Fast wie früher: Treffen mit anderen Menschen

Brunch mit echten anderen Menschen.

Gestern war mein Geburtstag. Und ich war zum ersten Mal seit langer Zeit wieder bei einem Treffen mit anderen Menschen in einem Innenraum, ohne Maske. Es war keine Geburtstagseinladung, sondern ein Brunch, der eben zufällig gestern stattfand, und indirekt von der Arbeitsstelle meines Mannes organisiert wurde für die „mitausreisenden PartnerInnen“. In den ganzen 14 Monaten, in denen wir nun in Schweden wohnen, hat es nur ein einziges anderes Treffen in diesem Kreis gegeben: eine Stadtführung im Herbst 2020, damals durften maximal acht Personen in der Öffentlichkeit zusammentreffen. D.h. wir waren zu siebt plus unsere Stadtführerin. Das war schon schön, aber ziemlich kalt und mit weniger Gelegenheit, sich zu unterhalten – auch wenn wir netterweise am Ende eine „fika“ – Kaffee und Kuchen – bekommen haben.

Aber gestern war es zum ersten Mal richtig gemütlich: Zusammensitzen, essen, alle konnten ein bisschen von sich erzählen. Wir haben innerhalb von drei Stunden so viele Informationen ausgetauscht, dass ich den ganzen Tag noch viele Gesprächsfetzen im Kopf hatte.

Wir Anhängsel hatten kaum Kontakt „nach außen“

Ich war mir zunächst gar nicht sicher, ob ich hingehen sollte. Aber jetzt bin ich sehr froh, dass ich dort war. Es war so schön, einfach mal wieder Menschen um sich zu haben. Mit unterschiedlichen Geschichten, Interessen, aber alle in einem ähnlichen Boot als „Anhängsel“ von jemandem, der hier einen Job hat. Unsere Kinder und Männer/Frauen hatten das ganze letzte Jahr über ja zumindest ihre KlassenkameradInnen und KollegInnen um sich. Ihr erinnert Euch: in Schweden gab es (fast) keine geschlossenen Schulen… Zwar haben unsere PartnerInnen auch viel im Home Office gearbeitet, aber sie hatten immerhin ein paar Anlässe und Tage, an denen sie ins Büro konnten, raus.

Das sah für uns anders aus. Erst seit dem Sommer können wir anfangen, die Stadt zu erkunden, mal in ein Museum gehen. Bisher war ich aber z.B. noch nie in einem Café INNEN. Und ich habe auch immer noch Maske getragen, denn die SchwedInnen tragen ja keine. Mittlerweile ist die Impfquote hier ziemlich gut bei allen über 16 Jahren (79,1 Prozent doppelt geimpft, 84,3 Prozent mindestens einfach). D.h. eigentlich muss man nur noch Schulen, Kitas und Indoor-Spielplätze meiden… Scherz. Ich habe ja zwei Kinder im noch-nicht-impfbaren Alter von 7 bzw. 11, komme also sicher regelmäßig mit deren aus der Schule mitgebrachten Viren in Berührung.

Immer noch ein mulmiges Gefühl – trotzdem will ich mehr Kontakte

Aber auch wenn ich fast sicher bin, dass unsere Kinder im September zum zweiten Mal Covid hatten, weil die Zweitälteste nun schon seit Wochen mit Kopfweh und schlimmer Müdigkeit zu kämpfen hat (immerhin nicht ganz so extrem wie ihre große Schwester letzten Herbst): Ich traue mich irgendwie trotzdem nicht, anzunehmen, dass ich es dann ggf. auch schon hatte und dementsprechend unbesorgt(er) unter Menschen gehen könnte. Eigentlich muss es so sein, denn Delta macht ja idR vor keinem in der Familie Halt – jedenfalls nicht bei Erwachsenen. Aber es bleibt für mich immer noch ein mulmiges Gefühl.

Dennoch: Es war schön gestern – ein zufälliges Geburstagsgeschenk quasi. Und ich möchte so etwas sehr gern bald wieder erleben. Ich bin zwar auch außerhalb einer Pandemie niemand, der sich in jede große Gruppe von Menschen wirft – aber ich vermisse schon engere Kontakte. Mal etwas gemeinsam unternehmen, mal einen Kaffee trinken gehen, mal zusammen essen… es wäre wirklich schön, wenn das bald wieder regelmäßig stattfinden würde. Die Schweden haben ja mittlerweile alle Beschränkungen abgeschafft. Möglich wäre es also. Ich muss nur wieder ein gewisses Vertrauen in die Welt gewinnen, um es zu tun. Dann kann endlich unser „richtiges Leben“ hier anfangen.

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