Naturreservat Gålö – eine kleine Wanderung

4. September 2022 – Eine Dreiviertelstunde von uns entfernt, liegt das Naturreservat Gålö (ziemlich in der Nähe von Björnö, wo wir auch schon gelaufen sind). Dort kann man sehr schön für zwei Stunden um eine kleine Halbinsel wandern (4.5 km). Oder campen bzw. glampen. Baden geht natürlich auch im Sommer: am längsten Sandstrand des Stockholmer Schärengartens oder in einer der kleinen Buchten um die Halbinsel herum.

Tiefblaues Wasser und warme Felsen, von denen aus man ins Meer hüpfen kann – zumindest im Sommer.

Heute war es schon herbstlich kühl (16 Grad Maximaltemperatur, nachts nur noch einstellig, ca. 6 Grad). Da hat nur noch der Hund gebadet. Aber genossen habe ich die Runde am Meer entlang trotzdem sehr: Der Rundweg um die Halbinsel geht am Parkplatz des „Skälåkers Båtsklubb“ (kostenpflichtig) los und ist mit blauen und roten Punkten gut markiert. Nur am Schluss habe ich irgendwann die Markierung verloren, aber da waren wir fast schon wieder am Ausgangspunkt zurück. Mit einem Blick auf Google Maps und einem der vielen Trampelpfade folgend sind wir problemlos wieder am Parkplatz gelandet.

Diese Strecke im Naturreservat Gålö sind wir heute gelaufen.

Gute Schuhe, Sonnenschutz und Trinkwasser braucht man

Die Strecke wird zwar auch in einem Wanderführer für Familien mit Kindern empfohlen, aber man sollte schon gut zu Fuss sein, um sie zu bewältigen: Die Wege sind nicht plan, es gibt sehr viele Wurzeln und Felsen, einige querliegende Baumstämme über dem Weg, zum Teil ist das Gelände auch sehr steil. Gute Wanderschuhe sind auf jeden Fall hilfreich, genügend Trinkwasser und Sonnenschutz sollte man an warmen Tagen auch dabei haben.

An der steilsten Stelle hilft ein Seil, den Berg raufzukommen.

Unterwegs gibt es – wie überall in Schweden – mehrere angelegte Grillplätze mit phantastischer Aussicht in die Schären. Viele Segelboote gleiten pittoresk vorbei – manche nervigen Motorboote mit lauten Motoren ab und zu auch. Aber alles in allem ist es sehr friedlich und schön. Und wenn ein Platz schon besetzt ist, lässt man sich eben ein paar Meter weiter nieder.

Grillstelle mit kleinem Sandstrand nebenan. Davon gibt es mehrere am Wegesrand.

Grillen oder im Bistro des Campingplatzes einkehren

Wer keine Grillsachen mitschleppen möchte, kann am Ende der Wanderung in das kleine Bistro des Campingplatzes einkehren. Das liegt ein paar hundert Meter vom Parkplatz des Bootsvereins entfernt neben der Rezeption (Öffnungszeiten vorher auf der Homepage checken!). Hier bekommt man einen Teller Pommes für rund sechs Euro (59 Kronen), die üblichen Hamburger oder einen Falafelteller mit Humus für etwas über 10 Euro (ca. 125 Kronen). Kaffee, Eis, bulle (Zimtwecken), smörgås (Sandwich) und kalte Getränke sind natürlich auch erhältlich.

Im Bistro gibt es nach dem Wandern kleine Stärkungen. Alle Fotos: privat.

Die Idee, diese Wanderung zu machen, hatte ich in dem Buch „Barnfamiljens friluftsguide till Stockholm“ (s. Foto unten) gefunden. Wer etwas schwedisch kann, sollte sich diese Reihe genauer ansehen: Es gibt eine riesige Auswahl an Wanderführern für ganz Schweden. Auch Kajak-, Kletter- , Ski- und Radtouren sowie Kochen über offenem Feuer und ein Erste-Hilfe-Buch für outdoor-Abenteurer werden angeboten. Auf deutsch ist nur eines der Bücher erschienen – über die „Höga Kusten“. Auf englisch gibt es das auch und zusätzlich noch eins über den „Skåneleden“, einen 200km langen Wanderweg im Süden Schwedens.

Drei, zwei… eins

Der schwedische Sommer neigt sich dem Ende entgegen. Er scheint es zwar noch nicht so richtig wahrhaben zu wollen und hat es uns in den letzten Tagen noch einmal richtig gezeigt mit 30 ungewöhnlichen Grad – aber es ist so. Die Tage werden deutlich kürzer, die Sonne geht erst gegen 5:30 Uhr auf und schon um 20:30 Uhr unter… Für uns bzw. unsere Kinder ist es der Beginn des dritten und höchstwahrscheinlich letzten Jahres hier in Schweden und an der Deutschen Schule.

Ein guter Beginn – das ist viel wert

Vor zwei Tagen hat die Schule wieder angefangen – ein viel besserer Anfang als vor einem Jahr war das. Alle Kinder kamen ziemlich zufrieden zurück. Ich habe tatsächlich nichts gefunden, worüber ich mir am ersten Tag hinsichtlich der Schule hätte Sorgen machen können. Und das, obwohl ich ja Meisterin darin bin, solche Dinge zu sehen – ob sie da sind oder nicht. Vielleicht – hoffentlich – wird es ein einfacheres Jahr? (Zumindest bei uns zuhause – weltweit sieht es ja nicht danach aus…)

Entlastung für die Zweitälteste: Befreiung von den schwedischen Fächern

Sehr erleichternd für uns war, dass die Schule schon vor dem Ende der Ferien zugestimmt hat, unsere zweitälteste Tochter von den schwedischen Stunden zu befreien – wie es unser Berliner Kinderarzt nach einer Untersuchung jetzt im Sommer vorgeschlagen hat. Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

Hintergrund: Da sie seit ihrer Erkrankung vor fast einem Jahr immer noch täglich Kopfschmerzen hat und viel schneller erschöpft ist als früher (Post Covid), braucht sie Ruhepausen und kürzere Tage, soweit das möglich ist. Gleichzeitig will sie nicht wiederholen. Obwohl sie monatelang gefehlt hat zu Beginn des letzten Schuljahres, obwohl sie viel Stoff verpasst hat und ihre Noten stark abgesunken sind. Sie fühlt sich sowieso schon „alt“ für ihre 15 Jahre – noch ein Jahr unter lauter Jugendlichen auf dem Höhepunkt der Pubertät will sie nicht. Wer will es ihr verdenken… Außerdem gehen wir nächsten Sommer höchstwahrscheinlich nach Berlin zurück – da braucht sie kaum Vorkenntnisse in Samhälle, Historia und Schwedisch…

Es wird ernst für die Älteste – das Abi kommt näher

Unsere Älteste war wie immer schon Tage vor Schulbeginn angespannt – sie weiß, dass es jetzt „um die Wurst“ geht: das Abi. Sie fürchtet sich und fühlt sich unter Druck, setzt sich auch selbst unter Druck. Dabei kommt es für ihre weiteren Pläne gar nicht auf die Noten an. Sowieso prüfungsängstlich sind jedoch diese langen Klausuren (Deutsch z.B. = sechs Zeitstunden!) ein Grauß für sie. Und erst die mündliche Prüfung… Aber sie hat sich schon ausgerechnet, dass sie in Mathe in allen Klausuren eine fünf schreiben kann und trotzdem besteht (sagt sie – ich hoffe, sie hat sich nicht verrechnet!). Solche Gedankenexperimente helfen ihr. Deshalb sage ich ihr auch immer wieder, dass sie die Hälfte schon geschafft hat mit dem Abschluss der elften Klasse.

Und dann????

Wir und vor allem sie dürfen nur nicht vergessen über diesem großen Abi-Damoklesschwert, was da über ihr schwebt: dass das Leben aller Voraussicht nach auch danach weitergehen wird. Sie hat zwar einen ganz groben Plan, was sie ab Sommer 2023 machen möchte, aber konkret ist noch nichts.

Auch wir Eltern müssen anfangen, uns mit neuen Gedanken zu beschäftigen für die Zeit, wenn das erste Kind mit der Schule fertig sein wird – mit gerade mal siebzehneinhalb. Was verlangen wir dann von ihr an Engagement in der Familie, wenn sie sonst nichts vorhat? Wozu drängen wir sie, wenn sie gar nichts an Beschäftigung selbst organisieren sollte? Nichts zu tun, nicht gefordert zu sein, tut ihr nämlich erfahrungsgemäß gar nicht gut. Gleichzeitig kommt dieses „Kind“ mit Druck von außen überhaupt nicht klar. Sie macht sich – wie erwähnt – genug selbst davon. Wahrscheinlich müssen wir noch ein bisschen abwarten und sehen, wie sich alles entwickelt, was sie selbst in Angriff nehmen wird und ob Anstupser von uns überhaupt notwendig werden.

Ziel: Selbständiger Siebtklässler

„Anstupser“ (oder veritable Popotritte) brauchte unser Sohn, noch 11, in den letzten beiden Jahren auch noch viele: um vor Tests etwas zu tun, um Vokabeln zu lernen, um Hausaufgaben zu machen. Aber vielleicht hat es auch da jetzt mal „geschnackelt“? Er kennt jetzt eigentlich die Abläufe an der Deutschen Schule, weiß, wie die Arbeiten aufgebaut sind (in Fremdsprachen z.B. gibt es immer drei Teile: Vokabeln, Grammatik, eigene Textproduktion). Diese etwas langweilige Berechenbarkeit hat Vorteile. Er hat in den letzten zwei Jahren Arbeitstechniken gelernt und weiß z.B., dass er ein guter Vokabellerner ist – wenn er sich denn hinsetzt. Die Erfahrung, dass es einen großen Unterschied macht, ob er sich gut vorbereitet oder nicht, hat er ebenfalls gemacht.

Nette neue Lehrer, motivierendes Technikzeugs

Das alles lässt hoffen, dass er die Herausforderungen des neuen Schuljahres selbständiger meistern wird als früher. Er war an den ersten beiden Tagen jedenfalls guten Mutes. Seinen neuen Deutschlehrer findet er sehr nett und mit dem Fach „Informatik“, dem dortigen Lehrer und dem Projekt fürs erste Halbjahr ist er hochzufrieden. Sie haben alle einen „microbit“ bekommen – einen Einplatinencomputer (vergleichbar einem Arduino oder Raspberry Pi) – mit dem sie selbst kleine Programme schreiben werden. Sehr cool… er hat gleich einen ganzen Nachmittag damit verbracht, ihn auszuprobieren.

Auch die Zweitälteste wurde technisch aufgerüstet durch die Deutsche Schule: ein niegelnagelneuer Laptop wird allen Zehntklässlern hier standardmäßig zur Verfügung gestellt. Die Tyskaskolan hat das erst vor ein oder zwei Jahren eingeführt – Covid-Pandemie sei dank. Aber wohl auch weil es an schwedischen Gymnasien absolut üblich ist, und man diesen Punkt auf der Attraktivitätsskala nicht verlieren mochte.

Das Bild zeigt die neue Flagge der Deutschen Schule, die ein neues Logo zeigt: Über blau-weißen Wellen schwebt der Schriftzug "Taska Skolan Deutsche Schule Stockholm" und eine stilisierte Kogge mit dem Hinweis "Est. 1612" rechts und links daneben.
Neue Fahne mit neuem Logo der Deutschen Schule Stockholm. Foto: privat.

Denn so richtig gute Argumente, die anstrengende Oberstufe an der Deutschen Schule auf sich zu nehmen, gibt es nicht. Man kann – EU sei dank – sowohl mit dem schwedischen als auch dem deutschen Abschluss in beiden Ländern studieren. (Mit gewissen Einschränkungen, wenn man bestimmte Fächer nicht oder nicht lange genug belegt hat). Warum also sollte man sich den Stress antun mit extrem vielen Unterrichtsstunden über drei Jahre und zwei Abschlussprüfungen? Wobei für den schwedischen Abschluss meines Wissens viel „nebenbei“ erledigt wird. Es gibt keine schriftlichen Abschlussprüfungen, die den Abiprüfungen vergleichbar wären. – Und das dann auch noch ohne einen schicken Laptop, den man an jedem schwedischen Gymnasium bekäme? Also gibt´s die jetzt an der Tyskaskolan eben auch. Unsere Tochter freut´s und zeitgemäß ist es auch.

Die Zehntklässler nutzen das Gerät auch gleich in der ersten Woche. Während viele der „schwedischeren“ Klassenkameraden zurzeit an schwedischen Gymnasien hospitieren und erst dann entscheiden, ob sie an die Tyskaskolan zurückkehren, haben die anderen eine „Filmwoche“. Sie drehen in kleinen Gruppen unter Anleitung der Kunstlehrerin Filme – in diesem Jahr zum Thema „Freiheit“. Da hilft es schon, wenn man neben einem Smartphone auch einen Laptop zur Bearbeitung des Materials hat.

Ende dieser Woche gibt es dann noch ein Highlight für die Zehner: eine zweitägige Mini-Kennenlernfahrt auf eine Schäreninsel vor Stockholm. Ein wirklich schöner Auftakt in die Oberstufe!

Technische Ausrüstung auch für die Jüngste

Bliebe noch die Jüngste, die derlei Technik-Privilegien noch nicht genießt.(Letztes Jahr in der zweiten Klasse haben sie einmal pro Woche an ipads „gearbeitet“.) Sie war nun sehr aufgeregt und glücklich, weil sie als Drittklässlerin von uns jetzt in eigenes Handy bekommen hat. Nur zum Telefonieren bzw. Schreiben von SMS natürlich, kein Smartphone. Wir haben das bei allen Kindern so gemacht, weil sie dann allmählich allein zur Schule gegangen sind. Je nachdem wie der Schulweg aussah das eine Kind mehr, das andere weniger.

Nun ist unsere Jüngste noch sehr jung für ihre Klasse (zurzeit noch 7, im Oktober wird sie 8) und der Weg zur Deutschen Schule von uns aus nicht ganz unkompliziert. Deshalb bringen wir sie zurzeit noch hin. Aber es ist ein Ziel dieses Schuljahres, dass das weniger wird bzw. ganz aufhört. Und dafür hat sie das Telefon. Dann kann sie Bescheid sagen, wenn sie einen Bus verpasst oder falsch ausgestiegen ist oder sich noch verabreden möchte. Sie findet es super und ist stolz wie bolle :-).

Alles in allem waren die ersten beiden Schultage also für alle Kinder gut. Mehr kann man sich nicht wünschen. Möge es so weitergehen!

Astrid Lindgren forever

Unser Besuch in der Astrid-Lindgren-Welt bei Vimmerby

Früher waren wir fast jährlich in der Welt von Karlsson, Pippi und Ronja Räubertochter. Nun aber lange nicht mehr – Pandemie sei Dank. Da unsere Jüngste nun aber gerade im besten „Pippi“-Alter ist (7), haben wir die erstbeste Gelegenheit dieses Jahr genutzt und sind nach Südschweden gefahren: Am langen Himmelfahrts-Wochenende waren wir wieder in Vimmerby! Zum siebten oder achten Mal insgesamt. Meine Güte, was haben die schon an Geld mit uns verdient! Günstig ist der Eintritt nicht…

Kurze Theaterstücke der bekanntesten Episoden aus Michel & Co.

Hier „tirritiert“ Karlsson gerade Fräulein Bock durch Zimtweckenklau…

Aber er lohnt sich. Denn man bekommt neben den vielen kleinen „Inseln“ mit den Schauplätzen aus Astrid-Lindgren-Büchern über den Tag verteilt auch viele kurze Theaterstücke geboten: In leicht verdaulichen Häppchen von ca. 20 Minuten Spielzeit werden die bekanntesten Episoden aus Pippi, Michel, Karlsson (und weiteren Büchern) aufgeführt. Dabei singen die SchauspielerInnen natürlich auch die bekannten Lieder. Es ist zwar alles auf schwedisch, aber das hat uns früher schon nicht gestört: Wenn man die Geschichten kennt, versteht man die Stücke.

Pippi spielt mit den Polizisten Kling und Klang Fangen…

Auch dieses Jahr war es wieder so schön wie immer. Selbst das Wetter spielte mit, und wir blieben fast ganz trocken. Wir bekamen sogar einige Sonnenstrahlen zu sehen!

Veränderungen im Park im Lauf der Jahre

Schwierig ist es für die Traditionalistinnen unter uns nur, wenn sich im Park etwas verändert. Und das tut es fast jedes Mal: Bei unserem allerersten Besuch z.B. war die Mattisburg noch winzig, ebenso der Hof aus den Michel-von-Lönneberga-Büchern (der hier in Schweden „Emil“ heißt, wie wahrscheinlich die meisten wissen). Das Heckenrosental der „Brüder Löwenherz“ gab es noch gar nicht. Bei unserem zweiten Besuch präsentierte sich uns eine völlig neue, viel größere Mattisburg – inklusive richtigem „Höllenschlund“, der sich während des Theaterstücks über die Geburt Ronjas dramatisch auftat…

Die große Mattisburg mit dem „Höllenschlund“ rechts.

In den Jahren danach wurde eine große neue Bühne rund um einen neuen Katthult-Hof gebaut. Und danach die Schauplätze für die Brüder Löwenherz.

Das Heckenrosental aus dem Buch „Brüder Löwenherz“.

Eine neue Villa Kunterbunt

In diesem Jahr nun hatten sie doch tatsächlich die Villa Kunterbunt („Villa Villekulla“) umgebaut (die alte Version sieht man zB hier)! Der alte „Kleine Onkel“ aus Holz, der früher für die Kinder als Klettergerüst diente, war verschwunden. Ebenso der Baum vor dem Haus. Dafür gab es dieses Jahr ein echtes Pferd! Das kannten wir bis dato nur aus den Ronja-Stücken – und da handelte es sich eher um kleinere Ponies. Außerdem erschien im Hintergrund der Villa Kunterbunt das – immer noch ziemlich mickrige – Bullerbü (hier nicht im Bild): Da waren offenbar Bäume gefällt worden.

Viel größer und mit echtem „Kleinen Onkel“ (links): die neue Villa Kunterbunt 2022.

Und die Hoppetosse lag nun auf der anderen Seite eines früher bereits vorhandenen Teiches vor Anker. Dafür gab es nun noch mehr von den bei unseren Kindern schon immer sehr beliebten kleinen Flößen, mit denen man sich an einem Seil von einer Seite des Wassers auf die andere ziehen kann.

Floß mit Seilantrieb.

Alles ausprobieren und anfassen ist erlaubt

Da die meisten Veränderungen aber tatsächlich Verbesserungen sind, gewöhnen wir uns schnell daran. Übrigens darf man alle Kulissen sind vor und nach den Aufführungen erkunden. Zwar gibt es nicht viele Kleinteile, die herumstehen (Geschirr etc. ist meist fixiert), aber dennoch gibt es viel zu gucken, zu öffnen und auszuprobieren für die Kinder: Und wer wollte nicht schonmal in Michels Tischlerschuppen sitzen oder sich die „Trissebude“ von innen anschauen, in der Michels Papa festsaß?

Pickplätze mit Grillmöglichkeiten überall

Viele haben solche Bollerwagen dabei.

Sympathisch finden wir, dass im ganzen Park viele, viele Picknickplätze mit Tischen nd Bänken vorhanden sind, wo man sein mitgebrachtes Picknick essen (und an einigen Stellen auch Würstchen grillen) kann. Das machen die meisten Schweden nämlich so. Deshalb gibt es auch am Eingang kleine Metall-Bollerwagen zu mieten, in denen man Kühltruhen und müde Kleinkinder hinter sich herziehen kann. An allen Bühnen gibt es Abstellplätze dafür, wo auch Kinderwagen geparkt werden können. Und niemand hat Sorge, dass etwas geklaut wird. Das ist sehr angenehm.

Restaurants und Cafés gibt es natürlich auch

Natürlich gibt es auch Restaurants und Cafés und Büdchen und Läden, wo man Essen, Getränke, Eis und sämtliche Merchandise-Artikel kaufen kann. Hier findet man die üblichen Köttbullar (Fleischklößchen), Kanelbulle (Zimtwecken), Salate, Sandwiches usw. – Keine kulinarischen Highlights, aber das braucht es ja auch nicht hier.

Merchandising-Artikel mit z.T. wirklich guter Qualität

Diese Sandalen habe ich dieses Jahr zum ersten Mal gesehen. Gummistiefel gibt es auch. Aber nur kleine.

Zum Teil sehr nett sind die Merchandising-Artikel (wer ganz dringend welche braucht, kann hier auch im webshop fündig werden). Dieses Jahr habe ich z.B. Sandalen von Kavat im Look des Fells von Pippis Apfelschimmel „Kleiner Onkel“ gesehen (also weiß mit dunklen Punkten) – allerdings nur bis Größe 32. Vor vielen Jahren haben wir hier schon bunte T-Shirts mit Pippi-Aufdruck gekauft. Die waren von so guter Qualität, dass sie auch heute noch – beim vierten Kind und nach bestimmt 100 oder mehr Wäschen – aussehen wie neu. Allerdings muss man beim Kauf genau hinschauen. Nicht alle Stoffe der hier verkauften Kleidungsstücke machen einen so robusten Eindruck. Die Madita-Kleidchen schienen mir vor Jahren z.B. noch deutlich dicker und stabiler zu sein als heute. Auch hier wechseln Design und Ausführung immer mal wieder. So waren Ronja- und Birk-Sachen dieses Mal kaum zu finden.

Riesige Lollis und kleine Krumelus-Pillen

Lecker (vor allem süß)!

Aber es gibt vieles, woran man lange Freude haben kann: Emaille-Geschirr z.B. und Garderobenhaken aus Metall oder auch viele Poster mit Filmszenen. Wer keinen unnötigen Ballast mit sich herumschleppen aber dennoch eine Kleinigkeit kaufen möchte, der kann sich an den vielen Süßigkeiten gütlich tun: Lutscher in allen Farben von mini bis riesig gibt es ebenso wie die „Krumelus“-Pillen gegen das Großwerden. Die Läden sind übrigens alle in der „Krachmacherstraße“, wo auch das Haus von „Lotta“ steht, in dem der zugehörige Film gedreht wurde. (Das ist der einzige Astrid-Lindgren-Film, der in unserer Familie nicht so besonders gern gemocht wird… die spirrelig-dünne, blonde Hauptdarstellerin ist so weit weg von dem gezeichneten, braunhaarigen, pausbäckigen Vorbild…)

Highlight am Schluss: Jazz-Konzert an der Tankstelle

Kleines Jazz-Konzert zum Abschluss.

An der Tankstelle, an der Lotta im Buch die Zeitung für ihre Nachbarin kauft und einmal sogar einen Weihnachtsbaum findet, als Weihnachtsbäume in der ganzen Stadt ausverkauft sind, gibt es für uns immer den krönenden Abschluss eines Tages in der Astrid-Lindgren-Welt: Hier tritt am späten Nachmittag, kurz bevor der Park schließt, eine Band als „Rausschmeißer“ auf. Natürlich spielt sie die Lieder von Karlsson und Konsorten – aber als Jazz-Versionen. Oft tanzen Leute dazu, vor allem Kinder. Danach geht man gemütlich und beschwingt zum Auto und merkt kaum, wie man nach Hause fährt, weil man den Eindrücken des Tages noch lange nachhängt.


Last but not least:

Der „Nicht-den-Boden-Berühren-Pfad“ ist bei vielen Kindern sehr beliebt.

Man kann gut auch zwei Tage hier verbringen, wenn man bereit ist, so viel Geld zu investieren. Sogar wohnen kann man nebenan – in kleinen Häuschen oder mit Wohnwagen bzw. im eigenen Wohnmobil. Aber gerade mit kleineren Kindern reicht ein Tag völlig aus.

Mit älteren Kindern lohnt sich u.U. noch ein Besuch in Astrid Lindgrens Elternhaus: Näs in Vimmerby. Es gibt kombinierte Tickets für den Park und Näs.


Auch dieses unaufgeregte und gänzlich ohne Elektronik auskommende Labyrinth finden Kinder toll.

Am Haus von Nils Karlsson Däumling kann man erleben, wie es ist, winzig zu sein.

Nach dem Test: Wo gibt es gute Infos?

Erste Schritte: mehr lernen über Hochbegabung

Im Auswertungsgespräch zur Testung und im schriftlichen Gutachten der BegabungsdiagnostikerInnen erhält man idR ein paar grundlegende Informationen zum Thema Hochbegabung. Die meisten Eltern haben danach jedoch das Bedürfnis, mehr zu erfahren, insbesondere wenn sie von dem Ergebnis überrascht wurden. Viele möchten sich auch mit anderen Eltern austauschen und ggf. von ihnen lernen.

Die im Folgenden genannten Anlaufstellen bieten sowohl Informationen als auch Vernetzung an. Es gibt darüber hinaus natürlich noch viele weitere Vereine, private Blogs usw., die sich mit begabten Kindern und Begabungsförderung beschäftigen. Gerade in diesem Bereich sind regionale Initiativen sehr häufig anzutreffen. Man sollte deshalb unbedingt im eigenen Bundesland, in der eigenen Stadt, im eigenen Landkreis schauen, ob es dort Angebote gibt. Diese reichen von Marburger Konzentrationstrainings über Rollenspiel-Angebote bis zu regionalen Begabtentreffen oder Mentoring-Angeboten.

Auch lohnt es sich, einmal über den Tellerrand zu schauen und z.B. auf US-amerikanischen Seiten zu lesen (z.B. bei der „National Association for gifted children“; unter der Rubrik „Informations & Publications“ findet sich eine Kategorie für „Parents“: hier gibt es viele Tipps).

Karg-Stiftung

Die Karg-Stiftung hat den Auftrag, hochbegabte Kinder zu fördern. Auf drei Seiten (Stiftung/Fachportal/Lernportal) finden sich hier viele Informationen zum Thema Hochbegabung. Insbesondere das Fachportal ist sehr ergiebig. Auch wenn es sich vorrangig an PsychologInnen und PädagogInnen richtet, ist es für interessierte Eltern ebenfalls sehr nützlich.

So findet man hier z.B. eine Datenbank mit Beratungsstellen (unter „Service“) , die man anhand von Postleitzahlen durchforsten kann. Allerdings ist nicht ganz klar, nach welchen Kriterien diese Beratungsstellen hier veröffentlicht werden (objektive? Selbstnomination?). Im Zweifel sollte man mit der jeweiligen Stelle zunächst telefonieren, um herauszufinden, ob sie wirklich das bietet, was man sich davon erhofft – und was das ggf. kostet. Gerade im Bereich Begabten/Elternberatung tummeln sich viele, idelogisch und qualitativ sehr unterschiedliche Anbieter – um es diplomatisch auszudrücken. Es ist deshalb sinnvoll und notwendig, sich über das jeweilige Beratungsangebot bzw. die Qualifikationen der BeraterInnen vorher zu informieren, etwas zu recherchieren und z.B. in einschlägigen Elternforen im Internet auch nach Erfahrungen zu fragen.

Auf der Seite gibt es außerdem Info-Broschüren (https://www.fachportal-hochbegabung.de/grundlagen-der-hochbegabung/) – die sich auch zur Weitergabe an LehrerInnen eignen -, einen Länder-Schwerpunkt mit einem Überblick über die rechtlichen Grundlagen der Förderung in den einzelnen Bundesländern, Rezensionen der verschiedenen, gängigen Intelligenztests usw…

Im Bereich „Fachmedien“ auf der Stiftungs-Seite finden sich die Ausgaben der Stiftungs-eigenen Zeitschrift („Karg-Heft“) mit vielen interessanten Themen und sehr viele weitere Literatur-/Medien-Tipps. Die Karg-Hefte können alle in der digitalen Version online gelesen oder als gedruckte Version bestellt werden (mW kostenlos!).

Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK)

Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. ist ein Verein, der sich seit 1978 für die Belange von hochbegabten Kindern einsetzt. Er hat nach eigener Auskunft ca. 3000 Mitglieder (Stand: Mai 2022). Gegründet wurde er auf die Initiative von Annette Heinbokel hin, einer Lehrerin, die insbesondere das Überspringen von Klassen als Fördermaßnahme in Deutschland erforscht und dazu mehrere Bücher und eine Website veröffentlicht hat1 (für Eltern, die sich über das Thema „Überspringen“ informieren wollen: unbedingt lesen!).

Die DGhK ist in Regionalvereine (meist deckungsgleich mit den Bundesländern – aber nicht immer) gegliedert. Diese sind unterschiedlich aktiv, aber alle bieten eine kostenlose Erstberatung für Eltern an, die gerade erst von der Hochbegabung eines ihrer Kinder erfahren haben – oder sie auch nur vermuten. In vielen Bundesländern gibt es darüber hinaus Gesprächskreise für Eltern, gemeinsame Ausflüge, Spielenachmittage, Freizeiten und Kurse oder Workshops für hochbegabte Kinder und ihre Familien. Die Aktivitäten sind immer davon abhängig, wie sich die Mitglieder der jeweiligen Region engagieren. Hier kann man also auch selbst viel beitragen.

Der Bundesverband bietet eine kostenlose telefonische Beratung für PädagogInnen an, auf die man LehrerInnen hinweisen kann.

Außerdem veranstaltet die DGhK Familienfreizeiten, die in der Mitgliederzeitschrift angekündigt werden und sehr beliebt sind.

Schließlich ercheint vier Mal im Jahr eine interessante Mitglieder-Zeitschrift („Labyrinth“), die man auch als Nicht-Mitglied abonnieren kann (Preis: 15 Euro; Stand: Mai 2022). Alle Ausgaben vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2014 sind – gestückelt in drei „Portionen“ – kostenlos als pdf-Download erhältlich2.

Mensa/ MinD gGmbH

Mensa Deutschland e.V.(https://www.mensa.de/) ist ein Netzwerk für hochbegabte Menschen in Deutschland. Der internationale Dachverband Mensa International wurde 1960 gegründet. In ca. 50 Ländern der Erde gibt es Mensa-Vereine bzw. -Mitglieder. In Deutschland sind zurzeit (Stand: Mai 2022) ca. 16.000 Menschen Mitglied, international sind es um die 145.000.

Mensa möchte für seine Mitglieder private und berufliche Kontakte ermöglichen. Der Verein strebt keine konkreten politischen Ziele an, will aber „mit den negativen Stereotypen rund um Hochbegabung in der Gesellschaft aufräumen“.

Interessant für Familien mit hochbegabten Kindern ist Mensa besonders deshalb, weil der Verein Feriencamps für Kinder und Jugendliche von 6-19 Jahren (https://www.mensa.de/kiju/camps/) anbietet (weder Mitgliedschaft noch Nachweis der Hochbegabung sind zwingend erforderlich). Außerdem gibt es Regionalgruppen, die ebenfalls Aktivitäten für Kinder und ihre Familien organisieren. Um von diesen zu erfahren, muss man ein Konto auf der Internet-Seite anlegen bzw. sich per Mail bei Mensa melden.

Für junge Erwachsene (18-30 Jahre) bietet Mensa Youth eine Anlaufstelle für gemeinsame Unternehmungen, Urlaube und Unterstützung z.B. im Studium.

Die Mind-Stiftung gGmbH ergänzt das Angebot. Sie setzt sich für die „Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der menschlichen Intelligenz sowie die Förderung von Bildung und Erziehung Hochbegabter“ ein. Hier können Schulen und Kitas z.B. den „Begabungskoffer“3 für sehr wenig Geld ausleihen: Er wird individuell zusammengestellt und enthält Fördermaterial für hochbegabte Kinder/Jugendliche und Fachbücher zum Thema Hochbegabung. Die Stiftung vergibt seit 2017 außerdem auch drei Studienstipendien4, zwei davon für das Fach Psychologie.

Auch Mensa gibt eine Mitgliederzeitschrift heraus: Sechs Ausgaben pro Jahr erscheinen von „MinD“. Alle Ausgaben sind auf der Homepage frei zugänglich. Die Artikel drehen sich bei weitem nicht nur um Hochbegabung: Es gibt auch Reise-Berichte, Berichte über ehrenamtliches Engagement, ein ganzes Heft über Liebe usw…

www.begabungslotse.de

Diese Internetpräsenz wird vom Verein „Bildung und Begabung gemeinnützige GmbH“ betrieben und bietet vielfältige Informationen zum Thema (Hoch-)Begabung. Dahinter stecken als „Förderer“ das Bundesbildungsministerium, die Kultusministerkonferenz (KMK) und der Stifterverband (ein Unternehmens- und Stiftungsverband).

Auf der Homepage können interessierte Eltern z.B. nach Kurs-Angeboten für Kinder bzw. Jugendliche suchen: Unter „Angebote/Suche“ lassen sich verschiedene Kriterien auswählen (Zielgruppe/Fach/Thema).

Außerdem findet man auch hier einen Überblick über die Begabtenförderung in den einzelnen Bundesländern5, außerdem eine Datenbank mit „Begabungsorten“ sortiert nach Postleitzahlen und ein Verzeichnis von „Anbietern“ nach Bundesländern geordnet. Die „Begabungsorte“ können verschiedenste Einrichtungen und Angebote umfassen: Schulen mit einem Schwerpunkt in der Begabtenförderung ebenso wie Fortbildungsanbieter zum Thema oder fördernde Kurse für Kinder/Jugendliche. Die „Anbieter“ sind bunt gemischt: Schulen ebenso wie Verlage, Hochschulen usw. – wer im weiteren Sinn etwas mit Talentförderung zu tun hat, und das auch belegen kann, kann sich hier listen lassen. Für die Anbieter wurden Qualitätskriterien festgelegt, die unter „Service/Qualitätskriterien“ eingesehen werden können.

 Im Begabungskalender finden sich Tagungen, Kongresse, Messen und Fortbildungen zum Themenfeld Talententwicklung und Begabungsförderung.


1  http://www.ieua.de/

2  https://www.dghk.de/das-labyrinth/

3  https://www.mensa.de/kiju/begabungskoffer/

4  https://www.mensa.de/ggmbh/bildung/hb-im-studium/

5  https://www.begabungslotse.de/laender


Im nächsten Teil dieser Serie gibt es einige Büchertipps zum Thema „Hochbegabt“. Einige sind auch schon hier zu lesen.

Nach dem Test: „Hochbegabt“ – und jetzt?

Wenn eine Begabungsdiagnostik stattgefunden und ergeben hat, dass ein Kind sehr begabt ist, ist das für viele Eltern zunächst eine Erleichterung. Dabei spielt es keine Rolle, ob die „magische Grenze“ von 130 im Gesamt-IQ geknackt wurde oder nicht – mit 125 oder 135 sehen die Denkweisen und Herausforderungen ähnlich aus (vgl. meinen Text dazu hier).

Ich hatte z.B. das diffuse Gefühl, nun endlich eine Erklärung für manche Probleme meiner zweitältesten Tochter in der Schule zu haben. Allerdings bekam ich von der Testpraxis wenige Hinweise dazu, was ich mit meinem neuen Wissen über mein Kind konkret tun könnte. Auch den Problemen, die uns ursprünglich in diese Praxis geführt hatten, wurde nicht so konkret mit Lösungsvorschlägen begegnet wie ich mir das erhofft hatte.

Das kann bei anderen „Teststellen“ anders sein – ich hoffe es für alle Eltern, die dort hingehen. Aber häufig erhält man eben auch nur ein relativ kurzes Gespräch und ein übersichtliches, schriftliches Gutachten, in dem die einzelnen Ergebnisse in den verschiedenen Bereichen des IQ-Tests genannt werden und ein bisschen erklärt wird, wie der Test aufgebaut ist, was in den einzelnen Bereichen geprüft wird. Und dann tun sich viele weitere Fragen auf.

Aus dem Testergebnis ergeben sich viele Fragen für Eltern

– Was mach ich jetzt mit diesem Ergebnis? Woher bekomme ich tiefergehende Informationen über Hochbegabung?

Sage ich es dem Kind, den Geschwistern, den Großeltern? Und wenn ja: mit konkreter Zahl oder ohne?

– Muss ich in meiner Erziehung nun etwas anders machen als bisher?

– Braucht mein Kind Förderung? In welchem Bereich? Kann ich das selbst machen oder muss ich mich dafür an ExpertInnen wenden? Wer könnte das sein?

– Welche Förderung ist sinnvoll?

– Wo bekomme ich ggf. Beratung, um herauszufinden, was für mein(e) Kind(er) gut ist?

– Unser Geld oder unsere Zeit ist knapp, aber ich möchte meine Kinder so gut wie möglich unterstützen – was tun?

Und auch im Hinblick auf das größere Umfeld der Familie gibt es Fragen, insbesondere:

– Soll ich mit der Kita/Schule über das Testergebnis sprechen? Auf jeden Fall oder nur falls Probleme auftreten? In welchem Rahmen – mit wem von der Schule (KlassenlehrerIn, Schulleitung?), allein, beide Eltern zusammen oder am besten noch in Begleitung einer unabhängigen Person? Möchte ich etwas Bestimmtes von Kita/Schule – wie genau sehen meine/unsere Wünsche aus (Gesprächsziel)?


Im Folgenden beantworte ich zunächst die oben gefetteten Fragen.

Beiträge zu den anderen Fragen werden in den nächsten Wochen in loser Folge veröffentlicht werden.


Sollte man dem Kind das Ergebnis mitteilen?

Ja, das sollte man meiner Meinung nach unbedingt tun – aber ohne konkrete Zahlen.

Die Zahlen sind – wie weiter oben beschrieben – nicht erheblich, wenn man sich mit den Möglichkeiten und Grenzen von IQ-Tests und einer Begabungsdiagnostik insgesamt vertraut gemacht hat. Natürlich kann man diese ganzen Informationen auch einem älteren hochbegabten Kind oder Jugendlichen zugänglich machen, und sie würden verstanden werden. Dennoch würde ich es vermeiden, den Gesamt-IQ oder die einzelnen Unterergebnisse z.B. des WISC-V mit dem getesteten Kind/Jugendlichen zu teilen. Insbesondere wenn es Geschwister gibt – egal ob auch getestet oder nicht – finde ich die Gefahr zu groß, dass damit „hausieren“ gegangen wird oder dass sich die Geschwister im Eifer des Gefechts ihre Ergebnisse um die Ohren hauen, um den anderen zu ärgern. Zahlen suggerieren auch (zu) einfache Erklärungen – wenn z.B. nur ein Bereich besonders hoch ausfällt, die anderen eher nicht.

Wichtig für ein Kind oder einen Jugendlichen ist es aber, zu wissen, dass das Ergebnis „hochbegabt“ lautet. Auch das Begabungsprofil, das manche IQ-Tests ermöglichen, ist u.U. Interessant für das Kind und kann es u.U. motivieren oder rückversichern. Man kann also meiner Meinung nach gut zu einem Kind sagen, dass es besonders im sprachlichen Bereich oder im logischen Denken Stärken habe bzw. dass es in allen Bereichen sehr begabt sei.

Viele spät erkannte Hochbegabte berichten, dass für sie das Ergebnis „hochbegabt“ ein Aha-Erlebnis gewesen sei und im Nachhinein vieles verständlicher gemacht habe: Insbesondere das Gefühl, „anders“ zu sein als viele andere Menschen, nicht „hineinzupassen“ haben viele dieser Menschen erlebt und können es sich mit dem Wissen um ihre besondere Begabung endlich besser erklären. Das macht Einsamkeit zwar nicht automatisch gut – aber nachvollziehbarer. Natürlich bringt das Wissen manchmal auch Trauer um verpasste Chancen und unnötige Unsicherheiten mit sich. Aber es kann auch neuen Mut und Selbstbewusstsein geben. Spät erkannte Hochbegabte bedauern es in der Regel, nicht früher über ihre Begabung Bescheid gewusst zu haben.1

Deshalb: Die Kinder sollten das Testergebnis erfahren. Außerdem bietet es sich an, dem Kind oder Jugendlichen altersentsprechend (bzw. im Fall von Hochbegabten ist es eher „entwicklungsentsprechend“) zu erklären, was es bedeutet „hochbegabt“ zu sein.

Dafür ist der Rennwagen-Vergleich nützlich:

Hochbegabte sind wie Formel-1-PilotInnen mit entsprechenden Rennwagen. Sie besitzen eines der besten Autos der Welt mit allem Pipapo (=Begabung) – aber sie müssen erst noch lernen, damit zu fahren (=ihre Begabung zu nutzen). Das ist gar nicht so einfach: Die Technik im Bolliden (Denkfähigkeit) ist nämlich deutlich anders als in den für den normalen Alltagsverkehr konstruierten Pkw. Sie ist auf Höchstleistungen ausgelegt.

Hochbegabte sind wie Formel-1-FahrerInnen… und brauchen auch Spezialtraining.

Das Cockpit hat viele, viele Knöpfe (verschiedene Bereiche der Begabung), die dazu dienen, das Beste aus dem Wagen rauszuholen – aber man muss wissen, wann und wie viel man welchen drücken bzw. drehen muss. (Bei manchen fehlt auch der ein oder andere Knopf.) Das beherrschen junge Hochbegabte zum Teil intuitiv oder lernen es durch Ausprobieren. Manchmal treten dabei jedoch Schwierigkeiten auf, z.B. kommt man noch nicht an alle Knöpfe so gut dran, wenn man noch zu kurze Arme hat (jüngere hochbegabte Kinder können motorisch noch nicht so viel wie ihr Kopf). Oder die langsameren Autos lassen einen nicht vorbei (Kinder werden ausgebremst durch andere Kinder oder ErzieherInnen/LehrerInnen/Eltern).

Und es gibt noch weitere Schwierigkeiten: z.B. ist die Lenkung von Rennwagen sehr empfindlich (viele hochbegabte Kinder sind sehr sensibel) – sie reagiert schon bei kleinsten Bewegungen (Lärm im Klassenzimmer, grelles Licht, kratzige Kleidung z.B.). Außerdem muss man lernen, wie viel Gas (Begabung zeigen) man in welcher Umgebung (Familie, Freunde, Kita, Schule) geben kann oder sollte, ohne einen Unfall (Ausgrenzung/Mobbing, Schulangst, Depressionen, Underachievement….) zu verursachen.

Schließlich kann man auch mit einem Rennwagen gemütlich durch die Lande tuckern (nur mittelmäßig gut in der Schule sein), über Landstraßen fahren (eine weniger herausfordernde Schule besuchen) oder in mittlerem Tempo (nicht die volle Leistungsmöglichkeiten zeigend) auf der Autobahn (stärker herausfordernde Schule) unterwegs sein. Man wird in beiden Fällen ans Ziel kommen – die Frage ist immer, wie zufrieden und glücklich man dabei ist. Manche möchten auch mal so richtig aufs Gas drücken (ihre volle Leistungsfähigkeit ausschöpfen) und bei der Formel-1 mitfahren und am besten gewinnen – dafür muss man trainieren (Lernen lernen, üben) und auf Spezialstrecken fahren (gute Förderung in der Schule erleben oder z.B. Schnelllernerklassen oder Schulen mit besonderer Begabtenförderung besuchen).

Wer nicht weiß, dass er PilotIn eines Rennwagens (= hochbegabt) ist, läuft natürlich recht große Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden. Denn er/sie fährt ja mit völlig falschen Vorstellungen seines fahrbaren Untersatzes und dessen Technik durch die Gegend.

Hochbegabte denken häufig etwas anders als andere Menschen.

Sollten die Geschwister das Ergebnis erfahren?

Das kommt einerseits ein wenig auf das Alter/den Entwicklungsstand der Geschwister an, andererseits darauf, ob sie auch getestet wurden oder werden sollen und welches Ergebnis dabei herauskam/kommt.

Wenn die Geschwister älter als ungefähr fünf sind und auch getestet werden und ebenfalls „hochbegabt“ sind, was häufig der Fall ist, dann sollten sie es untereinander wissen (wiederum ohne konkrete Zahlen).

Wenn die Begabungen unterschiedlich verteilt sind, also ein Kind „hochbegabt“ ist, das andere nicht, finde ich es auch besser, das Ergebnis des hochbegabten Kindes in der Familie zu besprechen als ein Geheimnis daraus zu machen. Denn dieses Thema wird die Familie in vielen Fällen noch weiter beschäftigen – zumal es häufig erst zu einer Testung kommt, wenn Probleme auftauchen. Da das Testergebnis allein noch keine Lösung der Probleme bedeutet, wird sich an sie meist die Suche nach der richtigen Förderung uÄm anschließen. Das bleibt Geschwistern nicht verborgen.

Es ist natürlich schwierig, wenn ein Kind z.B. aufgrund der hohen Begabung Zugang zu attraktiven Zusatzkursen oder Sommercamps hat, das Geschwisterkind jedoch nicht. Doch nicht immer sind Nachweise von Testergebnissen zwingend nötig: Z.B. bietet Mensa Deutschland Sommercamps für Kinder und Jugendliche an, für die kein Nachweis der hohen Begabung erforderlich ist2. Für andere Veranstaltungen (z.B. Sommerakademien) benötigt man z.B. Emfehlungsschreiben von LehrerInnen: die kann man nach einem Gespräch mit den LehrerInnen idR auch ohne Nachweis erhalten, wenn ein Kind sehr motiviert ist. Man hat also die Möglichkeit, ggf. auf solche Angebote auszuweichen, wenn ein Geschwisterkind unbedingt ebenfalls so einen Kurs mitmachen möchte.


Sollte man in der Familie über das Ergebnis sprechen –
und wie ist es außerhalb?

Das kommt sehr auf das Klima in der Familie und unter Bekannten/Freunden an. Insofern gibt es dafür keine Empfehlung, die allgemeingültig sein kann.

Wenn ein offenes, bildungsfreundliches Klima herrscht, wird man darüber sprechen und ggf. sogar die Großeltern oder einen (Paten-)Onkel in die Förderung des/der hochbegabten Kindes/r einbeziehen können. Sie sind u.U. ja selbst hochbegabt und können ihr Wissen auf Spezialgebieten oder ihre Lernleidenschaften an die Kinder weitergeben. Großeltern können so eine Art MentorInnenrolle einnehmen.

Allerdings haben sich die Vorstellungen über Hochbegabung und die damit assoziierten Dinge stark verändert in den letzten Jahrzehnten. Das sollte man in die Rechnung mit einbeziehen, bevor man beginnt, in der Familie oder mit Freunden über das Thema zu sprechen.

Es sollte einem immer bewusst sein, dass das Thema Hochbegabung für viele Menschen starke Konnotationen hat, die nicht unbedingt auf Wissen basieren. Es gibt durchaus Unterschiede zwischen den Generationen und auch kulturelle Unterschiede: z.B. zwischen Menschen, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind (wo Begabte eher stärker gefördert wurden, aber nicht vorranging um ihrer selbst willen, sondern um dem Staat zu Ehre zu verhelfen), und den „Wessis“, die Begabtenförderung bis weit in die 90er Jahre eher selten erlebt haben dürften. Denn in der ehemaligen BRD hatte „Eliteförderung“ keinen guten Ruf, vor allem nicht unter Linken. Auch in den USA wird Begabtenförderung ganz anders gesehen als hierzulande… Darum lohnt es sich, sich vor einem Gespräch ein paar Gedanken zu machen, wie wohl der Gesprächspartner zum Thema Hochbegabung eingestellt sein könnte und wie man dieser Haltung ggf. begegnet.


Fussnoten:

1  Vgl. z.B. viele Lebensgeschichten von hochbegabten Frauen in „Kluge Mädchen. Frauen entdecken ihre Hochbegabung“, Katharina Fietze, S. 44: „Nicht erkannte Hochbegabung tut weh. Man steht gleichsam vor einem blinden Spiegel und sieht sich nicht. Mehr als vier Jahrzehnte vergingen, bevor ich von meiner Hochbegabung erfuhr. Da war mir, als würde ich aus einer Narkose erwachen. Endlich erfuhr ich, wer ich war, und entdeckte den roten Faden in meinem Leben. Eine Zentnerlast fiel von meinen Schultern. Ich hörte auf, mich dümmer zu stellen als ich war und litt nicht mehr darunter, nirgendwo dazuzugehören.“

2  https://www.mensa.de/kiju/camps/teilnahme/

Testen oder nicht testen?

Viele Eltern stellen sich die Frage nach einem Test, wenn sie ein auffallend wissbegieriges Kind zuhause haben. Ich habe in einem möglichst gut verständlichen Überblick aus Elternperspektive die zehn wichtigsten Fragen zur Begabungsdiagnostik zusammengefasst: HIER.

Der Text ist Teil einer Reihe von Infos, die ich „Hochbegabung für Anfänger“ nenne. Denn es gibt ja inzwischen glücklicherweise sehr viele gute Bücher über dieses Thema von Fachleuten, vor allem PsychologInnen. Aber es fehlt meiner Meinung nach die Perspektive von Eltern. Die kommen meist nur in den Fachbüchern als „Fälle“ vor, ebenso wie die Kinder und Jugendlichen, um die es ja eigentlich geht.

Ich beschäftige mich jetzt seit 2016 mit dem Thema und lese in einschlägigen Internetforen immer wieder dieselben verunsicherten Fragen von Eltern. Die werden meist nett und gut beantwortet. Aber die verschwinden natürlich auch immer wieder in den Untiefen von facebook und Co. Deshalb habe ich nun einige Fragen gesammelt, die mir immer wieder begegnet sind, und habe sie möglichst knapp und konkret und nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. Ich hoffe, das hilft manchen weiter.