Familien-update

Zug Stockholm – Hamburg, 26. November 2022: Ich bin auf dem Weg nach Deutschland. Schon wieder. Vor sieben Wochen habe ich unsere Zweitälteste nach Hamburg gebracht. Dort hat sie eine vierwöchige Behandlung gegen ihre Long-Covid-Symptome bekommen (hyperbare Sauerstofftherapie wirkt! wer mehr wissen möchte: hier eine Studie auf Englisch , hier die Zusammenfassung auf deutsch). Jetzt fahre ich, um meine Mutter zu besuchen, der es nicht gut geht. Zeit für ein Update darüber, wie es uns allen geht.

Auf dem Weg von Stockholm nach Hamburg hatte ich zwei Stunden Aufenthalt in Kopenhagen. Genug für einen kleinen Stadtrundgang und Mittagessen. Hier: Der Tivoli ist weihnachtlich geschmückt.

Der Countdown für Schweden läuft

Zuhause in Stockholm (ja, so heißt das jetzt) sind unsere Kinder-Geburtstage dieser Jahreszeit alle vorbei. Zu dem meines Mannes will ich rechtzeitig wieder zurück sein. Noch drei Wochen bis Weihnachten – und dann ist auch schon das vorletzte Schulhalbjahr an der Tyskaskolan vorbei. Dann sind es nur noch sieben Monate in Schweden… Ich habe ziemlich gemischte Gefühle dabei.

Update: Sohn – er hat wieder Kopf- und Bauchweh

Wie geht es uns zurzeit? Eigentlich bin ich im Großen und Ganzen ziemlich zufrieden. Einzig unser Sohn macht uns nach wie vor Sorgen. Nachdem er im Sommer kaum Kopf- und Bauchschmerzen hatte, und auch die ersten Wochen im neuen Schuljahr ziemlich entspannt war, sind sie jetzt sei einigen Wochen wieder zurück. Selbst in den Herbstferien gingen sie nicht weg und bleiben auch die ganze Zeit relativ stark und gleichbleibend schlimm.

Wir haben kurz versucht, ihn histamin- und fructosefrei zu ernähren. Dass er Fructose nicht gut verträgt ist gesichert seit einem Test mit fünf oder sechs Jahren… Aber es gab gar keinen Effekt, obwohl er sich wirklich gut dran gehalten hat. Deshalb haben wir es wieder gelassen. Ein erneuter Arztbesuch vor zwei Wochen im schwedischen Vårdcentral (Ärtehaus – wie der Hausarzt bei uns) zog einen Blut-und Urintest nach sich. Die Ergebnisse sind mir bis heute nicht mitgeteilt worden. Eigentlich sollte – bei Ergebnislosigkeit – auch eine Überweisung zum Kinderarzt ausgestellt werden. Aber bis heute habe ich auch davon nichts mehr gehört. Es ist wie immer, wenn man hier zum Arzt geht… ziemlich frustrierend. Weil man schon halbtot sein muss, damit die mal in die Gänge kommen, hat man den Eindruck. Und das, obwohl dieses Kind jetzt wirklich seit Wochen nur noch mit Schmerztabletten in die Schule geht…

Endlich ein Smartphone!

Ein wichtiger Geburtstag in unserer Familie: Mit 12 bekommt man ein Smartphone.

Seiner guten Laune tut das zum Glück (und erstaunlicherweise) nicht unbedingt Abbruch. Er ist immer wieder – zumindest zuhause – sehr fröhlich, hat sich wahnsinnig auf seinen 12. Geburtstag gefreut Ende November. Auch wenn er ihn nicht mit Gleichaltrigen feiern wollte, weil er – sehr klar – sieht, dass er keine richtigen Freunde in seiner Klasse hat.

Aber immerhin hat er nun etwas, auf das er nach eigener Aussage zwischen sieben und zwölf Jahren gewartet hat: ein Smartphone! Damit hat er gleich am Geburtstag lange mit einem alten Freund aus Kindergartentagen telefoniert . Und einen Tag später mit einem aus seiner alten Grundschulklasse… Warum das mit dem Smartphone wesentich längere Gespräche waren als jemals mit seinem normalen Handy – keine Ahnung.

Da ist das gute Stück…

Kontakte wieder aufleben lassen – eine gute Vorbereitung

Jedenfalls haben ihn diese Kontakte glücklich gemacht. Auch weil sie gute Vorboten für den Rückzug nach Berlin sein könnten. Der Junge aus der Grundschulklasse geht auf die weiterführende Schule, auf die auch unser Sohn gehen möchte. Und der andere wohnt wenigstens in der Nähe von Berlin. Wenn wir zurück sind, sind die beiden so groß, dass sie auch mal allein in die S-Bahn steigen und sich besuchen können. Er bereitet also seine Rückkehr ganz gut vor…

Update: Wetter – Schneechaos am Geburtstag

Sein Geburtstagsessen im Restaurant mussten wir allerdings verschieben. Denn ausgerechnet an dem Tag kam der große Wintereinbruch, und wir hatten noch unsere Sommerreifen drauf. Es waren Massen von Schnee!

Kein Durchkommen auf unserer Dachterrasse – und die Hoffnung, dass das Flachdach drumherum gut konstruiert ist…

Wir hatten ja schon viel Schnee im ersten Jahr hier, aber DAS jetzt war – auch nach Aussagen von schwedischen Nachbarn – wirklich äußerst ungewöhnlich viel… Es schneite von Sonntag mittag bis Montag abend durch – unsere Dachterrasse lag unter ca. 60cm Schnee, ebenso unser Flachdach, was uns tatsächlich erstmals etwas Sorgen gemacht hat. Ab Dienstag taute es dann allerdings kontinuierlich bei 2 Grad, so dass jetzt – eine Woche später – fast alles wieder weg ist. Unseren Restaurant-Besuch werden wir nachholen, wenn ich wieder zurück von meiner Reise bin.

Update: Zweitälteste – es geht ihr besser!

Richtig glücklich macht uns, dass die Behandlung unserer Zweitältesten wegen Long-Covid eine deutliche Verbesserung für sie gebracht hat. Ihre Kopfschmerzen sind besser, ihre Müdigkeit ebenso, und sie kann sich auch wieder länger konzentrieren. Es ist immer noch nicht wieder alles wie vorher, weshalb wir auch in der Schule um einen Nachteilsausgleich kämpfen. Aber es ist eine sehr positive Entwicklung. Doch so schön das ist, es gab auch schon Tränen. Sie hat gesagt, dass ihr erst jetzt bewusst geworden sei, was sie verloren habe. Mathe z.B. fiel ihr früher immer extrem leicht. Jetzt hat sie im letzten Jahr viel verpasst (ca. 40 bis 50% des Schuljahres) und hatte in der ersten Klausur eine sehr schlechte Note. Das kratzt an ihrem Selbstwertgefühl, weil sie immer stolz darauf gewesen ist, dass sie gut in den Naturwissenschaften war.

Unsere Zweitälteste in der Druckkammer beim „Tauchgang“: Der Druck wird so stark erhöht, als befände man sich etwa 10m unter der Meeresoberfläche. Während der hyperbaren Sauerstofftherapie atmen die PatientInnen durch eine Maske 100%igen Sauerstoff. Diese Therapie hilft auch bei Kohlenmonoxidvergiftungen, bei der Wundheilung, z.T. wohl auch bei Migräne. Bezahlt wird sie von der gesetzlichen Kasse aber für fast keine Indikation.

Die Kämpferin

Aber sie gibt nicht auf: Ihre Französisch-Lehrerin aus der 8./9. Klasse hat einmal zu mir gesag, sie sei „eine Kämpferin“. Das hat sich bewahrheitet. Sie ist zwar immer noch nicht die Allerdisziplinierteste (wer ist das schon mit 15?!). Aber sie will das Schuljahr unbedingt schaffen und tut etwas dafür. Sie will auch in Mathe wieder den Anschluss bekommen. Dabei ist sie sich bewusst, dass sie dafür mehr wird arbeiten müssen als sie das bisher in ihrer Schullaufbahn wohl jemals musste.

Das ist frustrierend – einerseits. Aber immerhin ist der ständige „Nebel“ im Kopf viel weniger geworden. Darauf hatten wir schon fast nicht mehr zu hoffen gewagt. Denn seit März hatten wir keine Verbesserung ihres Zustandes mehr gesehen. Umso mehr Respekt gebührt dieser Teenagerin aber für ihren Langmut und ihre Geduld mit sich selbst und uns. Wir waren oft zu ungeduldig mit ihr und haben wahrscheinlich Dinge von ihr verlangt, die sie schlicht nicht gut tun konnte. Weil ihr Kurzzeitgedächtnis beinträchtigt war, aber auch ihre Exekutivfunktionen (Fähigkeiten, zu planen/zu organisieren/sich selbst zu motiveren…).

Hyperbare Sauerstofftherapie – hoffentlich bald auf Rezept

Im Zentrum für Hyperbarmedizin in Hamburg können bis zu zwölf PatientInnen gleichzeitig behandelt werden. In ganz Deutschland gibt es aber nur zwölf solcher Zentren. Bisher wurden sie nicht so oft gebraucht… das muss sich ändern, damit Long-Covid-PatientInnen geholfen werden kann.

Wir sind sehr froh darüber, dass die hyperbare Sauerstofftherapie geholfen hat. Und wir hoffen sehr für alle Betroffenen, dass diese Therapieform möglichst bald als Standard anerkannt und bezahlt werden wird. Denn zurzeit muss man sie als gesetzlich Versicherter noch komplett privat tragen. Wenn – wie in unserer Familie – mehr als ein Kind (oder Erwachsener) aufgrund einer offenbar vorhandenen Disposition von Long Covid betroffen ist, ist das schwierig. Bei unserer Ältesten hat sich ihr Zustand zum Glück von selbst nach sechs Monaten wieder gebessert. Aber eigentlich bräuchte die Zweitälteste noch mehr Sitzungen dieser Therapie. Doch das ist sowohl organisatorisch (Therapie ist in Hamburg, sie muss bei Freunden wohnen, verpasst Schule) als auch finanziell schwierig. Wir hoffen im Moment noch darauf, dass unsere Krankenkasse im Rahmen einer Einzelfallentscheidung doch noch Kosten übernimmt.

Update: die Älteste – Durchhalten wird leichter

Meanwhile… die Älteste: Sie kämpft immer noch mit Prüfungsängsten. Nächste Woche kommt mal wieder eine von den verhassten Matheklausuren. Aber sie hat im letzten Jahr auch eine wirklich gute Entwicklung gemacht. Sie hat sich ein paar Techniken angeeignet, um damit umzugehen und ist insgesamt einfach erwachsener geworden. Die größte Motivation, durchzuhalten, ist jetzt, dass es nur noch wenige Monate sind. Dann kann sie zum ersten Mal selbst entscheiden, wie es weitergehen soll. Eine gewisse Form von Freiheit, die da auf sie wartet. (Da sie noch nicht volljährig sein wird, gibt es noch ein paar Einschränkungen). Dass sie diesen Zustand früher als die meisten ihrer Freundinnen und Freunde erreichen wird, ist auch nicht ganz unwichtig für sie.

In andere Rollen schlüpft die Älteste gern. Hier mit neuer Langhaar-Perücke.

Noten sind nicht so wichtig wie ihre Erfahrungen fürs Leben

Wir sind jedenfalls sehr stolz auf den Weg, den sie in den letzten Monaten zurückgelegt hat. Dass ihre Abi-Note nicht ihren Wünschen und Ansprüchen an sich selbst entsprechen wird, finden wir nicht schlimm. Sie braucht sie für das, was sie danach machen möchte (Kunst), wahrscheinlich kaum. Außerdem ist das, was sie in diesem Jahr über sich und andere gelernt hat viel wichtiger. Was sie schaffen, wie sie Schwierigkeiten überwinden, auf wen sie sich verlassen kann, was ihr hilft, womit es ihr gut geht, was oder wen sie nicht braucht… Das alles sind wichtige Erfahrungen.

Jetzt kommt natürlich noch der schwierigste Teil – die Abi-Klausuren. Aber sie hatte vor kurzem schon die ersten „Langzeitklausuren“ in den Fächern, die sie ins Abi nimmt. Und siehe da: Sie hat ganz überrascht festgestellt, dass sie nicht schwieriger, sondern nur länger sind. Sie hat dabei auch gemerkt, dass das u.U. sogar angenehmer sein kann, weil man sich besser organisieren kann und nicht gezwungen ist, alles so schnell wie irgend möglich zu Papier zu bringen. Trotzdem stresst es sie natürlich alles. Das wird wohl auch nach Weihnachten nochmal schlimm(er) werden, wenn es auf die Zielgerade geht. Aber wir sind sicher, dass sie das mit den Erfahrungen aus dem letzten Jahr bewältigen kann.

Update: die Jüngste – sie ist happy

Unsere Jüngste gibt es ja auch noch… Ihr geht es wie immer wohl am besten von allen. Sie ist gesund, sie hat Freundinnen, sie schreibt gute Noten bei den vielen, vielen Tests, die es hier in der dritten Klasse schon gibt… Sie möchte neuerdings sogar möglichst erst „spät“ aus dem Hort abgeholt werden. Sie scheint sich dort also wohlzufühlen.

ARD-Kinderradionacht war das Highlight ihrer Woche

Ihr Highlight diese Woche war die „ARD-Kinderradionacht“ gestern abend. Seit wir in Schweden wohnen, darf sie zu diesem Anlass immer ein Kind zum Übernachten einladen. Wir machen uns dann einen schönen Abend mit Basteln, Leuchtstäbchen, Snacks, Schminken… je nachdem. Gestern war das Thema „Verhext“, also Märchen. Das nahm sie zum Anlass, um ihr Zimmer märchenhaft zu dekorieren und sich selbst als Rotkäppchen zu verkleiden. Ganz süß!

Ein märchenhaftes Zimmer für die ARD-Kinderradionacht…

Mit ihrer Freundin hat sie nach dem Pizzaessen (was wir freitags immer haben, mein Mann hat seit dem ersten Lockdown noch in Deutschland seine Pizzabäckerfertigkeiten perfektioniert) Softeis selbst gemacht (kleine Tüte mit Sahne/Vanillezucker in großer Tüte mit Eiswürfeln und Salz geschüttelt) und mit Salzteig gebastelt. Außerdem haben sie natürlich ganz viel Radio gehört. Leicht frustriert waren die beiden nur, weil das Anrufen in der Sendung nicht geklappt hat. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass man da einfach nicht durchkommen kann – schließlich hörte man doch, dass die anderen durchkamen?!

Märchenhafte Bücher und Verkleidungen…

Update: alte, kranke Eltern

Tja, und mein Mann hat jetzt nächste Woche ziemlich viel Stress, weil ich nicht da sein werde und er arbeiten und alles andere erledigen muss. Hund, Kinder bringen und abholen, kochen, waschen, einkaufen, Hausaufgaben und Lernen für Tests betreuen, an diverse Termine denken und Kinder erinnern…

Aber meiner Mutter in Deutschland geht es gar nicht gut. Gesundheitlich und mental. Deshalb muss ich hin. Auch das ist eine Situation, in die viele Leute kommen, die im Ausland leben. Es ist immer eine Gratwanderung: Fährt man hin, fährt man nicht? Wie schlimm ist es? Hilft es überhaupt, wenn man nur ein paar Tage da sein kann? Ist die Einsamkeit danach nicht umso schlimmer? Ich denke, es ist sicher besser, wenigstens ein bisschen da zu sein als gar nicht. Meiner Familie und vor allem meinem Mann bin ich sehr dankbar, dass sie das alle mittragen und ermöglichen. Für meine Mama hoffe ich, dass es ihr gut tut und wieder etwas mehr Lebensmut und Zuversicht geben wird. Mal sehen.

Update: meine Reise – noch zwei Stunden

So, jetzt ist es draußen stockdunkel (17:30 Uhr) – eigentlich schon seit eineinhalb Stunden. Ich werde noch etwa zweieinhalb Stunden unterwegs sein. Die dänischen Züge sind sehr bequem – ganz großzügige Sitze, und vor allem: pünktlich! Es ist echt angenehm, diese Strecke zu fahren, auch der Snälltåget von Stockholm bis Kopenhagen ist immer absolut pünktlich (wenn auch nicht ganz so üppig was Platz angeht). Dann übernachte ich bei Freunden (auch denen bin ich sehr dankbar, dass sie mich schon wieder aufnehmen – denn bei ihnen hat neulich schon unsere Zweitälteste vier Wochen wohnen dürfen während ihrer Behandlung) und fahre morgen den Rest der Strecke.

Meine dicke Daunenjacke hat sich jetzt schon als viel zu warm erwiesen…

Radtour durch Stockholm

30.10.2022 – Herrliches Herbstwetter, Lust auf Neues und Bewegungsdrang = Radtour! Es gab noch nicht so viele Gelegenheiten, eine Radtour durch Stockholm aus meinem schwedischen Städteführer zu machen. Hauptsächlich weil unsere Jüngste noch nicht so weit fahren kann. Aber gestern sind wir Eltern allein und mit E-bikes losgezogen. Die Tour führte uns 34km von Lidingö über Danderyd nach Edsberg Slott. Wir fuhren zunächst am sonnigen Ostufer des Edsviken – einem Arm der Ostsee – entlang. Zurück ging es am westlichen Ufer. Dort kamen wir am königlichen Ulriksdal Slott mit seiner Gärtnerei und dem schönen „Trädgårdscafé“ vorbei und kehrten natürlich ein.

Anfangs führt die Route kurz an einer Autobahn entlang – da sind die Schweden ja sehr pragmatisch.

Die Strecke von Lidingö bis Danderyd führt zunächst durch Norra Djurgården, dann kurz an der Autobahn entlang, weil man irgendwie nach Danderyd hinüberkommen muss.

Mehr Ausblicke vom Rad

Die Eisenbahnbrücke verläuft etwas tiefer als die für Autos und Radfahrer.

Da Brücken teuer zu bauen sind, hängt der Fahrradweg dann eben an der Autobahn mit dran, nur die Eisenbahn hat eine eigene Brücke bekommen. Wenn man mit dem Rad unterwegs ist, kann man immerhin den Blick auf den Meeresarm genießen, den man aus dem Auto nie zu sehen bekommt.

Nette Häuschen hier.

Sobald man in Danderyd ist, führt der Weg durch Wohnsiedlungen. Die Lage hier gilt als eine der besten (und teuersten) der Stadt. Nicht wenige Häuser besitzen einen eigenen Strand und Bootsanleger.

Sobald man unten am Wasser des Edsvik angekommen ist, sollte man bei Sonne eine kleine Kaffeepause einlegen. Den Kaffee muss man sich allerdings mitbringen oder doch noch eine Weile weiterfahren bis Edsberg Slott.

Am Weg entlang finden sich regelmäßig Bänke an den schönsten Stellen.

Zum Teil ist der Weg etwas eng für Radfahrer plus Spaziergänger. Aber da hier nicht so viele Leute unterwegs sind wie in „downtown Stockholm“, gibt es doch kein Gedränge.

Schlösser gibt es in Schweden überproportional viele

Folgt man dem Weg am Ufer des Edsvik weiter, kommt man an seinem Ende zu einem größeren Gehöft mit Herrenhaus (das sich etwas großspurig „Slott Edsberg“, also Schloss Edsberg, nennt). In den alten Stall- und Wirtschaftsgebäuden (im Bild unten die Gebäudeansammlung rechts) sind ein Café mit schönster Aussicht und ein Kulturzentrum zu finden. Sogar eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Ortes findet sich auf dem großen Hof zwischen den langgestreckten Häusern.

Café auf der Anhöhe über dem Edsvik.
Schloss Edsberg (links) mit dem zugehörigen Gehöft, wo das Café liegt (rechts).
Blick vom Hof zwischen den alten Wirtschaftsgebäuden auf den Edsvik. Rechts in dem Haus ist ein Café.

Auf der westlichen Seite des Edsvik begann unser Rückweg. Dort war es zu dieser Jahreszeit nicht mehr sehr sonnig, so dass es auch rasch kühler wurde. Doch die Aussicht auf ein spätes Mittagessen in Ulriksdal hielt uns bei der Stange.

Ulriksdal Slott kann sich schon eher als Schloss bezeichnen…
Hier fand im Park – überraschend für uns – ein „höst marknad“ (Herbstmarkt) statt. Es war viel los!

Doch wir wollten ins „Gartencafé“ (trädgårdcafe) in den Gewächshäusern. Die sind ein paar hundert Meter vom Schloss entfernt. Wir waren früher schon einmal hier, um Pflanzen zu kaufen. Damals waren wir die schwedischen Preise noch nicht gewöhnt… Ehrlich gesagt war ich von diesen so entsetzt, dass ich weitere Ambitionen im Hinblick auf den Garten hier in Schweden völlig ad acta gelegt habe. Zu teuer. Außerdem verbietet unser Mietvertrag uns, gestaltend in den Garten einzugreifen. Also haben wir es hier schlicht beim Rasenmähen belassen.

Alles hübsch, aber sehr teuer…

Doch das Café wollten wir dieses Mal unbedingt ausprobieren. Zwar mussten wir recht lange in der Schlange warten, aber es hat sich gelohnt. Die schwedischen Kuchen sind unserer Erfahrung nach für deutsche Gaumen überwiegend süß – und unterscheiden sich ansonsten vor allem in der Deko.

Aber das Mittagessen (ein vegetarisches Curry mit Erdnüssen) war gut und man sitzt sehr hübsch in den Gewächshäusern.

Im Trädgårdscafe von Ulriksdal.

Gestärkt machten wir uns auf den Rest des Rückwegs – allerdings verfolgten wir hier nicht die Tour aus dem oben erwähnten Buch. Denn darin war die ganze Radtour durch Stockholm nicht als Rundweg angelegt. Auf google maps wurde uns aber ein Weg am Wasser entlang angezeigt, also fuhren wir drauflos. Das war keine gute Idee!

Google maps trügt manchmal

Zwischen Ulriksdal Slott und der Brücke, die uns wieder von Danderyd herunter führen sollte, wurde der Weg für unsere Räder nämlich streckenweise fast nicht passierbar. Wir mussten schieben. Das ist mit einem sehr schweren Transport-E-bike wie meinem nicht unbedingt leicht. Vor allem bergauf. Zum Glück waren es nur einige hundert Meter, die so beschwerlich waren.

Große Steine und Baumwurzeln und viel Auf und Ab machten diesen Weg abenteuerlicher als erhofft.

Insgesamt waren wir auf unserer Radtour durch Stockholm in gemütlichem Tempo und mit vielen Foto-Pausen, reichlich Zeit für Fika (Kaffeetrinken), Mittagessen und Rumgucken ungefähr fünf Stunden unterwegs. Am späten Nachmittag kamen wir wieder zuhause auf Lidingö an.

Auf der neuen „Lilla Lidingöbron“, die vor wenigen Wochen eröffnet wurde: die neue Rad/Fussgängerbrücke zwischen Lidingö und Stockholm.

Und falls irgendwelche Zweifel bestehen: Meine Rad-App weiß ganz genau, wieviel wir uns bewegt haben, und welche Strecke wir gefahren sind. Jetzt ist nur noch die Frage, wann wir die nächste Radtour durch Stockholm machen. Wenn das Wetter weiter so mild bleibt, hoffentlich bald!

Die App, die mein Rad vor allem gegen Diebstahl schützen soll, verfolgt alle Routen, die ich fahre.

Teenager-Entertainment

30.09.2022 – Für Eltern ist es nicht immer einfach, Teenies noch zu gemeinsamen Ausflügen zu motivieren. Was bei uns immer geht: mit asiatischem Essen locken. Neulich waren wir zuerst beim „Ghost walk“ in der Altstadt von Stockholm (den wir nicht toll fanden) und anschließend bei „Nara de“ vietnamesisch essen (was wir wärmstens weiterempfehlen).

Stadtführung aus dem „Umzugskalender“

Der „Ghost walk“ war ein Gutschein, der noch aus dem „Umzugskalender“ stammte, den ich vor unserem Umzug nach Schweden für die Kinder gemacht hatte: eine Art Adventskalender um den Aufbruch und die Ankunft herum, der den Abschied leichter und das Ankommen schöner machen sollte. Da wir im Sommer 2020 mitten in der Pandemie umgezogen sind, konnten wir manches davon noch nicht machen. So auch diese „gruselige“ Stadtführung durch Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm. Deshalb habe ich sie erst neulich für einen Samstag abend gebucht.

Die SMS machte keinen guten Eindruck

Etwas befremdlich war die SMS, die wir kurz vor dem Termin bekamen. Da habe ich erste Zweifel bekommen, ob es wohl gut werden würde. Zusammengefasst stand drin, dass man Pech habe, wenn man zu spät komme – niemand würde auf einen warten. Auch kein Angebot, dass man sich dann irgendwo melden könnte oder so, um den Anschluss noch zu bekommen. Das finde ich bei einem Preis von rund 70 Euro für drei Personen schon nicht sehr nett. Prompt wären wir fast zu spät gekommen – und das war absolut nicht unsere Schuld: Wir sind rechtzeitig losgefahren, wussten aber nicht, dass man ausgerechnet an diesem Abend nicht mit dem Auto auf die Insel fahren konnte, weil irgendein Lauf-Event stattfand. Also mussten wir relativ weit weg parken und hinlaufen. Wir haben es nur gerade so noch im letzten Moment geschafft… Ich hatte sogar extra – auf gut Glück – noch an diesen SMS-Absender geantwortet und Bescheid gesagt, was los war: keine Reaktion. Stunden später kam dann mal eine Antwort: sorry, sie seien alle unterwegs bei den Touren gewesen…

Der Stadtführer war schlecht zu verstehen

Tja, also ja, wir kamen gerade noch pünktlich, bevor der Stadtführer losstürmte (übrigens lag der Startpunkt an einem anderen Ort als das Büro des Veranstalters, das direkt neben der Deutschen Kirche liegt – auch darauf muss man sehr achten, das überhaupt mitzukriegen). Dieser Stadtführer legte dann ein Tempo vor, das die Gruppe von ungefähr 40 Personen in einen ziemlich langen Zug von Menschen verwandelte. Er wartete auch nicht immer darauf, dass alle da waren, bevor er anfing, etwas zu erzählen. Ob es daran oder an seinem starken schottischen Akzent lag (die Führung war auf Englisch)… Jedenfalls haben wir wirklich schlecht verstanden, wovon seine Geschichten handelten. Was natürlich sehr schade ist, denn darum geht es ja bei so einer Art von Stadtführung. Es hat mich ziemlich enttäuscht. Denn mein Englisch ist ziemlich gut, meine Teenies verstehen es auch prima. Aber dieser Typ…?

Schmale Gasse, kleiner Junge

Der Eisenjunge (Järnpojke) heißt eigentlich

Die Tour war das Übliche, was man in Gamla Stan sonst auch zu sehen bekommt: die schmalste Gasse Marten Trotzig Gränd, die an ihrer engsten Stelle nur ca. 90cm misst z.B., oder Järnpojke, eine nur 15cm „große“ Skulptur im Innenhof der finnischen Kirche, die Glück bringen soll, wenn man ihr über den Kopf streicht und ihr etwas spendet (im Winter stricken manche Leute ihr Schals und Mützen!).

Mein kläglicher Versuch, die schmalste Gasse der Altstadt fotografisch festzuhalten, während ich im Schweinsgalopp durchgeführt wurde…

Zeit zum Fotografieren gab es allerdings an den wenigsten Stellen, wo es sich gelohnt hätte. Sehr oft kam es mir vor, als würden wir auch an dem Lauf teilnehmen, der uns die Zufahrt zur Insel vermasselt hatte…

Und so richtig hat sich mir auch nicht erschlossen, was gruselig sein sollte. Eine abstruse Geschichte über einen Puffbesitzer, der im Keller seines Etablissements nach einem Schatz graben ließ, habe ich nur zu Bruchteilen verstanden. Irgendwie sind die Schatzgräber irgendwann verschwunden und nicht mehr auffindbar gewesen. Um die Pest ging es auch natürlich irgendwann – die war ja überall in Europa präsent im Mittelalter. Aber sonst? Wahrscheinlich ist es mir alles entgangen, weil ich den Schotten so schlecht verstanden habe. Einen roten Faden von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten habe ich definitiv nicht feststellen können.

Typisch Stockholmer Regenguss

Das Wasser schoss nur so aus den Regenrinnen heraus…

Kurz vor Schluss fing es dann noch jessesmäßig an zu gießen: Ein Wolkenbruch, wie ich das wirklich nur aus Stockholm kenne. Sehr plötzlich, sehr viel, sehr nass. Meine Töchter und ich hatten Glück und standen gerade in der Nähe eines Hauseingangs, wo wir uns unterstellen konnten. Dort beschlossen wir dann auch, uns nun vorzeitig vom „Ghost walk“ abzuseilen und zu einem vietnamesischen Restaurant zu laufen, das eine meiner Töchter für uns ausgesucht hatte.


K-Pop-Devotionalien an den Wänden sorgen für eine echt vietnamesische Athmosphäre (wie man sie sich als Europäer so vorstellt…).

Das „Nara de“ bietet neben vietnamesischen Köstlichkeiten und Sushi eine perfekte Kulisse für K-Pop (koreanische Popmusik)-Fans: Überall hängen Poster, Sammelkarten und weitere Devotionalien von K-Pop-Stars und -Sternchen wie BTS, Black Pink und Konsorten. Auf einem großen Flachbildschirm über der Küche laufen permanente Zusammenschnitte aus koreanischen Serien, die alle mit K-Pop unterlegt sind. Meine Töchter waren hellauf begeistert.

Frisches Essen, sehr lecker, kaum Wartezeit, freundliches Personal

Mein Essen – Pokébowl mit Lachs. Die Farben wirken im künstlichen Licht leider etwas braun. Die Qualität war hervorragend.

Das Essen war auch sehr gut: Wir hatten eine Bento-Box, die schön abwechslungsreich und frisch war und eine Poké-Bowl, dazu Kimchi, der eindeutig selbstgemacht war. Nur das Hähnchenspieße-Essen einer meiner Töchter war etwas zu klein geraten, so dass wir ein weiteres Hauptgericht nachbestellen mussten. Praktisch war, dass außer uns nur ein anderes Pärchen da war und wir deshalb nicht lange warten mussten – auch nicht bei der Nachbestellung. Vermutlich machen die Restaurants hier ihren Hauptumsatz tagsüber: Gamla Stan ist die touristischste aller Stockholmer Inseln mit dem Schloß, vielen Souvenirläden und unzähligen Kneipen, Cafés und Restaurants.

Das „Nara de“ gefiel uns aber nicht nur wegen des K-Pop-Einschlags und des wirklich guten Essens: Ganz offenbar hat man hier auch Humor:

Nur eine Art Drama ist hier erwünscht.
Das können wir bestätigen!

Deshalb werden wir ganz sicher wiederkommen. Nämlich heute. Ich muss los!

Alltag in der Krise

23. September 2022 – Die Zeit rennt gefühlt schon wieder im Sprinttempo. Seit etwas mehr als fünf Wochen sind die Sommerferien vorbei. Der Alltag hat uns wieder fest im Griff. Und Krisen gehören irgendwie mittlerweile dazu und mischen sich mit dem normalen Familienleben: Vor 12 Tagen war Wahl in Schweden – mit schlechtem Ausgang. Die Klausurpläne sind raus, bis Weihnachten schreiben die Kinder ständig irgendwelche Tests. Min svenska kurs har börjat igen. (Mein Schwedisch-Kurs hat wieder begonnen.) Morgen helfen wir beim „Lidingö-Loppet“, einem 30km-Lauf. Damit verdienen die Pfadfinder hier ihr Jahresbudget. Der erste unserer vielen Familiengeburtstage im Herbst ist bald. Aus Russland gibt es keine guten Neuigkeiten. Mitte Oktober fahre ich mit unserer Zweitältesten nach Hamburg. Vier Wochen lang soll sie dort eine Behandlung bekommen, die hoffentlich ihre Long-Covid-Beschwerden (Kopfweh, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme) lindert.

Alles normal – zu normal?

Also alles ganz normal in diesen Zeiten. Immer wieder fallen mir zwischendurch Themen ein, über die ich gern schreiben würde. Aber ich komme im Alltag nicht dazu. Und wenn ich mich dann hinsetze, so wie jetzt, fallen mir diese Einzelthemen nicht mehr ein, und ich habe das Gefühl, ich muss einen „Rundumschlag“ machen, damit alle zu ihrem Recht kommen. Erst wenn ich dann die Fotos zur Bebilderung durchgehe, sehe ich: Ach, da haben wir ja noch den netten Ausflug gemacht! Da waren wir in jenem Restaurant! Denn das machen wir auch – zwischen und trotz der Krisen. Aber es geht ja bei diesem Blog auch bloß darum, nicht alles zu vergessen und wenigstens ab und zu mal ein wenig innezuhalten und aufzuschreiben, wie es uns so allen geht, was uns beschäftigt und umtreibt. Eine redaktionell stimmige Agenda hab ich aufgegeben.

Erste Krise: Klausurplan

Bei der Ältesten war die erste interne Krise der Klausurplan fürs erste Halbjahr. Für jemanden, der wirklich Prüfungsangst hat, ist das Stress pur. Das ganze Abijahr. Aber sie hat im letzten Jahr ein paar Strategien entwickelt, um damit umzugehen (Zwischenziele setzen, visualisieren und abhaken, was man schon geschafft hat uÄm). Ich hoffe sehr, dass ihr die jetzt auch helfen werden. Jedenfalls scheint sie sich erstmal – hoffentlich – wieder gefangen zu haben (sie sagt einem das ja auch nicht mehr so deutlich).

Studentenmützen

Außerdem gibt es auch schönere Schatten, die das Abi vorauswirft: Das Motto-Foto mit allen 12ern für den Jahresbericht und die Anprobe der „studentmössor“ („Studentenmützen“, die man hier zum Schulabschluss trägt; hier eine kleine Übersicht über alle Traditionen, die es rund um „studenten“/den Schulabschluss so gibt in Schweden). Bei diesen Gelegenheiten hatte die Älteste sichtlich Spaß.

Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass es sich um Glitzerstoff bei dieser „studentmössa“ handelt…

Trillerpfeife als Luxus-Zubehör

Diese Mützen und weiteren Traditionen sind übrigens eine Industrie hier. Und es gibt natürlich verschiedene Anbieter dieser Memorabilia. Ich hätte wirklich nicht für möglich gehalten, WIEviele Details man an einer einzigen Mütze personalisieren (und bezahlen!!!) kann: Stoff außen, Futter innen, Aufschrift außen, Inschrift innen, Inschrift unterm Schirm, Streifen am Schirm, Kokarden-Ring, Kokarden-Stein… you name it! Kostet dann zwischen 150 und 190 Euro im Paket mit einem Sektglas, einer Hutschachtel, eventuell noch einer Trillerpfeife (nur Teil des Gold-Pakets) und weiterem unverzichtbarem Zubehör… völlig irre aus meiner deutschen Mutter-Perspektive, aber wohl unumgänglich hier.

Die Qual der Wahl…

Auch auf die Jahrgangsfahrt in ihre Heimatstadt Berlin direkt vor den Herbstferien im Oktober freut sich unsere Älteste schon sehr. Danach werden die Highlights allerdings weniger – mal sehen, wie sie das durchstehen wird. Ich vermute, es kommt dann noch die ein oder andere Krise.

Männliche Krise

Auch der Mann hatte schon eine erste Sinnkrise im Herbst: Die schwedischen Wahlen sind alles andere als erfreulich ausgegangen. Zwar blieben die Sozialdemokraten die stärkste Partei (30.3 %). Aber das konservative Lager gewann um Haaresbreite – und zwar mit den „Schwedendemokraten“ als zweitstärkster Kraft (20.5%). Die Schwedendemokraten sind Rechtspopulisten, die ursprünglich aus der Neonazi-Bewegung hervorgegangen sind.

Wahlanalyse im „Guardian“

Eine interessante Analyse dieser Wahl ist im „Guardian“ zu lesen; verfasst wurde sie von Gina Gustavson, einer Dozentin an der Universität Uppsala. Die Aussagen, die mich am meisten erschreckt haben: „Fresh data from political scientists Sten Widmalm and Thomas Persson also suggests that 20% of Swedes would be willing to deny freedom of expression to the least-liked group in society. A third would be keen to withdraw the right to demonstrate and to organise politically. In their study, the least-liked groups of all were the Sweden Democrats, anti-vaxxers and opponents of abortion.“ – Ein ziemlich problematisches Verständnis von Demokratie, finde ich. Und nun darf eine dieser unbeliebtesten Gruppen also das Land mitregieren… Wie konnte das passieren?!

Die „Liberalen“ erhielten nur 4.6% der Stimmen und sind damit gerade so noch im Reichstag gelandet.

Die intoleranten Schweden

Vielleicht hängt das mit einer anderen Erkenntnis eines Ethnologen zusammen, die auch in dem Text erwähnt wird: „Back in the 1980s, the ethnologist Åke Daun argued that the average Swede was extremely conformist and consensus oriented. He found that in neighbouring Scandinavian countries, 4-6% of people disliked the company of those whose ideas and values they did not themselves share. But in Sweden the figure was 45%. Since then, the main representatives of such “dreaded” difference – immigrants and their descendants – have come to constitute a quarter of the population.“ Die Schweden sind also bei weitem nicht so tolerant wie wir das in Deutschland über sie zu wissen glauben. Ein höherer Frauenanteil im Parlament heißt hier eben nur, dass das die meisten gut finden. Wenn sich die gesellschaftliche Stimmung dreht und die meisten grüne Aliens besser finden, dann sind die Frauen ganz schnell draußen. So verstehe ich das…

Vielleicht doch mal was Neues wagen?

Jetzt haben sie jedenfalls erstmal eine Horde Schwedendemokraten dort, mit denen sie fertig werden müssen. Vielleicht sollten die Schweden sich doch mal dazu durchringen, es mit einer großen Koalition zu versuchen? Das ist zwar auch keine Traumvorstellung, aber besser als das, was es hier jetzt gibt… Ein Bündnis zwischen dem linken und dem rechten Lager sei jedoch schlechterdings undenkbar hier, wurde uns gesagt. Hm.

Einzelne alte Krisen-Verursacher

Jetzt bin ich ungewollt in eine Krisen-Geschichte gerutscht. Das passt aber ja ganz gut zur Weltlage. Leider. Es ist schon ziemlich unglaublich, wie schnell sich in den letzten zwei Jahren so viele Krisen entwickelt haben, dass sie nicht nur unsere Familie zu überwältigen drohen. Und es macht mich so unglaublich wütend, dass es immer wieder einzelne alte Männer (natürlich mit anderen alten Männern und leider auch ein paar Frauen im Hintergrund) sind, die solches Unheil anrichten! Da regen sich ein paar Idioten über die finnische Ministerpräsidentin auf, weil sie tanzen geht. Aber diese Despoten – ob dies oder jenseits des Atlantik – können die ganze Welt zugrunde richten?! Zum Kotzen.

Krisen contra Alltag: Wäsche und Pizzateig

So, jetzt ist meine Schreibzeit um, und ich kriege wahrscheinlich auch nicht mehr die Kurve mehr Optimismus und heitideiti. Die Wäsche wartet, der Pizzateig muss gemacht werden. Also zurück zum Alltag und den Niederungen des Haushalts…

Naturreservat Gålö – eine kleine Wanderung

4. September 2022 – Eine Dreiviertelstunde von uns entfernt, liegt das Naturreservat Gålö (ziemlich in der Nähe von Björnö, wo wir auch schon gelaufen sind). Dort kann man sehr schön für zwei Stunden um eine kleine Halbinsel wandern (4.5 km). Oder campen bzw. glampen. Baden geht natürlich auch im Sommer: am längsten Sandstrand des Stockholmer Schärengartens oder in einer der kleinen Buchten um die Halbinsel herum.

Tiefblaues Wasser und warme Felsen, von denen aus man ins Meer hüpfen kann – zumindest im Sommer.

Heute war es schon herbstlich kühl (16 Grad Maximaltemperatur, nachts nur noch einstellig, ca. 6 Grad). Da hat nur noch der Hund gebadet. Aber genossen habe ich die Runde am Meer entlang trotzdem sehr: Der Rundweg um die Halbinsel geht am Parkplatz des „Skälåkers Båtsklubb“ (kostenpflichtig) los und ist mit blauen und roten Punkten gut markiert. Nur am Schluss habe ich irgendwann die Markierung verloren, aber da waren wir fast schon wieder am Ausgangspunkt zurück. Mit einem Blick auf Google Maps und einem der vielen Trampelpfade folgend sind wir problemlos wieder am Parkplatz gelandet.

Diese Strecke im Naturreservat Gålö sind wir heute gelaufen.

Gute Schuhe, Sonnenschutz und Trinkwasser braucht man

Die Strecke wird zwar auch in einem Wanderführer für Familien mit Kindern empfohlen, aber man sollte schon gut zu Fuss sein, um sie zu bewältigen: Die Wege sind nicht plan, es gibt sehr viele Wurzeln und Felsen, einige querliegende Baumstämme über dem Weg, zum Teil ist das Gelände auch sehr steil. Gute Wanderschuhe sind auf jeden Fall hilfreich, genügend Trinkwasser und Sonnenschutz sollte man an warmen Tagen auch dabei haben.

An der steilsten Stelle hilft ein Seil, den Berg raufzukommen.

Unterwegs gibt es – wie überall in Schweden – mehrere angelegte Grillplätze mit phantastischer Aussicht in die Schären. Viele Segelboote gleiten pittoresk vorbei – manche nervigen Motorboote mit lauten Motoren ab und zu auch. Aber alles in allem ist es sehr friedlich und schön. Und wenn ein Platz schon besetzt ist, lässt man sich eben ein paar Meter weiter nieder.

Grillstelle mit kleinem Sandstrand nebenan. Davon gibt es mehrere am Wegesrand.

Grillen oder im Bistro des Campingplatzes einkehren

Wer keine Grillsachen mitschleppen möchte, kann am Ende der Wanderung in das kleine Bistro des Campingplatzes einkehren. Das liegt ein paar hundert Meter vom Parkplatz des Bootsvereins entfernt neben der Rezeption (Öffnungszeiten vorher auf der Homepage checken!). Hier bekommt man einen Teller Pommes für rund sechs Euro (59 Kronen), die üblichen Hamburger oder einen Falafelteller mit Humus für etwas über 10 Euro (ca. 125 Kronen). Kaffee, Eis, bulle (Zimtwecken), smörgås (Sandwich) und kalte Getränke sind natürlich auch erhältlich.

Im Bistro gibt es nach dem Wandern kleine Stärkungen. Alle Fotos: privat.

Die Idee, diese Wanderung zu machen, hatte ich in dem Buch „Barnfamiljens friluftsguide till Stockholm“ (s. Foto unten) gefunden. Wer etwas schwedisch kann, sollte sich diese Reihe genauer ansehen: Es gibt eine riesige Auswahl an Wanderführern für ganz Schweden. Auch Kajak-, Kletter- , Ski- und Radtouren sowie Kochen über offenem Feuer und ein Erste-Hilfe-Buch für outdoor-Abenteurer werden angeboten. Auf deutsch ist nur eines der Bücher erschienen – über die „Höga Kusten“. Auf englisch gibt es das auch und zusätzlich noch eins über den „Skåneleden“, einen 200km langen Wanderweg im Süden Schwedens.

Drei, zwei… eins

Der schwedische Sommer neigt sich dem Ende entgegen. Er scheint es zwar noch nicht so richtig wahrhaben zu wollen und hat es uns in den letzten Tagen noch einmal richtig gezeigt mit 30 ungewöhnlichen Grad – aber es ist so. Die Tage werden deutlich kürzer, die Sonne geht erst gegen 5:30 Uhr auf und schon um 20:30 Uhr unter… Für uns bzw. unsere Kinder ist es der Beginn des dritten und höchstwahrscheinlich letzten Jahres hier in Schweden und an der Deutschen Schule.

Ein guter Beginn – das ist viel wert

Vor zwei Tagen hat die Schule wieder angefangen – ein viel besserer Anfang als vor einem Jahr war das. Alle Kinder kamen ziemlich zufrieden zurück. Ich habe tatsächlich nichts gefunden, worüber ich mir am ersten Tag hinsichtlich der Schule hätte Sorgen machen können. Und das, obwohl ich ja Meisterin darin bin, solche Dinge zu sehen – ob sie da sind oder nicht. Vielleicht – hoffentlich – wird es ein einfacheres Jahr? (Zumindest bei uns zuhause – weltweit sieht es ja nicht danach aus…)

Entlastung für die Zweitälteste: Befreiung von den schwedischen Fächern

Sehr erleichternd für uns war, dass die Schule schon vor dem Ende der Ferien zugestimmt hat, unsere zweitälteste Tochter von den schwedischen Stunden zu befreien – wie es unser Berliner Kinderarzt nach einer Untersuchung jetzt im Sommer vorgeschlagen hat. Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

Hintergrund: Da sie seit ihrer Erkrankung vor fast einem Jahr immer noch täglich Kopfschmerzen hat und viel schneller erschöpft ist als früher (Post Covid), braucht sie Ruhepausen und kürzere Tage, soweit das möglich ist. Gleichzeitig will sie nicht wiederholen. Obwohl sie monatelang gefehlt hat zu Beginn des letzten Schuljahres, obwohl sie viel Stoff verpasst hat und ihre Noten stark abgesunken sind. Sie fühlt sich sowieso schon „alt“ für ihre 15 Jahre – noch ein Jahr unter lauter Jugendlichen auf dem Höhepunkt der Pubertät will sie nicht. Wer will es ihr verdenken… Außerdem gehen wir nächsten Sommer höchstwahrscheinlich nach Berlin zurück – da braucht sie kaum Vorkenntnisse in Samhälle, Historia und Schwedisch…

Es wird ernst für die Älteste – das Abi kommt näher

Unsere Älteste war wie immer schon Tage vor Schulbeginn angespannt – sie weiß, dass es jetzt „um die Wurst“ geht: das Abi. Sie fürchtet sich und fühlt sich unter Druck, setzt sich auch selbst unter Druck. Dabei kommt es für ihre weiteren Pläne gar nicht auf die Noten an. Sowieso prüfungsängstlich sind jedoch diese langen Klausuren (Deutsch z.B. = sechs Zeitstunden!) ein Grauß für sie. Und erst die mündliche Prüfung… Aber sie hat sich schon ausgerechnet, dass sie in Mathe in allen Klausuren eine fünf schreiben kann und trotzdem besteht (sagt sie – ich hoffe, sie hat sich nicht verrechnet!). Solche Gedankenexperimente helfen ihr. Deshalb sage ich ihr auch immer wieder, dass sie die Hälfte schon geschafft hat mit dem Abschluss der elften Klasse.

Und dann????

Wir und vor allem sie dürfen nur nicht vergessen über diesem großen Abi-Damoklesschwert, was da über ihr schwebt: dass das Leben aller Voraussicht nach auch danach weitergehen wird. Sie hat zwar einen ganz groben Plan, was sie ab Sommer 2023 machen möchte, aber konkret ist noch nichts.

Auch wir Eltern müssen anfangen, uns mit neuen Gedanken zu beschäftigen für die Zeit, wenn das erste Kind mit der Schule fertig sein wird – mit gerade mal siebzehneinhalb. Was verlangen wir dann von ihr an Engagement in der Familie, wenn sie sonst nichts vorhat? Wozu drängen wir sie, wenn sie gar nichts an Beschäftigung selbst organisieren sollte? Nichts zu tun, nicht gefordert zu sein, tut ihr nämlich erfahrungsgemäß gar nicht gut. Gleichzeitig kommt dieses „Kind“ mit Druck von außen überhaupt nicht klar. Sie macht sich – wie erwähnt – genug selbst davon. Wahrscheinlich müssen wir noch ein bisschen abwarten und sehen, wie sich alles entwickelt, was sie selbst in Angriff nehmen wird und ob Anstupser von uns überhaupt notwendig werden.

Ziel: Selbständiger Siebtklässler

„Anstupser“ (oder veritable Popotritte) brauchte unser Sohn, noch 11, in den letzten beiden Jahren auch noch viele: um vor Tests etwas zu tun, um Vokabeln zu lernen, um Hausaufgaben zu machen. Aber vielleicht hat es auch da jetzt mal „geschnackelt“? Er kennt jetzt eigentlich die Abläufe an der Deutschen Schule, weiß, wie die Arbeiten aufgebaut sind (in Fremdsprachen z.B. gibt es immer drei Teile: Vokabeln, Grammatik, eigene Textproduktion). Diese etwas langweilige Berechenbarkeit hat Vorteile. Er hat in den letzten zwei Jahren Arbeitstechniken gelernt und weiß z.B., dass er ein guter Vokabellerner ist – wenn er sich denn hinsetzt. Die Erfahrung, dass es einen großen Unterschied macht, ob er sich gut vorbereitet oder nicht, hat er ebenfalls gemacht.

Nette neue Lehrer, motivierendes Technikzeugs

Das alles lässt hoffen, dass er die Herausforderungen des neuen Schuljahres selbständiger meistern wird als früher. Er war an den ersten beiden Tagen jedenfalls guten Mutes. Seinen neuen Deutschlehrer findet er sehr nett und mit dem Fach „Informatik“, dem dortigen Lehrer und dem Projekt fürs erste Halbjahr ist er hochzufrieden. Sie haben alle einen „microbit“ bekommen – einen Einplatinencomputer (vergleichbar einem Arduino oder Raspberry Pi) – mit dem sie selbst kleine Programme schreiben werden. Sehr cool… er hat gleich einen ganzen Nachmittag damit verbracht, ihn auszuprobieren.

Auch die Zweitälteste wurde technisch aufgerüstet durch die Deutsche Schule: ein niegelnagelneuer Laptop wird allen Zehntklässlern hier standardmäßig zur Verfügung gestellt. Die Tyskaskolan hat das erst vor ein oder zwei Jahren eingeführt – Covid-Pandemie sei dank. Aber wohl auch weil es an schwedischen Gymnasien absolut üblich ist, und man diesen Punkt auf der Attraktivitätsskala nicht verlieren mochte.

Das Bild zeigt die neue Flagge der Deutschen Schule, die ein neues Logo zeigt: Über blau-weißen Wellen schwebt der Schriftzug "Taska Skolan Deutsche Schule Stockholm" und eine stilisierte Kogge mit dem Hinweis "Est. 1612" rechts und links daneben.
Neue Fahne mit neuem Logo der Deutschen Schule Stockholm. Foto: privat.

Denn so richtig gute Argumente, die anstrengende Oberstufe an der Deutschen Schule auf sich zu nehmen, gibt es nicht. Man kann – EU sei dank – sowohl mit dem schwedischen als auch dem deutschen Abschluss in beiden Ländern studieren. (Mit gewissen Einschränkungen, wenn man bestimmte Fächer nicht oder nicht lange genug belegt hat). Warum also sollte man sich den Stress antun mit extrem vielen Unterrichtsstunden über drei Jahre und zwei Abschlussprüfungen? Wobei für den schwedischen Abschluss meines Wissens viel „nebenbei“ erledigt wird. Es gibt keine schriftlichen Abschlussprüfungen, die den Abiprüfungen vergleichbar wären. – Und das dann auch noch ohne einen schicken Laptop, den man an jedem schwedischen Gymnasium bekäme? Also gibt´s die jetzt an der Tyskaskolan eben auch. Unsere Tochter freut´s und zeitgemäß ist es auch.

Die Zehntklässler nutzen das Gerät auch gleich in der ersten Woche. Während viele der „schwedischeren“ Klassenkameraden zurzeit an schwedischen Gymnasien hospitieren und erst dann entscheiden, ob sie an die Tyskaskolan zurückkehren, haben die anderen eine „Filmwoche“. Sie drehen in kleinen Gruppen unter Anleitung der Kunstlehrerin Filme – in diesem Jahr zum Thema „Freiheit“. Da hilft es schon, wenn man neben einem Smartphone auch einen Laptop zur Bearbeitung des Materials hat.

Ende dieser Woche gibt es dann noch ein Highlight für die Zehner: eine zweitägige Mini-Kennenlernfahrt auf eine Schäreninsel vor Stockholm. Ein wirklich schöner Auftakt in die Oberstufe!

Technische Ausrüstung auch für die Jüngste

Bliebe noch die Jüngste, die derlei Technik-Privilegien noch nicht genießt.(Letztes Jahr in der zweiten Klasse haben sie einmal pro Woche an ipads „gearbeitet“.) Sie war nun sehr aufgeregt und glücklich, weil sie als Drittklässlerin von uns jetzt in eigenes Handy bekommen hat. Nur zum Telefonieren bzw. Schreiben von SMS natürlich, kein Smartphone. Wir haben das bei allen Kindern so gemacht, weil sie dann allmählich allein zur Schule gegangen sind. Je nachdem wie der Schulweg aussah das eine Kind mehr, das andere weniger.

Nun ist unsere Jüngste noch sehr jung für ihre Klasse (zurzeit noch 7, im Oktober wird sie 8) und der Weg zur Deutschen Schule von uns aus nicht ganz unkompliziert. Deshalb bringen wir sie zurzeit noch hin. Aber es ist ein Ziel dieses Schuljahres, dass das weniger wird bzw. ganz aufhört. Und dafür hat sie das Telefon. Dann kann sie Bescheid sagen, wenn sie einen Bus verpasst oder falsch ausgestiegen ist oder sich noch verabreden möchte. Sie findet es super und ist stolz wie bolle :-).

Alles in allem waren die ersten beiden Schultage also für alle Kinder gut. Mehr kann man sich nicht wünschen. Möge es so weitergehen!