Nikola Tesla – ein Hörspiel ab 9 Jahren

April 2022 – In der Reihe „Abenteuer&Wissen“ des headroom Verlags kommt demnächst eine neue Folge heraus: über den genialen Erfinder Nikola Tesla. Dazu habe ich eine Rezension geschrieben. Die ausführliche Version findet Ihr: hier.

Die Kurzfassung lautet:

Toll finde ich: wie die verschiedenen Elemente miteinander verwoben sind (Erzählung, Musik, szenische O-töne, Hintergrundinfos)

Überrascht hat mich: Wie unglaublich kreativ Tesla war

Hilfreich finde ich: dass nicht so viele technische Details vorkommen

Vermisst habe ich: weibliche Rollen im Hörspiel, die Relevanz haben

Was ich weniger gelungen finde: die Darstellung von Teslas Privatleben und seiner Psyche – da hätte man deutlich tiefer graben können

Worüber ich gestolpert bin: die tradierten Rollenbilder, die mit diesem Hörspiel vermittelt werden


Titel: Nikola Tesla – ein Genie unter Strom

Autorin: Sandra Pfitzner

Erscheinungsjahr: 2022

Verlag: headroom

ISBN: 978-3-96346-052-4

Preis: 14.90 Euro

Altersempfehlung des Verlages: ab 10 Jahren – ich denke, technisch interessierte Kinder können es auch schon ab 8 Jahren hören, einigen wir uns also auf 9!

Katastrophen und Geheimnisse

Das Sachbuch „Was geschah wirklich?“ beleuchtet einige der faszinierendsten Katastrophen (Teil 1) und Geheimnisse (Teil 2) auf der Welt für Kinder: Warum verschwinden im Bermuda-Dreieck so viele Schiffe? Wieso ist die unsinkbare Titanic doch gesunken? Wie konnten zwei Seen zu Killern werden? Gibt es Bigfoot? Wie entstehen Kornkreise? Und natürlich geht es auch um Vulkane, tödliche Stürme, Flüche und UFOs. Immer auf zwei Seiten werden die Geschichten erzählt, auf zwei weiteren Seiten („Katastrophenakte“ bzw. „Fallakte“ genannt), werden wie auf einer Pinnwand Fakten und Ideen dazu dargestellt.

Katastrophen und Geheimnisse in verdaulicher Form

Kinder lieben rätselhafte Geschichten. Auch Katastrophen finden sie spannend. Allerdings müssen sie weit genug weg sein – sonst sind sie zu bedrohlich. Dem Buch Was geschah wirklich? Katastrophen und Geheimnissen auf der Spur“ gelingt hier ein schwieriger Spagat. Einerseits spricht die Autorin durchaus beängstigende Dinge an, andererseits bekommen die Kinder Informationen an die Hand, um mit ihnen umgehen zu können. Allerdings bleibt das Buch dabei zum Teil etwas oberflächlich.

Positiver Blickwinkel: Prävention von Katastrophen

Hilfreich für Kinder finde ich den Blickwinkel, der in der Einführung zum ersten Teil dargestellt wird: Sich mit Katastrophen zu beschäftigen und ihre Gründe zu verstehen, kann helfen, weitere zu verhindern. Diese Haltung erlaubt Kindern, sich auch mit Dingen auseinander zu setzen, die ansonsten vielleicht zu überwältigend wären.

Auf der kurzen Einleitungsseite werden außerdem mehrere Kategorien eingeführt, die später in den „Katastrophenakten“ – z.T. leicht abgewandelt – wieder auftauchen. Die Autorin erläutert z.B., dass nach Katastrophen unterschiedlichste Experten untersuchen, was geschehen ist („Untersuchen und verstehen“). Außerdem wird die Kategorie „Katastrophenwörter“ vorgestellt, die aussieht wie ein aufgeklebter post-it-Zettel. Auf diesen „Zetteln“ stehen später im Buch Schlüsselbegriffe zu den dargestellten Katastrophen wie „verheerend“ oder „Inferno“ und die dazugehörigen Bedeutungen. Im zweiten Teil des Buches gibt es analog dazu die Kategorien „Mystery-Wörter“, „Beweise“ und „Zeugen“. Wörter werden übrigens z.T. auch direkt im Text erklärt (z.B. „Heck“ bei der Titanic). Das ist sicher sehr hilfreich für Kinder.

Ungeschickte Unterüberschrift könnte zu Frustration führen

Etwas irreführend und für manche jungen LeserInnen vielleicht auch frustrierend, ist die Unterüberschrift zum ersten Teil „Finde heraus, was WIRKLICH geschah“. Insbesondere sehr schlaue Kinder werden die Informationen, die ihnen auf den zwei Seiten „Katastrophenakte“ gegeben werden, nicht als ausreichend empfinden. Sie werden sehr schnell feststellen, dass sie dadurch noch lange nicht in der Lage sind, die Wahrheit über das Ereignis ohne Restzweifel herauszufinden. Da weckt das Buch meiner Meinung nach falsche Erwartungen und könnte bei manchen Kindern zu Frust führen. Das ist schade, weil man es durch eine andere Formulierung leicht hätte verhindern können.

Im zweiten Teil ist es geschickter gemacht. Hier lautet die Unterüberschrift: „Kannst DU das Unerklärliche erklären?“. Auch in diesem Teil gibt es keine endgültigen Antworten auf die vorgestellten Phänomene. Aber das ist mit der eingangs gestellten Frage völlig in Ordnung und wirkt eher motivierend.

Graphisch ansprechend und gut geeignet für Lesemuffel

Graphisch sind die „Katastrophen-“ bzw. „Fallakten“ ansprechend: Die Doppelseiten sehen aus wie Pinnwände, an die Zettel, Karten, Bilder usw. angeheftet wurden und insgesamt ein Bild der Geschehnisse ergeben. Dieser Darstellungsweise wurden allerdings offenbar die Inhalte untergeordnet. Übersichtlichkeit scheint wichtiger gewesen zu sein als der Anspruch, so viele Informationen zu bieten, dass sich die LeserInnen wirklich ein fundiertes, eigenes Urteil bilden können.

Für Lesemuffel hat das Vorteile: Die Themen sind spannend, die Texte jedoch meist nicht besonders lang. Diese kleinen Häppchen dürfte auch Kinder zum Lesen animieren, die sich mit längeren Texten schwertun.

„Suchwörter im Internet“ fehlt für mich als Kategorie

Aber besonders neugierige und begabte Kinder werden nach der Lektüre weitere Fragen haben. Und da bietet das Buch leider nur ganz wenige Hinweise, wo man diesen nachgehen könnte. So hätte man durchaus z.B. „Suchwörter im Internet“ (in Kombination mit dem Hinweis auf eine Kindersuchmaschine) als Kategorie auf der Pinnwand anbieten können.

Buchempfehlungen: zu wenige und zu wahllos

Auch Hinweise auf Bücher oder Internetseiten zur Vertiefung wären hilfreich – und wenn es nur am Ende des Buches in einem extra Teil für besonders Interessierte und/oder Eltern gewesen wäre. Das Glossar beschränkt sich jedoch auf die Katastrophen- bzw. Mystery-Wörter und umfasst nur eine Seite.

Wenn sich dann mal ein Hinweis auf ein Buch findet, z.B. beim Bermudadreieck auf Charles Berlitz´ Buch „Bermuda-Dreieck: Fenster zum Kosmos“, bleibt unklar, warum gerade dieses dort auftaucht: Nur um die Aussage zu illustrieren, dass viele Bücher über das Bermuda-Dreieck veröffentlicht wurden? Oder weil dieses Buch wirklich gut ist? Und gibt es kein neueres, das besser geeignet wäre? Vielleicht sogar eins für Kinder? Das Bermuda-Buch von Berlitz ist aus den 1970er Jahren und eindeutig für Erwachsene. Das ist m.E. ärgerlich und nimmt die LeserInnen nicht ernst.

Ein paar extra Seiten zu Recherche und fake news wären cool gewesen

Richtig „rund“ wäre das Buch meiner Meinung nach, wenn es außerdem noch ein paar Seiten zu Recherchetechniken, seriösen Quellen und „fake news“ beinhalten würde. Ein Ansatz in diese Richtung findet sich im Kapitel „In die Vergangenheit“ reisen. In der Fallakte dazu gibt es eine Aufgabe für die Kinder: Sie sollen FreundInnen eine Geschichte zu erzählen und sie eine Woche später danach fragen. Dann sollen sie überlegen, was sie aus diesem Versuch lernen können. Mehr von diesen Aufgaben und eine zusammenfassende Reflexion dazu wären toll.

Fazit: Insgesamt ein durchaus spannendes, ansprechendes Buch für Kinder, das wahrscheinlich auch Lesemuffeln gefällt. Besonders schlaue Kinder könnten nach der Lektüre allerdings noch manche Fragen haben, weil das Buch z.T. zu oberflächlich bleibt.


Titel: WAS GESCHAH WIRKLICH? Katastrophen und Geheimnissen auf der Spur

Autorin: Susan Martineau

Erscheinungsjahr: März 2022

Verlag: arsedition

ISBN: ISBN-10 : ‎ 3845845953 ISBN-13: ‎ 978-3845845951

Preis: 16 Euro

Umfang: 96 Seiten, zwei Teile mit jeweils 11 Katastrophen bzw. Geheimnissen

Altersempfehlung des Verlages: ab 10 Jahren

Meine Altersempfehlung: Besonders schlauen Kindern macht das Buch sicher schon ab 8 Jahren Spaß.


Toll finde ich: Dass der Blick der Kinder auf die Verhinderung von Unglücken gerichtet wird und die jungen LeserInnen zum selbständigen Nachdenken aufgefordert werden.

Überrascht hat mich: Das Kapitel über Menschen, die sich vielleicht selbst entzündet haben.

Hilfreich finde ich: Dass Wörter, über die Kinder stolpern könnten, im Text erklärt werden.

Vermisst habe ich: Weiterführende Informationen für besonders wissbegierige Kinder. Es hätte auch mehr über Recherchetechniken, seriöse Quellen und etwas über „fake news“ drinstehen können.

Was ich weniger gelungen finde: Die Buchhinweise, die es dann doch mal gibt (Bermuda-Dreieck).

Bewältigungsstrategien

28.03.2022 – Vorletzte Woche habe ich einen Tiefpunkt meines Aufenthalts hier in Schweden erreicht. Hoffe ich. Was mir passiert ist, war gar nicht so schlimm – eigentlich. Aber manchmal reicht ja auch eine Kleinigkeit, um einen aus der Bahn zu werfen. Die Frage ist: Wie kommt man aus so einem Tief wieder raus? Dafür gibt es ein paar Bewältigungsstrategien. Am besten ist es, wenn man sich mit ihnen schon vor einem Auslandsaufenthalt beschäftigt. Dann fällt es leichter, sich an sie zu erinnern, wenn man sie braucht. Konkrete Tipps und Links am Ende des Artikels.

Genervter Busfahrer

Aber was hat mich so aus der Bahn geworfen? Es war meine erste Busfahrt hier. Eine Station, mit dreien meiner Kinder, morgens um 7:30 Uhr, weil unser Auto in die Werkstatt musste. Ich stieg ein, hielt meine SL-Karte an das Lesegerät, sah, dass 39 Kronen abgezogen wurden und fragte den Fahrer dann (auf Schwedisch), wie ich auch für meine Kinder bezahlen könne? Denn erneutes Vorhalten der Karte schien nichts zu bewirken. Er murmelte irgendwas, war genervt und forderte mich dann auf, meine Karte noch einmal vor ein anderes Gerät zu halten, wo 29 Kronen abgezogen zu werden schienen. Danach winkte er uns vorbei.

Stop-Knöpfe sind ziemlich universell – Bezahlsysteme im ÖPNV leider nicht… Foto: Pexels

Kontrolle

Wir fuhren den kurzen Weg über die Brücke von Lidingö nach Ropsten, der ersten Station in Stockholm, stiegen aus, und wurden prompt von einer Horde von KontrolleurInnen umringt: Sie prüften mein Ticket und sagten dann, ich hätte nur für ein Kind bezahlt – ob ich Schülerin sei? Ich erklärte ruhig und gelassen auf Englisch, wie ich extra mit dem Fahrer gesprochen hatte, dass der offenbar alles in Ordnung fand, und dass ich jetzt schnell weiter müsste, weil mein Sohn in der ersten Stunde eine Klassenarbeit schriebe. Nix da. Sie meinten immer noch, ich hätte nur ein Kinderticket. Ich wurde nervös, weil wir noch umsteigen mussten, und ich weder wusste, wo der nächste Bus abfuhr, noch wieviel Zeit zum Umsteigen noch blieb. Und mir schwante, dass ich mir hier kein Verständnis entgegen gebracht werden würde. Ich erklärte also nochmal, nun schon etwas ungehalten, was ich mit dem Busfahrer besprochen hatte, dass das meine erste Busfahrt mit Kindern in Schweden war, und dass ich nun wirklich weg müsste. War denen völlig egal.

Unfreiwillig schwarzgefahren

Ich musste meine ID-Karte zeigen, sie nahmen meine Personalien auf und gaben mir einen Strafzettel über mehr als 1500 Schwedische Kronen – das sind rund 150 Euro. Der Bus mit dem Fahrer, der meine Geschichte hätte bestätigen können, war einfach wieder abgefahren – die KontrolleurInnen hatten aber auch gar nicht in Erwägung gezogen, ihn zu fragen. Niemand fand es unlogisch außer mir, dass ich offenbar bereit gewesen war, für mein Kind zu bezahlen, aber für mich selbst nicht. Keiner sagte, na gut, Anfängerfehler, passen Sie beim nächsten Mal aber mehr auf oder erklärte mir, dass ich für JEDE Person eine SL-Karte brauchte (was anscheinend so ist, wie ich mir jetzt zusammengereimt habe).

Wut und Verzweiflung

Ich war so sauer! Wir rannten zum zweiten Bus, der zum Glück leicht zu finden und noch nicht abgefahren war. Ich brachte die Kinder zur Schule, gerade noch pünktlich. Und danach war der Tag für mich gelaufen. Ich fand es so unfair, so ungerecht, so fies, so gemein und auch so unlogisch. Und ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich nicht besser vorbereitet gewesen war. Wären wir hier erst seit Kurzem gewesen, hätte ich sicher nochmal genau geschaut, wie man Bus fährt. Aber so, nach über einem Jahr, die Kinder waren auch alle schon allein Bus gefahren – da dachte ich, das schaff ich schon. Auch morgens im Vor-Schul-Stress… Pustekuchen!

Leben wir in der Matrix?

Und ich ärgerte mich über „das System“. Es kommt einem nämlich manchmal hier vor, als lebe man in der Matrix: Es war nicht das erste Mal, dass mir hier sowas passiert ist. Ich habe auch schon drei Parktickets bekommen, obwohl ich in allen drei Fällen fürs Parken bezahlt hatte. Ja, ich hatte auch jeweils einen Fehler gemacht. Aber es waren echte Fehler – und null böse Absicht. Ich hatte wie gesagt jedes einzelne Mal fürs Parken bezahlt. Nur stand ich in einem Fall ich zu nah an einer Straßenkreuzung. Ich wusste noch nicht, dass man in Schweden 10 Meter Abstand halten muss – und nicht 5 wie in Deutschland. Hier wird das per Laser nachgemessen…

In Schweden muss man die Schilder oben und die Bemalungen auf dem Bordstein beachten… Foto: pixabay.

Im zweiten Fall hatte mich die Park-App (EasyPark) falsch geortet, und ich hatte für die falsche Zone bezahlt. Die Differenz zur richtigen war vermutlich nur ein paar Kronen – mein Strafzettel kostete 130 Euro. Im nächsten Fall hatte ich sogar über 20 Euro fürs Parken bezahlt – am Fuss von Skansen, damit meine Mutter, die nicht so gut zu Fuss ist, nicht so weit laufen musste. Aber in der App hatte ich (schon monatelang vorher und bis dahin nie beanstandet) statt einer „0“ an einer Stelle ein „O“ im Autokennzeichen eingegeben. Und obwohl kein Auto in der Nähe auch nur annähernd dasselbe Kennzeichen hatte und es somit völlig klar war, dass ICH diese 20 Euro fürs Parken bezahlt hatte – bekam ich einen Strafzettel über 90 Euro…

Doppelt bezahlt

Ich habe gegen die beiden letzten Fälle Beschwerde eingelegt. Monate später bekam ich einen maschinell erstellten Brief ohne Ansprechpartner, in dem mir lapidar mitgeteilt wurde, dass der Widerspruch zurückgewiesen werde. Ich hatte also zwei Mal doppelt bezahlt: Fürs Parken und fürs Knöllchen. Warum sie es so extrem genau genommen haben, obwohl ich bezahlt hatte? Wenn man es böse interpretieren möchte, dann lag es vielleicht an meinem Kennzeichen. Unser Auto ist deutlich als Diplomaten-Pkw erkennbar – und das nicht, weil es eine dicke Bonzenkarre ist (wir fahren einen Citroen: kastig, viele Sitzplätze, dreckig innen wie außen…), sondern einfach weil wir ein Nummernschild in einer anderen Farbe haben…

Lehrgeld

Aber vielleicht war es auch einfach „Dienst nach Vorschrift“. Denn so wie mir geht es hier vielen Neuen. Man zahlt dieses Lehrgeld (wer es vermeiden möchte, lese hier weiter – aber ohne Gewähr!). Aber es ist noch nicht einmal so sehr das Geld, was mich dabei so geärgert hat. Sondern die Haltung dahinter: Jemandem einen Strafzettel zu geben, der ziemlich offensichtlich versucht, alles richtig zu machen – das ist mE einfach fies. Und dass ich mich nicht dagegen wehren konnte bzw. es schlicht niemanden juckte, wenn ich es versuchte – das gab mir ein Gefühl der Ohnmacht. Man hat das Gefühl, in ein schwarzes Loch hinein zu schreiben und dann von diesem schwarzen Loch eine Antwort ausgespuckt zu bekommen, natürlich eine abschlägige.

Dazu kam letzte Woche sicher noch, dass ich hier immer noch ziemlich isoliert bin. Ich habe wenige Kontakte, und es gibt viele Tage, an denen ich keine anderen erwachsenen Menschen treffe außer meinem Mann und einer Kassiererin im Supermarkt. Wenn überhaupt. Und dann noch die Pandemie, die uns allen in den Knochen steckt, der Krieg, die nicht enden wollenden gesundheitlichen und sozialen Probleme unserer Kinder…

Welche Bewältigungsstrategien habe ich genutzt?

Nr. 1 und 2: Tränen und Bewegung

Sobald ich meine Kinder in die Schule gebracht hatte, brach ich jedenfalls in Tränen aus. Und ich konnte gar nicht wieder aufhören, zu weinen. Und aus Trotz und weil ich nicht noch einen Fehler machen und noch einen Strafzettel riskieren wollte, lief ich die 5km zurück nach Hause zu Fuss. Eine Stunde Fussmarsch. Mir kamen viele Leute entgegen – auf Rädern, Rollern, zu Fuss… aber kein einziger Mensch – niemand – fragte, was los ist oder sagte irgendwas Nettes. KEIN EINZIGER. Das bestärkte mich noch in meinem Gefühl, dass dieses Land, diese Leute hier, es böse mit mir meinten. Irgendwann habe ich angefangen, Adjektive zu sammeln und im Handy zu notieren, die mir zu den blöden Schweden einfielen… die Liste war lang! Und vermutlich ungerecht.

Bewältigungsstrategie Nr. 3: Wut in Worte fassen

Aber ich beschloss auch auf dem langen Heimweg, die Strafe sofort zu bezahlen. Um nicht mehr daran denken zu müssen. Um es abzuhaken. Zuhause angekommen, tat ich das auch. Und ich schrieb eine bitterböse Mail an SL, die Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs hier, in der ich mich über ihre bescheuerten Mitarbeiter beschwerte und sie für alle bisher in Schweden erlittene Unbill böse beschimpfte: Nicht vulgär, aber sehr, sehr deutsch-direkt warf ich ihnen alle „typisch schwedischen“ Unzulänglichkeiten vor, die mir an diesem Tag besonders aufstießen: Ihre Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, ihre Tendenz, sich immer hinter irgendwelchen Apps oder Computerprogrammen zu verstecken (die Technik kann ja keine Fehler machen, Fehler macht also immer der Mensch, der die Technik nicht richtig bedient – und das bin idR ich) und sich immer auf „die Regeln“ zurückzuziehen, wenn es notwendig wäre, eine eigene Entscheidung zu treffen…

Bewältigungsstrategien Nr. 4, 5, 6: Keine Rache, Abhaken, Solidarisierung

Und dann tat ich etwas für mich Ungewöhnliches, was aber genau richtig war: Ich schickte die Mail nicht ab. Und ich warf den Strafzettel weg. Danach verfasste ich einen Beitrag in einem facebook-Forum von lauter Frauen, die auch Auslandserfahrungen haben. Ich erzählte, wie ich mich fühlte und fragte, wie sie denn mit diesen Frustrationen im Ausland umgingen? Und ich bekam so nette Antworten! Es gab (natürlich!) viel schlimmere Erlebnisse bei anderen, mit viel größeren Ungerechtigkeiten. Das war mir natürlich theoretisch auch vorher schon klar gewesen. Aber alle schienen genau zu verstehen, wie es mir ging. Alle kannten diese Gefühle von Ohnmacht, Frustration und Einsamkeit im Ausland.

Bewältigungsstrategie Nr. 7: Mittagessen mit Bekannter

Am nächsten Tag ging ich zu einem Treffen mit einer losen Bekannten. Das hätte ich zwar eigentlich am liebsten abgesagt, weil ich mich immer noch verkriechen wollte. Aber ich überwand mich. Und das war gut. Wir saßen in der Frühlingssonne, aßen, tranken Kaffee, und nach einer ganzen Weile erzählte ich ihr von dem blöden Erlebnis. Es gab keine Lösung dafür, keine Genugtuung. Aber ich fühlte mich nach dem Gespräch nicht mehr ganz so einsam und unverstanden wie noch am Tag davor.

You live – you learn

Fazit: Wenn so etwas passiert, dann ist das – leider – normal. Im Ausland gibt es viele Fehler, die man machen kann, selbst wenn man die besten Absichten hat. Meistens ist es einfach nur ärgerlich, teuer und zeitaufwändig. Manchmal trifft es einen hart. Besonders wenn man echte Diskriminierung erlebt (was bei mir nicht so war), oder wenn es einem sowieso schon nicht so gut geht. Doch je schneller man diese unangenehmen Episoden hinter sich lassen kann, desto besser. Meistens lernt man immerhin etwas daraus. Wie man am schnellsten drüber hinwegkommt, ist ganz individuell. Am besten ist es sicher immer, wenn man nette Leute hat, mit denen man darüber reden und vielleicht auch irgendwann lachen kann. Ansonsten helfen auch Bewegung, ein heißes Bad, leckeres Essen oder ein Telefonat mit einer Freundin zuhause. Und wenn es ganz schlimm ist: alles zusammen.

Im „Langängensgard“ auf Lidingö gibt es Kuchen und kleine Mittagsmahlzeiten. Noch ist die Natur kahl, aber das ändert sich hoffentlich bald. Foto:privat.

Hilfreich in schwierigen Situationen im Ausland

An dieser Stelle möchte ich jeder und jedem Expat das Buch Gemeinsam ins Ausland und zurück von Susanne Reichhardt und Anke Weidling empfehlen. Darin gibt es viele verschiedene, ganz praktische Übungen und Denkanstöße zu den eigenen Ressourcen: Z.b. sich der eigenen Charakterstärken (hier kann man einen Test dazu machen) und gemeisterten Krisen bewusst zu werden. Auch wird man aufgefordert, sich über die eigenen Kraftquellen klar zu werden (was tut mir klörperlich und geistig gut? wo fühle ich mich wohl?). Doch es gibt noch viele weitere Themen, die die Autorinnen aufgreifen. Sie erklären nicht nur die typischen Phasen, die man vor, während und nach einem Auslandsumzug erlebt, sondern geben konkrete Tipps. Was man sich als begleitendeR PartnerIn für die Zeit im Ausland vornehmen kann, wie man den Kindern beim Eingewöhnen hilft und auch wie die Rückkehr (die sich viele zu leicht vorstellen) vorbereitet und begleitet werden kann.


Wer dazu täglich kleine Denkanstöße und Übungen haben möchte, kann sich auch die „trust“-App herunterladen. Damit sollen spontan positive Gefühle wachgerufen und Ressourcen aktiviert werden. In sieben Sprachen zugänglich. Die Entwicklerin, Christina Diegelmann, ist Psychologische Psychotherapeutin und Autorin mehrere Bücher.


Falls es längerfristige und gravierendere Probleme gibt, können auch folgende online verfügbaren Unterstützungsmöglichkeiten helfen. In Deutschland gibt es zwar nach wie vor recht große Vorbehalte gegen solche Werkzeuge, aber diese hier sind nachgewiesenermaßen wirksam (Quelle: Geo Wissen, Nr. 63 – hier finden sich auch noch weitere tools, S.79). Und falls es eine Therapie im Ausland nötig sein sollte, habe ich hier Tipps gesammelt.

moodgym kostenlos, frei zugänglich, von australischen Wissenschaftlern entwickelt auf Basis kognitiver Verhaltenstherapie. Nach der Registrierung kann man in fünf „Bausteinen“ lernen, negative Gedankenmuster zu erkennen und durch neue zu ersetzen. Dadurch sollen Symptome von Depressionen gemildert werden. Wissenschaftlich untersucht und wirksam.

7mind – Meditationsapp, bei der die Basis kostenlos ist, weitere Möglichkeiten jedoch kostenpflichtig. Für Menschen mit deutscher Krankenversicherung gibt es einen zertifizierten Präventionskurs, dessen Kosten die Kasse übernimmt.

get.onPsychologische online-Kurse (vier davon auf Rezept), weltweit. Themen u.a.: Stress, Burnout, Depression, chronischer Schmerz, Panik, Schlafprobleme.

iFightDepression – Angebot zur Selbsthilfe bei leichten Depressionen, für das man allerdings die Begleitung eines/einer Arztes/Ärztin braucht: die Ärztin muss die Anmeldung bei dem tool ermöglichen; angesprochen werden Jugendliche und Erwachsene. Viele verschiedene Sprachen werden angeboten.

deprexis – für die Nutzung benötigt man ein Rezept von einem Arzt oder Therapeuten, das man dann bei der Krankenkasse einlösen kann, um einen Freischaltcode zu erhalten.

„Immer mehr ganz Du“ – ein Buchtipp

18.03.2022 – Gestern abend gab es bei uns einen Familiencrash: Ich hatte den ganzen Tag schon ein schlechtes Gefühl gehabt, mich völlig überflüssig gefühlt. Und als nach dem Abendessen die Teenager einfach aufstanden und sich wortlos verdünnisieren wollten, ist mein Mann sehr sauer geworden. Alles endete in Geschrei und Tränen. Vermutlich kam viel zusammen… aber etwas Gutes ist danach doch noch passiert: Ich habe ein Paket mit „Immer mehr ganz Du“ von Kirsten Holtmon Resaland und Astrid Nylander Almaas geliefert bekommen.

Gute Selfhelp-Books sind rar – das hier ist eins

Ich hatte das Buch bei einer anderen Bücherbestellung online gesehen und war neugierig geworden. Selfhelp-Books sind ja schon länger sehr erfolgreich, aber ich bin oft misstrauisch: Wenn die AutorInnen so tun, als wäre ihr Ansatz der einzig wahre, oder wenn die Inhalte eher esoterisch sind als Hand und Fuss zu haben, dann kann ich nichts damit anfangen. Solche Bücher können viel Schaden anrichten. Gerade bei leicht beinflussbaren und häufig verunsicherten Menschen wie es Jugendliche ja oft sind. Zum Glück ist „Immer mehr ganz Du“ überhaupt nicht einseitig oder missionarisch – ganz im Gegenteil.

„Lexikon der Jugend“

Es ist ein durch und durch gelungener Ratgeber (das sieht z.B. auch der Deutschlandfunk so). Jugendliche finden hier ausgewogene Informationen, konkrete Tipps, die nicht bevormunden, und weiterführende Anlaufstellen, falls sie mehr Informationen oder Hilfe benötigen. Das Buch ist eine Art „Wikepedia der Jugend“ und der verschiedenen Herausforderungen, denen sich Jugendliche heute gegenüber sehen: Von der Selbstfindung bis zu Essstörungen oder der Frage, was eine „Therapie“ überhaupt ist, was man tun kann, wenn man ein schlechtes Gewissen hat und wieso es normal ist, als JugendlicheR wütend zu sein.

Das Buch „Immer mehr ganz du“ ist für Jungs und Mädchen gleichermaßen geeignet. Foto: Pexels/Artem Podrez.

Es gibt insgesamt zehn Kapitel, die alle für sich stehen. Man kann das Buch also kreuz und quer lesen oder einfach etwas nachschlagen, das einen interessiert. Die Themen sind einerseits „Klassiker“ wie z.B. „Unser Körper“ (Kapitel 3) sowie „Sex“ (Kapitel 4) oder „Wer bist du“ (Kapitel 1) und „Gefühle“ (Kapitel 6). Alle Teenies (und sicher auch noch einige Erwachsene) beschäftigen sich mit Fragen dazu. Aber es gibt auch Kapitel, die vielleicht nicht jedeR AutorIn mit aufgenommen hätte: So behandelt Kapitel 8 „Schwere Zeiten“, Kapitel 9 „Psychische Krankheiten“ und Kapitel 10 „Wie du die Welt siehst“. In letzterem werden z.B. die Themen „fake news“, „Verschwörungstheorien“ sowie „Horoskop“ und „Wird die Welt untergehen“ angesprochen.

Alles wird an- und ausgesprochen – auch Schwieriges

Jedes Kapitel ist noch einmal in verschiedene Abschnitte bzw. Fragen gegliedert, die im Inhaltsverzeichnis aufgeführt werden und eine Idee davon vermitteln, worum es konkret geht. Auch diese Abschnitte stehen im Prinzip für sich und können ohne Zusammenhang gelesen werden. Im Kapitel „Gefühle“ gibt es z.B. den Abschnitt „Wie können Gefühle Menschen zu Mördern werden lassen?“. Außerdem gibt es Abschnitte zu „Good Feelings“ und „Schlechte Gefühle“ sowie „Was wollen Gefühle?“. Die Autorinnen nehmen sich viel Zeit für die Betrachtung verschiedener Gefühlszustände: Freude, Stolz, Liebe, Eifersucht, Wut, Neid, Ekel, Verachtung, Enttäuschung, Angst, Traurigkeit, Verbitterung und auch Einsamkeit. Dabei nehmen sie nie ein Blatt vor den Mund. Auch nicht, wenn es um ungewöhnliche oder Tabu-Themen geht.

Infos, Einordnungshilfen, Checklisten, Tipps

Sie picken sich die Gefühle heraus, die für Jugendliche besonders wichtig sind, wie z.B. Liebe, und gehen dazu ins Detail. Und sie sprechen solche Gefühle genauer an, mit denen Jugendliche größere Probleme haben könnten (Wut, Angst). Sie erklären, was einzelne Gefühle im Körper auslösen und geben Tipps im Umgang mit ihnen. Manchmal steht am Ende eines Abschnitts ein Absatz mit dem Titel „Was ist normal?“ bzw. „Ab wann besteht Grund zur Sorge?“: Diese z.T. auch farblich abgesetzten Texte geben eine kurze Beurteilungshilfe, ob man vielleicht mehr Hilfe benötigt als sie das Buch geben kann. Meist ist ein Verweis auf die Seite im Buch enthalten, auf der man weiterführende Hilfsadressen findet.

Auch das Thema Kommunikation wird in vielen Facetten angesprochen. Foto: Pexels/mentatdgt

Die Autorinnen und ihre Herangehensweise

Dass das Buch so angenehm umfassend und so wenig unangenehm missionierend ist, liegt an den Autorinnen und ihrer Herangehensweise: Kirsten Holtmon Resaland ist „Spezialistin für klinische Kinder -und Jugendspsychologie“, so der Verlag. Astrid Nylander Almaas ist Fachärztin für Kinder- und Jugendkrankheiten und Chefärztin am Akershus Uniklinikum in Oslo. Die beiden haben sich aber nicht nur auf ihre eigene Expertise verlassen. Für viele Themen haben sie sich zusätzlich mit Spezialistinnen beraten. Und sie haben auch eng mit Jugendlichen zusammengearbeitet: Diese haben z.B. Kapitel probegelesen, Fragebögen dazu beantwortet und Vorschläge gemacht, was in dem Buch noch angesprochen werden sollte. Das merkt man dem Buch an. Die Autorinnen nehmen ihr Publikum ernst, behandeln die jugendlichen Leser nicht von oben herab, sondern eher wie wohlwollende „große Schwestern“ oder andere ältere Vertrauenspersonen.

Einige, wenige Kritikpunkte

Ein paar wenige – und nicht besonders schwerwiegende – Kritikpunkte habe ich:

Ich finde es schade und unpraktisch, dass es keinen Index gibt. So kann man z.B. das Thema „Trans“ oder „Homosexualität“ nicht einfach nachschlagen. Stattdessen muss man in verschiedensten Kapiteln suchen. Denn es könnte ja sowohl bei der Frage nach der eigenen Identität (Kapitel 1) als auch im Sex-Kapitel stehen, vielleicht aber auch bei „Gefühle“ oder „Schwere Zeiten“… Letztlich bin ich im fünften Kapitel („Wofür sollen wir uns entscheiden und wogegen?“, S. 133ff) und im sechsten Kapitel („Gefühle“, S. 150) fündig geworden. Aber es hat ganz schön lang gedauert – und die Seiten im fünften Kapitel habe ich auch erst beim erneuten Durchblättern entdeckt. Hier könnte der Verlag eindeutig bei der nächsten Auflage nachbessern.

Sprache betont jugendlich – nicht immer authentisch

Außerdem ist die betont „jugendliche“ Sprache für manche vielleicht etwas „cringe“ ;-). Das kann an der Übersetzung liegen. Oder daran, dass hier eben keine Jugendlichen schreiben, und es deshalb nicht ganz authentisch wirkt, wenn da steht: „Du denkst vielleicht, du seist ein Weirdo“ oÄm… Aber man liest sich schnell ein und nimmt es den Autorinnen nicht übel – ich als Erwachsene jedenfalls nicht.

Fehler – fehlende Worte

Last but not least: Ich bin über einige Fehler gestolpert (vergessene Worte meist), die bei genauerem Korrekturlesen sicher hätten vermieden werden können. Ich weiß, das klingt etwas kleinlich. Aber man stolpert beim Lesen an solchen Stellen. Und manchmal ist das ärgerlich, vor allem wenn man einen Abschnitt drei Mal lesen muss, um sicher zu sein, dass man nicht doof ist, sondern tatsächlich ein „nicht“ vergessen wurde, und deshalb alles keinen Sinn macht… Auch das sollte für die nächste Auflage – die es hoffentlich geben wird – verbessert werden.

Fazit

Unterm Strich empfehle ich das Buch trotz dieser kleinen Schönheitsfehler uneingeschränkt. Dieses Buch sollte meiner Meinung nach in jedem Teenie-Zimmer stehen (und auch in einigen LehrerInnen-Zimmern und bei Eltern auf dem Nachttisch).

Vom Alter her soll es übrigens nach Meinung des Verlages ab 12 Jahren passen. Das sehe ich ähnlich. – Ich habe nach dem ersten Exemplar noch zwei weitere bestellt: jedes meiner drei großen Kinder bekommt eins von mir (jeder eins, damit sie es auch zur Hand haben, wenn sie es gerade brauchen und nicht *peinlichpeinlich* einem Geschwister erklären müssen, warum sie es gerade jetzt haben wollen). Ich schätze, dass es zunächst von den beiden 16- bzw. 15jährigen gelesen werden wird. Aber auch der 11jährige kann sicher mit einigen Themen (z.B. Freundschaften) schon etwas anfangen.


Titel: Immer mehr ganz Du

Autorinnen: Kirsten Holtmon Resaland und Astrid Nylander Almaas

Erscheinungsjahr: 2020

Verlag: Gabriel

ISBN: 978-3-522-30602-7

Preis: 20 Euro


Toll finde ich: die Bandbreite der Themen und dass alles sehr lebensnah für heutige Jugendliche beschrieben wird.

Überrascht hat mich: wie spannend das alles zu lesen ist (auch für mich).

Hilfreich finde ich: die Erklärungen (z.b. von Gefühlen oder psychischen Krankheiten), Einordnungen „Was ist normal?“ (z.B. bezüglich des Körpers) und die konkreten Tipps (z.B. für Entspannungsübungen, den Umgang mit Fehlern und Kritik).

Vermisst habe ich: einen Index.

Was ich weniger gelungen finde: Die Sprache ist vielleicht ein bisschen „cringe“ für Jugendliche… 😉

Worüber ich gestolpert bin: einige Fehler im Druck.

Kopf-Chaos

12.03.2022 – Chaos. In meinem Kopf ist Chaos. Die Frühlingsboten auf dem Bild stehen geordneter… Es gibt so viele verschiedene Themen, die mich beschäftigen. Viele davon sind schon alt, manche neu. Dazu die ganzen Nachrichten aus der Ukraine, aus Russland, aus den USA. Ich müsste mich um den Sommerurlaub kümmern – aber wie wird die Welt dann aussehen? Kann und will man dann überhaupt verreisen? Und überhaupt: Warum sollte ich uns für viel Geld ein Haus in Österreich mieten, wenn wir da im Prinzip dasselbe machen können, was wir hier machen könnten? Nur für den Tapetenwechsel? Und mit der ziemlichen Gewissheit, dass es wahrscheinlich ein oder zwei Kinder von uns blöd finden werden? Weil nicht exotisch genug, weil zu nah dran, weil… sie einfach Teenager sind oder präpubertär?

Ich kann mich im Moment nicht fokussieren

Dieser Text wird sich nicht auf ein einziges Thema fokussieren können, denn genau das kann ich im Moment nicht. Ich springe die ganze Zeit hin und her. Und auch wenn ich eigentlich sehr gut darin bin, Prioritäten zu setzen und mich dann konzentriert an die Abarbeitung meiner to-do-Listen zu machen: Ich MUSS das ja hier nicht. Also lass ich es jetzt einfach.

Mich setzt es unter Stress, dass der Großteil der Familie im nächsten Jahr zurück nach Deutschland ziehen will. Ich habe das Gefühl, wir sind gerade erst hier angekommen – und jetzt soll ich schon wieder ausmisten und alle Zelte abbrechen? Ich bin gerade soweit, dass mein Schwedisch ein bisschen besser wird. Ich habe zwar noch immer kaum Möglichkeiten, zu sprechen, aber ich verstehe immerhin unsere Schwedisch-Lehrerin ziemlich gut. Diese Sprache bringt mir eigentlich gar nichts – außer Gehirnjogging. Oder nur – wenn wir hier doch noch irgendwo ein Sommerhäuschen kaufen -, dass ich im örtlichen „Ica nära“ kurz mit der Verkäuferin sprechen kann.

Seit 15 Jahren überlege ich am schwedischen Häuschen herum

Das schwedische Sommerhäuschen ist ein Thema, das uns eigentlich schon seit 15 Jahren begleitet. Warum kümmern wir uns nicht ernsthaft darum? Weil wir zur Bank gehen müssten, um eine Kreditzusage zu bekommen, mit der wir dann auf ein Haus bieten könnten: So macht man das hier nämlich. Die Häuser werden immer versteigert. Aber ohne das nötige „Klein“geld oder eben eine Kreditzusage, kann man nicht mitsteigern. Ich gehe auch deshalb nicht zur Bank, weil ich nicht gewillt bin, viel von unserem Ersparten auszugeben. Weil – was ist wenn wir es für etwas anderes brauchen? Und will ich ein Sommerhaus in Schweden, in das ich dann nur ein, zwei Mal im Jahr fahren kann? Als Alterssitz taugt es wohl auch nicht, weil das Gesundheitssytem hier so mies ist. Aber im Hinblick auf den Klimawandel wäre es wahrscheinlich besser, hier ein Haus zu kaufen als in Berlin/Brandenburg, wo es voraussichtlich immer länger immer heißere und trockenere Perioden geben wird…

Autarkie oder „A room of one´s own“

Mir geht es bei diesem Haustraum vor allem um Autarkie: Ich will irgendwo einen Ort haben, an dem ich tun und lassen kann, was ich will. (Oder geht es da mehr um Virgina Wolfs „A room of one´s own?) Einen Ort, an den ich ggf. gehen kann, wenn es mir in der Stadt zu heiß oder zu viel oder zu laut ist. Einen Ort, wo es nichts ausmacht, wenn ich den Holzboden mit Farbe anstreiche, weil es meiner ist. Wo ich nicht auf das Einverständnis meines konservativen Vermieters angewiesen bin, wenn ich eine umweltfreundliche Heizung einbauen will. Wo ich einen Garten habe, wo der Hund ums Haus springen kann, die Kinder so laut sie mögen Musik hören und in der Hängematte schaukeln können. Wahrscheinlich will ich da auch in der Lage sein, einfach tun und lassen zu können, was ich will: Meinen Tag einzuteilen wie ich will, zu essen, was ich will (und nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner in der Familie)…

Gleichzeitig fürchte ich mich aber vor der Festlegung, weil das Geld dann „weg“ ist. Und wir haben ja keine Reichtümer, auch wenn alle immer denken, dass wir sie haben müssten, weil wir ja gute Jobs haben. Aber wir haben eben auch vier Kinder und hohe laufende Kosten. Und ich bin – zugegebenermaßen – nicht gut im Sparen. Ich gebe gern und viel Geld für die Kinder aus: für jede Menge Bücher, für Kurse und Hobbies, damit sie ausprobieren können, was ihnen gefällt. Und zum Teil auch für Vorräte, die viele überflüssig finden, allen voran meine Familie. (Aber vielleicht hat sich das jetzt ein bisschen geändert seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine… Immerhin empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe seit Jahren, einen gewissen Notvorrat im Haus zu haben.)

Sicherheit kontra Lust auf Neues und Veränderung

Meine Vorratshaltung entstammt auch meinem Sicherheitsbedürfnis bzw. meinem Wunsch, autark zu sein. Der ist natürlich zu einem gewissen Grad völlig lächerlich: Nicht nur ist kein Mensch eine Insel – sondern natürlich hilft mir mein Vorrat auch nur maximal drei, vier Wochen über die Runden und danach nicht mehr. Gut, ich hatte im Lockdown Nr. 1 in Deutschland kein Problem mit leeren Regalen bei Klopapier, Hefe und Mehl. Das konnte ich locker aussitzen. Aber wenn es hart auf hart käme, wir hier kein fließend Wasser und keinen Strom mehr hätten, dann wäre ich auch schnell mit meinem Latein am Ende.

Mir ist schon klar, dass es bestimmte Grundthemen sind, die mich beschäftigen. Und die sind in meiner Biographie und Persönlichkeit begründet. Ich habe immer einen Konflikt in mir: (vermeintliche) Sicherheit gegen die Lust an Neuem, an Veränderungen, am Tun und Bewegen. Das betrifft alles. Auch z.B. meinen Job. Was werde ich tun, wenn wir zurück nach Deutschland gehen? Am liebsten würde ich schon immer frei arbeiten. Aber ich habe den Schritt in die Selbständigkeit nie gewagt. Warum nicht? Sicherheitsbedürfnis… im Zweifel muss ich ja vier Kinder auch allein versorgen können.

Wo ist mein „impact“ im Job?

Ich habe jetzt zum ersten Mal einen Job, in den ich zurückkehren kann. Einen, den ich ziemlich sicher bis zur Rente machen kann. Öffentlicher Dienst. So schön diese Sicherheit ist, so verrückt macht sie mich auch bis zu einem gewissen Grad: Ich mag die Hierarchien nicht. Ich mag die Machtspielchen nicht. Ich mag das Feilschen und sich-selbst-Anpreisen nicht. Ich bin immer mehr an Inhalten als an Titeln oder sichtbarer Personal- oder Budgetverantwortung interessiert. Und ich frage mich: Wo ist eigentlich der „impact“ den ich durch diesen Job habe? Gibt es einen? Oder ist das alles heiße Luft, was ich da produziere/produziert habe? Man sieht einfach sehr wenige Auswirkungen. Es gibt keine messbaren Erfolge. Und wenn, dann ist das ganze Haus daran beteiligt gewesen. Klar, so ist das in der Politik. Ich weiß. Aber ist das richtig für mich? Ich frage mich das im Moment. Mal wieder.

Ein „social entrepreneur“ zu sein, würde mich reizen. Aber mit was? Und mit wem? Mir fehlt so viel Wissen. Selbst wenn ich Ideen habe, weiß ich oft nicht, wie ich über einen gewissen Punkt hinweg kommen soll: Wo holt man sich die nötige Expertise? Wie machen die Leute das, die ohne viel betriebswirtschaftliche Ahnung Unternehmen gründen und „einfach machen“? Am allermeisten fehlt mir aber meistens die reine Zeit, die es bräuchte, um ein Projekt stringent zu verfolgen. Der Alltag ist einfach so voll. Ich habe letzte Woche einmal Protokoll geführt über meine Tätigkeiten an zwei Tagen… Denn da ich hier ja „nur Hausfrau“ bin und „nicht arbeite“, wundere ich mich regelmäßig darüber, wo meine Zeit bleibt. Und wenn ich mir das so schwarz auf weiß anschaue, dann wundere ich mich nicht mehr. Es gibt einfach zig Sachen zu tun! Ich frage mich auch deshalb, wie ich es schaffen soll, wenn wir zurück sind, auch noch einen Job in meiner Woche unterzukriegen? Das kann nur zu Lasten von etwas anderem gehen.

Einfach das Kochen weglassen – dann sind alle Zeitprobleme gelöst

Mein Mann macht dann immer den wahnsinnig hilfreichen Vorschlag, ich solle Zeit beim Kochen sparen… (Darüer rege ich mich dann so auf, dass es immer bei diesem einen Vorschlag bleibt.) Statt eine Stunde am Tag dafür zu nutzen, bräuchte ich dann nur 15 Minuten, wenn ich statt eines warmen Abendessens nur ein Vesper auf den Tisch stellen würde. Super. Bleibt aber noch die Wäsche, das Einkaufen, die Kommunikation und Logistik und Betreuung rund um die Kinder (Verabredungen, Hobbies, WhatsApp-Elterngruppen, Termine bei ÄrztInnen machen, vor Einladungen nach Wünschen für Geburtstagsgeschenke fragen und sie besorgen, an Hausaufgaben erinnern und Vokabeln abfragen, vor Klassenarbeiten Lernmaterial heraussuchen und mit dem Kind durchgehen, Sommerferienbetreuung/-freizeiten suchen…) – und dabei bin ich schon extrem „großzügig“ was den Hausputz angeht und mache da sehr wenig. Und es ist auch nicht so, dass mein Mann gar nichts macht. Gerade hier macht er recht viel zusätzlich zum Vollzeitjob: er kocht oft, er bringt die Kinder jeden Tag zur Schule. Dennoch bleibt die „mental load“ an mir hängen. Fast komplett. Er hat in seinem Leben noch keine Steuererklärung gemacht. Er weiß ziemlich sicher nicht, welche Größen an Kleidung und Schuhen die Kinder gerade tragen. Er kauft keine Geburtstagsgeschenke und sortiert nicht Winter- und Sommerkleidung ein oder aus. Er stellt auch nicht die Haushaltshilfe ein oder sucht sie überhaupt (hier haben wir übrigens keine, weil uns ein Stundenlohn von 40 Euro dann doch zu teuer ist – wir bekommen als Diplomaten nicht den „rutavdrag“, also 50% Vorab-Steuerabzug, den die Schweden hier bekommen…).

Selbst schuld?

Jammer, jammer… Shitstorm, ich höre Dich schon kommen (gut, dass hier kaum einer liest :-)). Klar, alles meine eigene Schuld, weil ich es so habe entstehen lassen. Wirklich? Nein, nicht nur. Ich habe neulich den Ratschlag gelesen, dass man im ersten Lebensjahr eines Kindes die Elternzeit ganz gerecht halbe-halbe aufteilen sollte, damit so eine „Spezialisierung“ innerhalb der Eltern nicht eintritt. Den Rat finde ich gut. Der ist absolut richtig. Dazu wird es aber nicht kommen, wenn sich nicht ganz viel in der deutschen Gesellschaft an vielen Stellen ändert (und was macht man, wenn man schon in der Falle sitzt?!).

Wenn man die Elternzeit nicht aufteilen MUSS, um das Elterngeld zu bekommen, werden die meisten jungen Eltern den traditionellen Weg weitergehen. Weil es einfach so „drin“ ist und gesellschaftlich erwartet wird. Wenn die Väter im Job schief angesehen werden, wenn sie mehr als die zwei „Vätermonate“ nehmen, werden es die meisten nicht machen. Wenn es ein Problem ist, frei zu nehmen, wenn die Kinder krank sind, dann macht es diejenige, die sowieso weniger gegen Bezahlung arbeitet. Wenn überwiegend Frauen in Teilzeit arbeiten, weil es sich mit Steuerklasse V nicht lohnt, mehr Stunden zu machen, dann wird die Anwesenheitskultur weiter bestehen bleiben: Zeit absitzen statt Effizienz – für alle Leute, die Kinder haben und ihre Zeit einteilen müssen, ist das unfassbar blöd. Wenn Kinder als Last und laut und unerwünscht betrachtet werden, z.B. wenn man eine Wohnung sucht, dann ist auch das extrem frustrierend und zeigt, wie wenig Wertschätzung uns Eltern entgegengebracht wird. (Uns persönlich wurde mal von einem Makler gesagt: „Wissen sie, ihre Bonität ist super, aber ihr Problem sind die vier Kinder…“ – Seitdem sind wir nicht mehr umgezogen und würden uns das in Berlin im Moment auch nicht trauen. Wir bezahlen deshalb zurzeit zwangsweise 20% Zuschlag auf unsere Kaltmiete – nur um da wieder einziehen zu dürfen, wenn wir zurückkommen. Das ist Geld, das wir sonst für unsere Kinder zurücklegen könnten. Aber die wahnsinnig soziale Genossenschaft, bei der wir gemietet haben, nutzt den maximal möglichen Zuschlagsrahmen bei Untervermietungen voll aus. Warum? Weil sie letztlich eben nicht sozial sind, sondern nur an Gewinnmaximierung denken – wie so viele.)

Was wären wir froh, wenn es „nur“ die Pandemie gäbe jetzt…

Ok, jetzt bin ich so richtig abgeschweift und habe keinerlei roten Faden mehr, den ich aufnehmen könnte. Aber vielleicht ist ein bisschen Frust raus und ich kann jetzt mal wieder an andere Dinge denken. Bevor ich die nächsten Nachrichten lese…

Es ist draußen frühlingshaft schön – sonnig, relativ warm, die Schneeglöckchen und Winterlinge blühen. Wäre doch bloß kein Krieg und „nur“ noch Pandemie. Wie schnell sogar sowas ein ganz anderes Gewicht bekommt, oder? Die Pandemie war schlimm, ist immer noch nicht vorbei. Aber wenn wir nur die zu bewältigen hätten – wie froh wären wir im Moment?! Und ich mache mir hier so viele Gedanken um mein kleines, persönliches Leben… immer wieder komme ich an den Punkt, an dem ich denke: Was bringt das alles? Warum ist es mir nicht einfach egal, solange alle einigermaßen gesund sind in meiner Familie und wir genug zu essen und zu trinken haben, ein Dach über dem Kopf… – Weil es wahrscheinlich menschlich ist, zwischen den Polen zu schwanken, manchmal das große Ganze zu sehen und manchmal nur das Kleine. Ich denke, das geht jedem so. Und vielleicht verzettelt man sich gerade jetzt gern in den eigentlich kleinen Scheinproblemen, weil es ablenkt.

Fürs Wesentliche aktiv werden

Warum wir am „Semmeltag“ mit Denken und Handeln beginnen sollten

25.02.2022 – Eigentlich wollte ich mal einen ganz heiteren, unbeschwerten Artikel schreiben. Was Leichtes über SchwedInnen und ihre Vorliebe, regelmäßige „Essens-Feiertage“ zu begehen: am Dienstag, 1. März 2022, ist nämlich der „Semmeltag“ (semmeldagen). Aber der Krieg in der Ukraine hat gestern begonnen. Und es wäre ignorant, jetzt nur locker-flockig über eine schwedische Tradition zu berichten. Insbesondere da sie heutzutage viel mit überflüssigem Konsum zu tun hat.

Alles dreht sich um den Krieg in der Ukraine

Die Nachrichten, alle Medien hier sind voller Berichte aus Kiew, das unter Beschuss steht. So wie auch in Deutschland. Nur dass man das Gefühl hat, dass Russland für die Schweden noch näher ist, noch bedrohlicher. Kein Wunder: Schweden hat in den vergangenen Jahrhunderten häufig Krieg gegen Russland geführt und dabei viele Leben und letztlich auch große Gebiete und seine Großmachtstellung verloren (insbesondere im Großen Nordischen Krieg 1700-1721, im Russisch-Schwedischen Krieg 1741-1743 und im Russisch-Schwedischen Krieg 1808-1809).

In den letzten Monaten hat sich Russland außerdem nicht nur mit Forderungen an die NATO insgesamt gewandt, sondern ganz dezidiert auch an Finnland und Schweden, die bisher nicht der NATO angehören: Russland hat gefordert, dass dies auch so bleibe. Dagegen haben sich beide Länder verwahrt. Nun diskutiert man hier erst recht wieder, ob man der NATO beitreten sollte.

Man fragt sich, ob und wie man helfen kann

Und wie in Deutschland, fragen sich die Menschen in Schweden seit gestern außerdem: Wie können wir helfen? (Erste Flüchtende aus der Ukraine sind in Schweden eingetroffen…) Der Verzicht auf „semlor“ hilft wohl kaum. Aber vielleicht die Rückbesinnung auf die Entstehung dieser Tradition:

Ursprünglich war der „Semmeltag“ nämlich der letzte Tag vor dem Beginn der Fastenzeit: Bei uns ist es der „Faschingsdienstag“, in Frankreich der „Mardi gras“. Weil dann eine Zeit der Entbehrung begann, gab es am „fetten Dienstag“ nochmal richtig gutes, fettes Essen. Hier in Schweden eben die „semlor“: ein Hefegebäck, gewürzt mit Kardamom und dick gefüllt mit einer Mandelmasse und Sahne (Rezept hier; wie das meiste Süßzeug in Schweden schmecken die „semlor“ übrigens nicht besonders intensiv nach etwas – nur sehr süß).

Fasten sollte Konzentration auf das Wesentliche sein

Fasten ab Aschermittwoch ist für viele von uns kein Thema mehr. Und wenn, dann nur, weil es als gesund gilt. Oder weil man einen Grund braucht, um eine schlechte Gewohnheit halbherzig zu unterbrechen („Handy-Fasten“, keinen Alkohol trinken uÄm.). Dabei sollte das Fasten eigentlich mehr sein als der Verzicht auf Nahrung – eher eine Konzentration auf das Wesentliche.

Was wesentlich ist, das ist vielen von uns spätestens am 24.02.2022 mit Blick auf die Ukraine wohl sehr deutlich geworden. Wir sollten diese Fastenzeit deshalb nutzen, um genau darüber intensiv nachzudenken: Was ist wesentlich für uns und was bin ich bereit, dafür zu tun? Denn es ist ja nicht „nur“ der völlig unberechenbare Krieg in der Ukraine: Despoten gibt es noch einige mehr auf der Welt. Die rechtsradikalen Wegbereiter von weiteren finden sich in vielen Parlamenten – in Deutschland ebenso wie in Schweden, Frankreich, den USA… Und all das wird überschattet von der drohenden Klimakatastrophe. – Freiheit, Demokratie, Sicherheit und ein bewohnbarer Planet für unsere Kinder sind von vielen Seiten Gefahren ausgesetzt. Was tun wir persönlich für ihren Schutz?

Aufs Wesentliche besinnen und aktiv werden

Statt uns also an „semlor“ oder anderen Faschingstraditionen zu überfressen (wie es z.B. der schwedische König Adolf Fredrik 1771 getan haben soll) und uns danach irgendein lasches, leicht erreichbares Ziel vorzunehmen, sollten wir uns – spätestens jetzt – auf das Wesentliche besinnen und aktiv werden, z.B. so:

  1. An eine Hilfsorganisation spenden, die den Menschen aus/in der Ukraine hilft:

2. In eine demokratische Partei eintreten, diese damit regelmäßig finanziell unterstützen und am besten auch aktiv werden in ihr.

3. Unsere demokratischen Rechte nutzen und demonstrieren, bei Fridays for Future z.B. (die brauchen auch Spenden)…

4. Wählen gehen und demokratische Parteien wählen.

5. Uns informieren, z.B. über die Klimakrise und was jeder von uns beitragen kann, um sie zu verhindern.


Konkrete Hilfe für unkrainische Flüchtende:

  • App RefAid: wurde von vielen NGOs gemeinsam entwickelt / unterstützt. Sie enthält Adressen zu Hilfsangeboten, immer sortiert nach dem örtlich nächsten Angebot.
  • Voluntari in Europa und Uniți Pentru Ucraina: Facebook-Gruppen /rumänisch, in der Unterkünfte angeboten werden können
  • Organisation „MitOst“ – Selbstdarstellung: As part of a growing European network, we support citizens in participating actively in their societies and in acting according to democratic principles.“ – Ukrainehilfe: Hier kann man auch Unterkünfte anbieten oder spenden.

Und für alle, die auch die ganzen alten Männer nicht mehr ertragen können und wollen, die unser aller Schicksale so wesentlich zum Negativen beeinflussen – der Song „Alte Männer“ von Versengold:

https://www.youtube.com/watch?v=rg95UMcOOL8&utm_source=YouTube&utm_medium=Video