begonnen. Und es wäre ignorant, jetzt nur locker-flockig über eine schwedische Tradition zu berichten. Insbesondere da sie heutzutage viel mit überflüssigem Konsum zu tun hat.

Alles dreht sich um den Krieg in der Ukraine

Die Nachrichten, alle Medien hier sind voller Berichte aus Kiew, das unter Beschuss steht. So wie auch in Deutschland. Nur dass man das Gefühl hat, dass Russland für die Schweden noch näher ist, noch bedrohlicher. Kein Wunder: Schweden hat in den vergangenen Jahrhunderten häufig Krieg gegen Russland geführt und dabei viele Leben und letztlich auch große Gebiete und seine Großmachtstellung verloren (insbesondere im Großen Nordischen Krieg 1700-1721, im Russisch-Schwedischen Krieg 1741-1743 und im Russisch-Schwedischen Krieg 1808-1809).

In den letzten Monaten hat sich Russland außerdem nicht nur mit Forderungen an die NATO insgesamt gewandt, sondern ganz dezidiert auch an Finnland und Schweden, die bisher nicht der NATO angehören: Russland hat gefordert, dass dies auch so bleibe. Dagegen haben sich beide Länder verwahrt. Nun diskutiert man hier erst recht wieder, ob man der NATO beitreten sollte.

Man fragt sich, ob und wie man helfen kann

Und wie in Deutschland, fragen sich die Menschen in Schweden seit gestern außerdem: Wie können wir helfen? (Erste Flüchtende aus der Ukraine sind in Schweden eingetroffen…) Der Verzicht auf „semlor“ hilft wohl kaum. Aber vielleicht die Rückbesinnung auf die Entstehung dieser Tradition:

Ursprünglich war der „Semmeltag“ nämlich der letzte Tag vor dem Beginn der Fastenzeit: Bei uns ist es der „Faschingsdienstag“, in Frankreich der „Mardi gras“. Weil dann eine Zeit der Entbehrung begann, gab es am „fetten Dienstag“ nochmal richtig gutes, fettes Essen. Hier in Schweden eben die „semlor“: ein Hefegebäck, gewürzt mit Kardamom und dick gefüllt mit einer Mandelmasse und Sahne (Rezept hier; wie das meiste Süßzeug in Schweden schmecken die „semlor“ übrigens nicht besonders intensiv nach etwas – nur sehr süß).

Fasten sollte Konzentration auf das Wesentliche sein

Fasten ab Aschermittwoch ist für viele von uns kein Thema mehr. Und wenn, dann nur, weil es als gesund gilt. Oder weil man einen Grund braucht, um eine schlechte Gewohnheit halbherzig zu unterbrechen („Handy-Fasten“, keinen Alkohol trinken uÄm.). Dabei sollte das Fasten eigentlich mehr sein als der Verzicht auf Nahrung – eher eine Konzentration auf das Wesentliche.

Was wesentlich ist, das ist vielen von uns spätestens am 24.02.2022 mit Blick auf die Ukraine wohl sehr deutlich geworden. Wir sollten diese Fastenzeit deshalb nutzen, um genau darüber intensiv nachzudenken: Was ist wesentlich für uns und was bin ich bereit, dafür zu tun? Denn es ist ja nicht „nur“ der völlig unberechenbare Krieg in der Ukraine: Despoten gibt es noch einige mehr auf der Welt. Die rechtsradikalen Wegbereiter von weiteren finden sich in vielen Parlamenten – in Deutschland ebenso wie in Schweden, Frankreich, den USA… Und all das wird überschattet von der drohenden Klimakatastrophe. – Freiheit, Demokratie, Sicherheit und ein bewohnbarer Planet für unsere Kinder sind von vielen Seiten Gefahren ausgesetzt. Was tun wir persönlich für ihren Schutz?

Aufs Wesentliche besinnen und aktiv werden

Statt uns also an „semlor“ oder anderen Faschingstraditionen zu überfressen (wie es z.B. der schwedische König Adolf Fredrik 1771 getan haben soll) und uns danach irgendein lasches, leicht erreichbares Ziel vorzunehmen, sollten wir uns – spätestens jetzt – auf das Wesentliche besinnen und aktiv werden, z.B. so:

  1. An eine Hilfsorganisation spenden, die den Menschen aus/in der Ukraine hilft:

2. In eine demokratische Partei eintreten, diese damit regelmäßig finanziell unterstützen und am besten auch aktiv werden in ihr.

3. Unsere demokratischen Rechte nutzen und demonstrieren, bei Fridays for Future z.B. (die brauchen auch Spenden)…

4. Wählen gehen und demokratische Parteien wählen.

5. Uns informieren, z.B. über die Klimakrise und was jeder von uns beitragen kann, um sie zu verhindern.


Konkrete Hilfe für unkrainische Flüchtende:

  • App RefAid: wurde von vielen NGOs gemeinsam entwickelt / unterstützt. Sie enthält Adressen zu Hilfsangeboten, immer sortiert nach dem örtlich nächsten Angebot.
  • Voluntari in Europa und Uniți Pentru Ucraina: Facebook-Gruppen /rumänisch, in der Unterkünfte angeboten werden können
  • Organisation „MitOst“ – Selbstdarstellung: As part of a growing European network, we support citizens in participating actively in their societies and in acting according to democratic principles.“ – Ukrainehilfe: Hier kann man auch Unterkünfte anbieten oder spenden.

Und für alle, die auch die ganzen alten Männer nicht mehr ertragen können und wollen, die unser aller Schicksale so wesentlich zum Negativen beeinflussen – der Song „Alte Männer“ von Versengold:

https://www.youtube.com/watch?v=rg95UMcOOL8&utm_source=YouTube&utm_medium=Video

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