Astrid Lindgren forever

Unser Besuch in der Astrid-Lindgren-Welt bei Vimmerby

Früher waren wir fast jährlich in der Welt von Karlsson, Pippi und Ronja Räubertochter. Nun aber lange nicht mehr – Pandemie sei Dank. Da unsere Jüngste nun aber gerade im besten „Pippi“-Alter ist (7), haben wir die erstbeste Gelegenheit dieses Jahr genutzt und sind nach Südschweden gefahren: Am langen Himmelfahrts-Wochenende waren wir wieder in Vimmerby! Zum siebten oder achten Mal insgesamt. Meine Güte, was haben die schon an Geld mit uns verdient! Günstig ist der Eintritt nicht…

Kurze Theaterstücke der bekanntesten Episoden aus Michel & Co.

Hier „tirritiert“ Karlsson gerade Fräulein Bock durch Zimtweckenklau…

Aber er lohnt sich. Denn man bekommt neben den vielen kleinen „Inseln“ mit den Schauplätzen aus Astrid-Lindgren-Büchern über den Tag verteilt auch viele kurze Theaterstücke geboten: In leicht verdaulichen Häppchen von ca. 20 Minuten Spielzeit werden die bekanntesten Episoden aus Pippi, Michel, Karlsson (und weiteren Büchern) aufgeführt. Dabei singen die SchauspielerInnen natürlich auch die bekannten Lieder. Es ist zwar alles auf schwedisch, aber das hat uns früher schon nicht gestört: Wenn man die Geschichten kennt, versteht man die Stücke.

Pippi spielt mit den Polizisten Kling und Klang Fangen…

Auch dieses Jahr war es wieder so schön wie immer. Selbst das Wetter spielte mit, und wir blieben fast ganz trocken. Wir bekamen sogar einige Sonnenstrahlen zu sehen!

Veränderungen im Park im Lauf der Jahre

Schwierig ist es für die Traditionalistinnen unter uns nur, wenn sich im Park etwas verändert. Und das tut es fast jedes Mal: Bei unserem allerersten Besuch z.B. war die Mattisburg noch winzig, ebenso der Hof aus den Michel-von-Lönneberga-Büchern (der hier in Schweden „Emil“ heißt, wie wahrscheinlich die meisten wissen). Das Heckenrosental der „Brüder Löwenherz“ gab es noch gar nicht. Bei unserem zweiten Besuch präsentierte sich uns eine völlig neue, viel größere Mattisburg – inklusive richtigem „Höllenschlund“, der sich während des Theaterstücks über die Geburt Ronjas dramatisch auftat…

Die große Mattisburg mit dem „Höllenschlund“ rechts.

In den Jahren danach wurde eine große neue Bühne rund um einen neuen Katthult-Hof gebaut. Und danach die Schauplätze für die Brüder Löwenherz.

Das Heckenrosental aus dem Buch „Brüder Löwenherz“.

Eine neue Villa Kunterbunt

In diesem Jahr nun hatten sie doch tatsächlich die Villa Kunterbunt („Villa Villekulla“) umgebaut (die alte Version sieht man zB hier)! Der alte „Kleine Onkel“ aus Holz, der früher für die Kinder als Klettergerüst diente, war verschwunden. Ebenso der Baum vor dem Haus. Dafür gab es dieses Jahr ein echtes Pferd! Das kannten wir bis dato nur aus den Ronja-Stücken – und da handelte es sich eher um kleinere Ponies. Außerdem erschien im Hintergrund der Villa Kunterbunt das – immer noch ziemlich mickrige – Bullerbü (hier nicht im Bild): Da waren offenbar Bäume gefällt worden.

Viel größer und mit echtem „Kleinen Onkel“ (links): die neue Villa Kunterbunt 2022.

Und die Hoppetosse lag nun auf der anderen Seite eines früher bereits vorhandenen Teiches vor Anker. Dafür gab es nun noch mehr von den bei unseren Kindern schon immer sehr beliebten kleinen Flößen, mit denen man sich an einem Seil von einer Seite des Wassers auf die andere ziehen kann.

Floß mit Seilantrieb.

Alles ausprobieren und anfassen ist erlaubt

Da die meisten Veränderungen aber tatsächlich Verbesserungen sind, gewöhnen wir uns schnell daran. Übrigens darf man alle Kulissen sind vor und nach den Aufführungen erkunden. Zwar gibt es nicht viele Kleinteile, die herumstehen (Geschirr etc. ist meist fixiert), aber dennoch gibt es viel zu gucken, zu öffnen und auszuprobieren für die Kinder: Und wer wollte nicht schonmal in Michels Tischlerschuppen sitzen oder sich die „Trissebude“ von innen anschauen, in der Michels Papa festsaß?

Pickplätze mit Grillmöglichkeiten überall

Viele haben solche Bollerwagen dabei.

Sympathisch finden wir, dass im ganzen Park viele, viele Picknickplätze mit Tischen nd Bänken vorhanden sind, wo man sein mitgebrachtes Picknick essen (und an einigen Stellen auch Würstchen grillen) kann. Das machen die meisten Schweden nämlich so. Deshalb gibt es auch am Eingang kleine Metall-Bollerwagen zu mieten, in denen man Kühltruhen und müde Kleinkinder hinter sich herziehen kann. An allen Bühnen gibt es Abstellplätze dafür, wo auch Kinderwagen geparkt werden können. Und niemand hat Sorge, dass etwas geklaut wird. Das ist sehr angenehm.

Restaurants und Cafés gibt es natürlich auch

Natürlich gibt es auch Restaurants und Cafés und Büdchen und Läden, wo man Essen, Getränke, Eis und sämtliche Merchandise-Artikel kaufen kann. Hier findet man die üblichen Köttbullar (Fleischklößchen), Kanelbulle (Zimtwecken), Salate, Sandwiches usw. – Keine kulinarischen Highlights, aber das braucht es ja auch nicht hier.

Merchandising-Artikel mit z.T. wirklich guter Qualität

Diese Sandalen habe ich dieses Jahr zum ersten Mal gesehen. Gummistiefel gibt es auch. Aber nur kleine.

Zum Teil sehr nett sind die Merchandising-Artikel (wer ganz dringend welche braucht, kann hier auch im webshop fündig werden). Dieses Jahr habe ich z.B. Sandalen von Kavat im Look des Fells von Pippis Apfelschimmel „Kleiner Onkel“ gesehen (also weiß mit dunklen Punkten) – allerdings nur bis Größe 32. Vor vielen Jahren haben wir hier schon bunte T-Shirts mit Pippi-Aufdruck gekauft. Die waren von so guter Qualität, dass sie auch heute noch – beim vierten Kind und nach bestimmt 100 oder mehr Wäschen – aussehen wie neu. Allerdings muss man beim Kauf genau hinschauen. Nicht alle Stoffe der hier verkauften Kleidungsstücke machen einen so robusten Eindruck. Die Madita-Kleidchen schienen mir vor Jahren z.B. noch deutlich dicker und stabiler zu sein als heute. Auch hier wechseln Design und Ausführung immer mal wieder. So waren Ronja- und Birk-Sachen dieses Mal kaum zu finden.

Riesige Lollis und kleine Krumelus-Pillen

Lecker (vor allem süß)!

Aber es gibt vieles, woran man lange Freude haben kann: Emaille-Geschirr z.B. und Garderobenhaken aus Metall oder auch viele Poster mit Filmszenen. Wer keinen unnötigen Ballast mit sich herumschleppen aber dennoch eine Kleinigkeit kaufen möchte, der kann sich an den vielen Süßigkeiten gütlich tun: Lutscher in allen Farben von mini bis riesig gibt es ebenso wie die „Krumelus“-Pillen gegen das Großwerden. Die Läden sind übrigens alle in der „Krachmacherstraße“, wo auch das Haus von „Lotta“ steht, in dem der zugehörige Film gedreht wurde. (Das ist der einzige Astrid-Lindgren-Film, der in unserer Familie nicht so besonders gern gemocht wird… die spirrelig-dünne, blonde Hauptdarstellerin ist so weit weg von dem gezeichneten, braunhaarigen, pausbäckigen Vorbild…)

Highlight am Schluss: Jazz-Konzert an der Tankstelle

Kleines Jazz-Konzert zum Abschluss.

An der Tankstelle, an der Lotta im Buch die Zeitung für ihre Nachbarin kauft und einmal sogar einen Weihnachtsbaum findet, als Weihnachtsbäume in der ganzen Stadt ausverkauft sind, gibt es für uns immer den krönenden Abschluss eines Tages in der Astrid-Lindgren-Welt: Hier tritt am späten Nachmittag, kurz bevor der Park schließt, eine Band als „Rausschmeißer“ auf. Natürlich spielt sie die Lieder von Karlsson und Konsorten – aber als Jazz-Versionen. Oft tanzen Leute dazu, vor allem Kinder. Danach geht man gemütlich und beschwingt zum Auto und merkt kaum, wie man nach Hause fährt, weil man den Eindrücken des Tages noch lange nachhängt.


Last but not least:

Der „Nicht-den-Boden-Berühren-Pfad“ ist bei vielen Kindern sehr beliebt.

Man kann gut auch zwei Tage hier verbringen, wenn man bereit ist, so viel Geld zu investieren. Sogar wohnen kann man nebenan – in kleinen Häuschen oder mit Wohnwagen bzw. im eigenen Wohnmobil. Aber gerade mit kleineren Kindern reicht ein Tag völlig aus.

Mit älteren Kindern lohnt sich u.U. noch ein Besuch in Astrid Lindgrens Elternhaus: Näs in Vimmerby. Es gibt kombinierte Tickets für den Park und Näs.


Auch dieses unaufgeregte und gänzlich ohne Elektronik auskommende Labyrinth finden Kinder toll.

Am Haus von Nils Karlsson Däumling kann man erleben, wie es ist, winzig zu sein.

Nach dem Test: Wo gibt es gute Infos?

Erste Schritte: mehr lernen über Hochbegabung

Im Auswertungsgespräch zur Testung und im schriftlichen Gutachten der BegabungsdiagnostikerInnen erhält man idR ein paar grundlegende Informationen zum Thema Hochbegabung. Die meisten Eltern haben danach jedoch das Bedürfnis, mehr zu erfahren, insbesondere wenn sie von dem Ergebnis überrascht wurden. Viele möchten sich auch mit anderen Eltern austauschen und ggf. von ihnen lernen.

Die im Folgenden genannten Anlaufstellen bieten sowohl Informationen als auch Vernetzung an. Es gibt darüber hinaus natürlich noch viele weitere Vereine, private Blogs usw., die sich mit begabten Kindern und Begabungsförderung beschäftigen. Gerade in diesem Bereich sind regionale Initiativen sehr häufig anzutreffen. Man sollte deshalb unbedingt im eigenen Bundesland, in der eigenen Stadt, im eigenen Landkreis schauen, ob es dort Angebote gibt. Diese reichen von Marburger Konzentrationstrainings über Rollenspiel-Angebote bis zu regionalen Begabtentreffen oder Mentoring-Angeboten.

Auch lohnt es sich, einmal über den Tellerrand zu schauen und z.B. auf US-amerikanischen Seiten zu lesen (z.B. bei der „National Association for gifted children“; unter der Rubrik „Informations & Publications“ findet sich eine Kategorie für „Parents“: hier gibt es viele Tipps).

Karg-Stiftung

Die Karg-Stiftung hat den Auftrag, hochbegabte Kinder zu fördern. Auf drei Seiten (Stiftung/Fachportal/Lernportal) finden sich hier viele Informationen zum Thema Hochbegabung. Insbesondere das Fachportal ist sehr ergiebig. Auch wenn es sich vorrangig an PsychologInnen und PädagogInnen richtet, ist es für interessierte Eltern ebenfalls sehr nützlich.

So findet man hier z.B. eine Datenbank mit Beratungsstellen (unter „Service“) , die man anhand von Postleitzahlen durchforsten kann. Allerdings ist nicht ganz klar, nach welchen Kriterien diese Beratungsstellen hier veröffentlicht werden (objektive? Selbstnomination?). Im Zweifel sollte man mit der jeweiligen Stelle zunächst telefonieren, um herauszufinden, ob sie wirklich das bietet, was man sich davon erhofft – und was das ggf. kostet. Gerade im Bereich Begabten/Elternberatung tummeln sich viele, idelogisch und qualitativ sehr unterschiedliche Anbieter – um es diplomatisch auszudrücken. Es ist deshalb sinnvoll und notwendig, sich über das jeweilige Beratungsangebot bzw. die Qualifikationen der BeraterInnen vorher zu informieren, etwas zu recherchieren und z.B. in einschlägigen Elternforen im Internet auch nach Erfahrungen zu fragen.

Auf der Seite gibt es außerdem Info-Broschüren (https://www.fachportal-hochbegabung.de/grundlagen-der-hochbegabung/) – die sich auch zur Weitergabe an LehrerInnen eignen -, einen Länder-Schwerpunkt mit einem Überblick über die rechtlichen Grundlagen der Förderung in den einzelnen Bundesländern, Rezensionen der verschiedenen, gängigen Intelligenztests usw…

Im Bereich „Fachmedien“ auf der Stiftungs-Seite finden sich die Ausgaben der Stiftungs-eigenen Zeitschrift („Karg-Heft“) mit vielen interessanten Themen und sehr viele weitere Literatur-/Medien-Tipps. Die Karg-Hefte können alle in der digitalen Version online gelesen oder als gedruckte Version bestellt werden (mW kostenlos!).

Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK)

Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. ist ein Verein, der sich seit 1978 für die Belange von hochbegabten Kindern einsetzt. Er hat nach eigener Auskunft ca. 3000 Mitglieder (Stand: Mai 2022). Gegründet wurde er auf die Initiative von Annette Heinbokel hin, einer Lehrerin, die insbesondere das Überspringen von Klassen als Fördermaßnahme in Deutschland erforscht und dazu mehrere Bücher und eine Website veröffentlicht hat1 (für Eltern, die sich über das Thema „Überspringen“ informieren wollen: unbedingt lesen!).

Die DGhK ist in Regionalvereine (meist deckungsgleich mit den Bundesländern – aber nicht immer) gegliedert. Diese sind unterschiedlich aktiv, aber alle bieten eine kostenlose Erstberatung für Eltern an, die gerade erst von der Hochbegabung eines ihrer Kinder erfahren haben – oder sie auch nur vermuten. In vielen Bundesländern gibt es darüber hinaus Gesprächskreise für Eltern, gemeinsame Ausflüge, Spielenachmittage, Freizeiten und Kurse oder Workshops für hochbegabte Kinder und ihre Familien. Die Aktivitäten sind immer davon abhängig, wie sich die Mitglieder der jeweiligen Region engagieren. Hier kann man also auch selbst viel beitragen.

Der Bundesverband bietet eine kostenlose telefonische Beratung für PädagogInnen an, auf die man LehrerInnen hinweisen kann.

Außerdem veranstaltet die DGhK Familienfreizeiten, die in der Mitgliederzeitschrift angekündigt werden und sehr beliebt sind.

Schließlich ercheint vier Mal im Jahr eine interessante Mitglieder-Zeitschrift („Labyrinth“), die man auch als Nicht-Mitglied abonnieren kann (Preis: 15 Euro; Stand: Mai 2022). Alle Ausgaben vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2014 sind – gestückelt in drei „Portionen“ – kostenlos als pdf-Download erhältlich2.

Mensa/ MinD gGmbH

Mensa Deutschland e.V.(https://www.mensa.de/) ist ein Netzwerk für hochbegabte Menschen in Deutschland. Der internationale Dachverband Mensa International wurde 1960 gegründet. In ca. 50 Ländern der Erde gibt es Mensa-Vereine bzw. -Mitglieder. In Deutschland sind zurzeit (Stand: Mai 2022) ca. 16.000 Menschen Mitglied, international sind es um die 145.000.

Mensa möchte für seine Mitglieder private und berufliche Kontakte ermöglichen. Der Verein strebt keine konkreten politischen Ziele an, will aber „mit den negativen Stereotypen rund um Hochbegabung in der Gesellschaft aufräumen“.

Interessant für Familien mit hochbegabten Kindern ist Mensa besonders deshalb, weil der Verein Feriencamps für Kinder und Jugendliche von 6-19 Jahren (https://www.mensa.de/kiju/camps/) anbietet (weder Mitgliedschaft noch Nachweis der Hochbegabung sind zwingend erforderlich). Außerdem gibt es Regionalgruppen, die ebenfalls Aktivitäten für Kinder und ihre Familien organisieren. Um von diesen zu erfahren, muss man ein Konto auf der Internet-Seite anlegen bzw. sich per Mail bei Mensa melden.

Für junge Erwachsene (18-30 Jahre) bietet Mensa Youth eine Anlaufstelle für gemeinsame Unternehmungen, Urlaube und Unterstützung z.B. im Studium.

Die Mind-Stiftung gGmbH ergänzt das Angebot. Sie setzt sich für die „Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der menschlichen Intelligenz sowie die Förderung von Bildung und Erziehung Hochbegabter“ ein. Hier können Schulen und Kitas z.B. den „Begabungskoffer“3 für sehr wenig Geld ausleihen: Er wird individuell zusammengestellt und enthält Fördermaterial für hochbegabte Kinder/Jugendliche und Fachbücher zum Thema Hochbegabung. Die Stiftung vergibt seit 2017 außerdem auch drei Studienstipendien4, zwei davon für das Fach Psychologie.

Auch Mensa gibt eine Mitgliederzeitschrift heraus: Sechs Ausgaben pro Jahr erscheinen von „MinD“. Alle Ausgaben sind auf der Homepage frei zugänglich. Die Artikel drehen sich bei weitem nicht nur um Hochbegabung: Es gibt auch Reise-Berichte, Berichte über ehrenamtliches Engagement, ein ganzes Heft über Liebe usw…

www.begabungslotse.de

Diese Internetpräsenz wird vom Verein „Bildung und Begabung gemeinnützige GmbH“ betrieben und bietet vielfältige Informationen zum Thema (Hoch-)Begabung. Dahinter stecken als „Förderer“ das Bundesbildungsministerium, die Kultusministerkonferenz (KMK) und der Stifterverband (ein Unternehmens- und Stiftungsverband).

Auf der Homepage können interessierte Eltern z.B. nach Kurs-Angeboten für Kinder bzw. Jugendliche suchen: Unter „Angebote/Suche“ lassen sich verschiedene Kriterien auswählen (Zielgruppe/Fach/Thema).

Außerdem findet man auch hier einen Überblick über die Begabtenförderung in den einzelnen Bundesländern5, außerdem eine Datenbank mit „Begabungsorten“ sortiert nach Postleitzahlen und ein Verzeichnis von „Anbietern“ nach Bundesländern geordnet. Die „Begabungsorte“ können verschiedenste Einrichtungen und Angebote umfassen: Schulen mit einem Schwerpunkt in der Begabtenförderung ebenso wie Fortbildungsanbieter zum Thema oder fördernde Kurse für Kinder/Jugendliche. Die „Anbieter“ sind bunt gemischt: Schulen ebenso wie Verlage, Hochschulen usw. – wer im weiteren Sinn etwas mit Talentförderung zu tun hat, und das auch belegen kann, kann sich hier listen lassen. Für die Anbieter wurden Qualitätskriterien festgelegt, die unter „Service/Qualitätskriterien“ eingesehen werden können.

 Im Begabungskalender finden sich Tagungen, Kongresse, Messen und Fortbildungen zum Themenfeld Talententwicklung und Begabungsförderung.


1  http://www.ieua.de/

2  https://www.dghk.de/das-labyrinth/

3  https://www.mensa.de/kiju/begabungskoffer/

4  https://www.mensa.de/ggmbh/bildung/hb-im-studium/

5  https://www.begabungslotse.de/laender


Im nächsten Teil dieser Serie gibt es einige Büchertipps zum Thema „Hochbegabt“. Einige sind auch schon hier zu lesen.

Nach dem Test: „Hochbegabt“ – und jetzt?

Wenn eine Begabungsdiagnostik stattgefunden und ergeben hat, dass ein Kind sehr begabt ist, ist das für viele Eltern zunächst eine Erleichterung. Dabei spielt es keine Rolle, ob die „magische Grenze“ von 130 im Gesamt-IQ geknackt wurde oder nicht – mit 125 oder 135 sehen die Denkweisen und Herausforderungen ähnlich aus (vgl. meinen Text dazu hier).

Ich hatte z.B. das diffuse Gefühl, nun endlich eine Erklärung für manche Probleme meiner zweitältesten Tochter in der Schule zu haben. Allerdings bekam ich von der Testpraxis wenige Hinweise dazu, was ich mit meinem neuen Wissen über mein Kind konkret tun könnte. Auch den Problemen, die uns ursprünglich in diese Praxis geführt hatten, wurde nicht so konkret mit Lösungsvorschlägen begegnet wie ich mir das erhofft hatte.

Das kann bei anderen „Teststellen“ anders sein – ich hoffe es für alle Eltern, die dort hingehen. Aber häufig erhält man eben auch nur ein relativ kurzes Gespräch und ein übersichtliches, schriftliches Gutachten, in dem die einzelnen Ergebnisse in den verschiedenen Bereichen des IQ-Tests genannt werden und ein bisschen erklärt wird, wie der Test aufgebaut ist, was in den einzelnen Bereichen geprüft wird. Und dann tun sich viele weitere Fragen auf.

Aus dem Testergebnis ergeben sich viele Fragen für Eltern

– Was mach ich jetzt mit diesem Ergebnis? Woher bekomme ich tiefergehende Informationen über Hochbegabung?

Sage ich es dem Kind, den Geschwistern, den Großeltern? Und wenn ja: mit konkreter Zahl oder ohne?

– Muss ich in meiner Erziehung nun etwas anders machen als bisher?

– Braucht mein Kind Förderung? In welchem Bereich? Kann ich das selbst machen oder muss ich mich dafür an ExpertInnen wenden? Wer könnte das sein?

– Welche Förderung ist sinnvoll?

– Wo bekomme ich ggf. Beratung, um herauszufinden, was für mein(e) Kind(er) gut ist?

– Unser Geld oder unsere Zeit ist knapp, aber ich möchte meine Kinder so gut wie möglich unterstützen – was tun?

Und auch im Hinblick auf das größere Umfeld der Familie gibt es Fragen, insbesondere:

– Soll ich mit der Kita/Schule über das Testergebnis sprechen? Auf jeden Fall oder nur falls Probleme auftreten? In welchem Rahmen – mit wem von der Schule (KlassenlehrerIn, Schulleitung?), allein, beide Eltern zusammen oder am besten noch in Begleitung einer unabhängigen Person? Möchte ich etwas Bestimmtes von Kita/Schule – wie genau sehen meine/unsere Wünsche aus (Gesprächsziel)?


Im Folgenden beantworte ich zunächst die oben gefetteten Fragen.

Beiträge zu den anderen Fragen werden in den nächsten Wochen in loser Folge veröffentlicht werden.


Sollte man dem Kind das Ergebnis mitteilen?

Ja, das sollte man meiner Meinung nach unbedingt tun – aber ohne konkrete Zahlen.

Die Zahlen sind – wie weiter oben beschrieben – nicht erheblich, wenn man sich mit den Möglichkeiten und Grenzen von IQ-Tests und einer Begabungsdiagnostik insgesamt vertraut gemacht hat. Natürlich kann man diese ganzen Informationen auch einem älteren hochbegabten Kind oder Jugendlichen zugänglich machen, und sie würden verstanden werden. Dennoch würde ich es vermeiden, den Gesamt-IQ oder die einzelnen Unterergebnisse z.B. des WISC-V mit dem getesteten Kind/Jugendlichen zu teilen. Insbesondere wenn es Geschwister gibt – egal ob auch getestet oder nicht – finde ich die Gefahr zu groß, dass damit „hausieren“ gegangen wird oder dass sich die Geschwister im Eifer des Gefechts ihre Ergebnisse um die Ohren hauen, um den anderen zu ärgern. Zahlen suggerieren auch (zu) einfache Erklärungen – wenn z.B. nur ein Bereich besonders hoch ausfällt, die anderen eher nicht.

Wichtig für ein Kind oder einen Jugendlichen ist es aber, zu wissen, dass das Ergebnis „hochbegabt“ lautet. Auch das Begabungsprofil, das manche IQ-Tests ermöglichen, ist u.U. Interessant für das Kind und kann es u.U. motivieren oder rückversichern. Man kann also meiner Meinung nach gut zu einem Kind sagen, dass es besonders im sprachlichen Bereich oder im logischen Denken Stärken habe bzw. dass es in allen Bereichen sehr begabt sei.

Viele spät erkannte Hochbegabte berichten, dass für sie das Ergebnis „hochbegabt“ ein Aha-Erlebnis gewesen sei und im Nachhinein vieles verständlicher gemacht habe: Insbesondere das Gefühl, „anders“ zu sein als viele andere Menschen, nicht „hineinzupassen“ haben viele dieser Menschen erlebt und können es sich mit dem Wissen um ihre besondere Begabung endlich besser erklären. Das macht Einsamkeit zwar nicht automatisch gut – aber nachvollziehbarer. Natürlich bringt das Wissen manchmal auch Trauer um verpasste Chancen und unnötige Unsicherheiten mit sich. Aber es kann auch neuen Mut und Selbstbewusstsein geben. Spät erkannte Hochbegabte bedauern es in der Regel, nicht früher über ihre Begabung Bescheid gewusst zu haben.1

Deshalb: Die Kinder sollten das Testergebnis erfahren. Außerdem bietet es sich an, dem Kind oder Jugendlichen altersentsprechend (bzw. im Fall von Hochbegabten ist es eher „entwicklungsentsprechend“) zu erklären, was es bedeutet „hochbegabt“ zu sein.

Dafür ist der Rennwagen-Vergleich nützlich:

Hochbegabte sind wie Formel-1-PilotInnen mit entsprechenden Rennwagen. Sie besitzen eines der besten Autos der Welt mit allem Pipapo (=Begabung) – aber sie müssen erst noch lernen, damit zu fahren (=ihre Begabung zu nutzen). Das ist gar nicht so einfach: Die Technik im Bolliden (Denkfähigkeit) ist nämlich deutlich anders als in den für den normalen Alltagsverkehr konstruierten Pkw. Sie ist auf Höchstleistungen ausgelegt.

Hochbegabte sind wie Formel-1-FahrerInnen… und brauchen auch Spezialtraining.

Das Cockpit hat viele, viele Knöpfe (verschiedene Bereiche der Begabung), die dazu dienen, das Beste aus dem Wagen rauszuholen – aber man muss wissen, wann und wie viel man welchen drücken bzw. drehen muss. (Bei manchen fehlt auch der ein oder andere Knopf.) Das beherrschen junge Hochbegabte zum Teil intuitiv oder lernen es durch Ausprobieren. Manchmal treten dabei jedoch Schwierigkeiten auf, z.B. kommt man noch nicht an alle Knöpfe so gut dran, wenn man noch zu kurze Arme hat (jüngere hochbegabte Kinder können motorisch noch nicht so viel wie ihr Kopf). Oder die langsameren Autos lassen einen nicht vorbei (Kinder werden ausgebremst durch andere Kinder oder ErzieherInnen/LehrerInnen/Eltern).

Und es gibt noch weitere Schwierigkeiten: z.B. ist die Lenkung von Rennwagen sehr empfindlich (viele hochbegabte Kinder sind sehr sensibel) – sie reagiert schon bei kleinsten Bewegungen (Lärm im Klassenzimmer, grelles Licht, kratzige Kleidung z.B.). Außerdem muss man lernen, wie viel Gas (Begabung zeigen) man in welcher Umgebung (Familie, Freunde, Kita, Schule) geben kann oder sollte, ohne einen Unfall (Ausgrenzung/Mobbing, Schulangst, Depressionen, Underachievement….) zu verursachen.

Schließlich kann man auch mit einem Rennwagen gemütlich durch die Lande tuckern (nur mittelmäßig gut in der Schule sein), über Landstraßen fahren (eine weniger herausfordernde Schule besuchen) oder in mittlerem Tempo (nicht die volle Leistungsmöglichkeiten zeigend) auf der Autobahn (stärker herausfordernde Schule) unterwegs sein. Man wird in beiden Fällen ans Ziel kommen – die Frage ist immer, wie zufrieden und glücklich man dabei ist. Manche möchten auch mal so richtig aufs Gas drücken (ihre volle Leistungsfähigkeit ausschöpfen) und bei der Formel-1 mitfahren und am besten gewinnen – dafür muss man trainieren (Lernen lernen, üben) und auf Spezialstrecken fahren (gute Förderung in der Schule erleben oder z.B. Schnelllernerklassen oder Schulen mit besonderer Begabtenförderung besuchen).

Wer nicht weiß, dass er PilotIn eines Rennwagens (= hochbegabt) ist, läuft natürlich recht große Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden. Denn er/sie fährt ja mit völlig falschen Vorstellungen seines fahrbaren Untersatzes und dessen Technik durch die Gegend.

Hochbegabte denken häufig etwas anders als andere Menschen.

Sollten die Geschwister das Ergebnis erfahren?

Das kommt einerseits ein wenig auf das Alter/den Entwicklungsstand der Geschwister an, andererseits darauf, ob sie auch getestet wurden oder werden sollen und welches Ergebnis dabei herauskam/kommt.

Wenn die Geschwister älter als ungefähr fünf sind und auch getestet werden und ebenfalls „hochbegabt“ sind, was häufig der Fall ist, dann sollten sie es untereinander wissen (wiederum ohne konkrete Zahlen).

Wenn die Begabungen unterschiedlich verteilt sind, also ein Kind „hochbegabt“ ist, das andere nicht, finde ich es auch besser, das Ergebnis des hochbegabten Kindes in der Familie zu besprechen als ein Geheimnis daraus zu machen. Denn dieses Thema wird die Familie in vielen Fällen noch weiter beschäftigen – zumal es häufig erst zu einer Testung kommt, wenn Probleme auftauchen. Da das Testergebnis allein noch keine Lösung der Probleme bedeutet, wird sich an sie meist die Suche nach der richtigen Förderung uÄm anschließen. Das bleibt Geschwistern nicht verborgen.

Es ist natürlich schwierig, wenn ein Kind z.B. aufgrund der hohen Begabung Zugang zu attraktiven Zusatzkursen oder Sommercamps hat, das Geschwisterkind jedoch nicht. Doch nicht immer sind Nachweise von Testergebnissen zwingend nötig: Z.B. bietet Mensa Deutschland Sommercamps für Kinder und Jugendliche an, für die kein Nachweis der hohen Begabung erforderlich ist2. Für andere Veranstaltungen (z.B. Sommerakademien) benötigt man z.B. Emfehlungsschreiben von LehrerInnen: die kann man nach einem Gespräch mit den LehrerInnen idR auch ohne Nachweis erhalten, wenn ein Kind sehr motiviert ist. Man hat also die Möglichkeit, ggf. auf solche Angebote auszuweichen, wenn ein Geschwisterkind unbedingt ebenfalls so einen Kurs mitmachen möchte.


Sollte man in der Familie über das Ergebnis sprechen –
und wie ist es außerhalb?

Das kommt sehr auf das Klima in der Familie und unter Bekannten/Freunden an. Insofern gibt es dafür keine Empfehlung, die allgemeingültig sein kann.

Wenn ein offenes, bildungsfreundliches Klima herrscht, wird man darüber sprechen und ggf. sogar die Großeltern oder einen (Paten-)Onkel in die Förderung des/der hochbegabten Kindes/r einbeziehen können. Sie sind u.U. ja selbst hochbegabt und können ihr Wissen auf Spezialgebieten oder ihre Lernleidenschaften an die Kinder weitergeben. Großeltern können so eine Art MentorInnenrolle einnehmen.

Allerdings haben sich die Vorstellungen über Hochbegabung und die damit assoziierten Dinge stark verändert in den letzten Jahrzehnten. Das sollte man in die Rechnung mit einbeziehen, bevor man beginnt, in der Familie oder mit Freunden über das Thema zu sprechen.

Es sollte einem immer bewusst sein, dass das Thema Hochbegabung für viele Menschen starke Konnotationen hat, die nicht unbedingt auf Wissen basieren. Es gibt durchaus Unterschiede zwischen den Generationen und auch kulturelle Unterschiede: z.B. zwischen Menschen, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind (wo Begabte eher stärker gefördert wurden, aber nicht vorranging um ihrer selbst willen, sondern um dem Staat zu Ehre zu verhelfen), und den „Wessis“, die Begabtenförderung bis weit in die 90er Jahre eher selten erlebt haben dürften. Denn in der ehemaligen BRD hatte „Eliteförderung“ keinen guten Ruf, vor allem nicht unter Linken. Auch in den USA wird Begabtenförderung ganz anders gesehen als hierzulande… Darum lohnt es sich, sich vor einem Gespräch ein paar Gedanken zu machen, wie wohl der Gesprächspartner zum Thema Hochbegabung eingestellt sein könnte und wie man dieser Haltung ggf. begegnet.


Fussnoten:

1  Vgl. z.B. viele Lebensgeschichten von hochbegabten Frauen in „Kluge Mädchen. Frauen entdecken ihre Hochbegabung“, Katharina Fietze, S. 44: „Nicht erkannte Hochbegabung tut weh. Man steht gleichsam vor einem blinden Spiegel und sieht sich nicht. Mehr als vier Jahrzehnte vergingen, bevor ich von meiner Hochbegabung erfuhr. Da war mir, als würde ich aus einer Narkose erwachen. Endlich erfuhr ich, wer ich war, und entdeckte den roten Faden in meinem Leben. Eine Zentnerlast fiel von meinen Schultern. Ich hörte auf, mich dümmer zu stellen als ich war und litt nicht mehr darunter, nirgendwo dazuzugehören.“

2  https://www.mensa.de/kiju/camps/teilnahme/

Testen oder nicht testen?

Viele Eltern stellen sich die Frage nach einem Test, wenn sie ein auffallend wissbegieriges Kind zuhause haben. Ich habe in einem möglichst gut verständlichen Überblick aus Elternperspektive die zehn wichtigsten Fragen zur Begabungsdiagnostik zusammengefasst: HIER.

Der Text ist Teil einer Reihe von Infos, die ich „Hochbegabung für Anfänger“ nenne. Denn es gibt ja inzwischen glücklicherweise sehr viele gute Bücher über dieses Thema von Fachleuten, vor allem PsychologInnen. Aber es fehlt meiner Meinung nach die Perspektive von Eltern. Die kommen meist nur in den Fachbüchern als „Fälle“ vor, ebenso wie die Kinder und Jugendlichen, um die es ja eigentlich geht.

Ich beschäftige mich jetzt seit 2016 mit dem Thema und lese in einschlägigen Internetforen immer wieder dieselben verunsicherten Fragen von Eltern. Die werden meist nett und gut beantwortet. Aber die verschwinden natürlich auch immer wieder in den Untiefen von facebook und Co. Deshalb habe ich nun einige Fragen gesammelt, die mir immer wieder begegnet sind, und habe sie möglichst knapp und konkret und nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. Ich hoffe, das hilft manchen weiter.

Rasende Herzen

Mein größtes Problem beim Verfassen von neuen Blog-Beiträgen ist immer: Worauf lege ich den Fokus? Es gibt so vieles, worüber es sich lohnen würde, zu schreiben. Ob nur für mich als Reflexionshilfe oder vielleicht ja auch für Euch als unterhaltsame Info. Aber ich habe schlicht nicht die Zeit! Heute schwankte ich z.B. zwischen einem kleinen Bericht über das nette Polizeimuseum von Stockholm (Highlight für Kinder im Vorschulalter!), einem update zur familiären Lage diese Woche und einem Text zu Hochbegabung und meinem neuen Projekt, das ich begonnen habe. Und weil ich mich nicht so recht entscheiden kann und will, gibt es jetzt eine Mischung. Das Polismuseet allerdings wird wohl den kürzesten ziehen…

Familiäre Situation

Die Lage: Kind 2 und Kind 3 haben nach wie vor stark erhöhte Herzfrequenzen (nach dem Treppensteigen 170 bzw. 188 Schläge, holladieWaldfee!). Das ist natürlich anstrengend. Ursache kann entweder eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nach Covid sein oder „POTS“, eine Störung des autonomen Nervensystems: Bei der Entzündung müsste man sich sehr schonen und dürfte keinerlei Sport machen, während man bei POTS gezielt Ausdauertraining machen müsste. Ich weiß das so gut, weil wir exakt dasselbe Ende 2020/Anfang 2021 mit unserer ältesten Tochter schonmal durchhaben. Bei ihr konnte am Ende nur mit einem MRT in Deutschland ausgeschlossen werden, dass es eine Herzmuskelentzündung war. Daher weiß ich auch, dass ein EKG und selbst ein Herzultraschall nicht unbedingt ausreichen und das Troponin im Blut ein Indikator sein kann.

Zwei Termine, zwei Ärztinnen, zwei Meinungen

Mit beiden Kindern war ich bei zwei verschiedenen Ärztinnen in den letzten Tagen. Es geht nämlich hier nicht so wie in Deutschland, dass man einmal den Arzt anruft und dann mit beiden Kindern gleichzeitig kommen kann. Sehr nervig. Natürlich ist es auch kein Kinderarzt, den man zu Gesicht bekommt, sondern nur Allgemeinärzte im Vardcentral… Also zwei Termine bei zwei Ärztinnen, die dann natürlich auch noch unterschiedliche Konsequenzen zogen.

Unterschiedliche Perspektiven

Während die eine meinte, nee, das bräuchte keine weitere Diagnostik und auch Troponin lasse sie nicht testen (Kind 2, 15 Jahre, EKG vor Ort gemacht und für normal befunden), wurde die andere (bzgl. Kind 3, 11 Jahre, nur kurz Puls bei einer Minute Kniebeugen gemessen) ganz nervös und schrieb sofort eine Überweisung zum Kinderkardiologen. Die erste „rät“ (typisch schwedisch, wo kämen wir hin, wenn das entschieden würde vom Arzt!) in dem von ihr verfassten Attest nur dazu, den 3km-Lauf nicht von ihr zu verlangen, spricht aber sonst nicht davon, dass kein Sport möglich sei. Die andere schreibt den Jungen „während der Abklärung“ für Sport krank (wiederum in Form eines „Ratschlags“). Ich schicke auch unsere Tochter tortzdem nicht wieder in den Sportunterricht, solange das nicht weiter untersucht wird: Eine verschleppte Herzmuskelentzündung kann einen lebenslangen Herzfehler oder sogar den Tod verursachen.

Termin beim Facharzt – mal wieder ein Geduldsspiel

Allerdings sieht es vorerst nicht nach weiteren Untersuchungen aus – selbst bei dem Jungen, für den ich die Überweisung problemlos bekommen habe: Als ich heute – auf Anraten der Ärztin – um 7:45 Uhr beim Kinderkrankenhaus anrief (wenn man später anruft, bekommt man nicht einmal mehr einen Rückruf), sagte mir die wahnsinnig hilfreiche Sprechstundenhilfe nur: Der Arzt „arbeitet mit der Überweisung, das kann ein bis zwei Wochen dauern“, dann schicke er mir einen Termin. Wann der dann sei? Das wisse sie nicht. Kurz: Das kann dann auch erst in vielen Wochen sein. Es ist ein wirkliches Trauerspiel hier in Schweden mit Facharztterminen. So viel zu Kind 2 und Kind 3.

Zweitklässlerin hat langsam keine Lust mehr auf Schule

Selbst die 7jährige Zweitklässlerin äußert zurzeit immer öfter Schulunlust. Das ist so schade wie überflüssig.

Kind 4 ist wie immer recht glücklich, auch wenn bei ihr der kurz bevorstehende, zweite Mathetest für Stress und Unlust in und an der Schule sorgt. Die Notenfixiertheit dieser Schule (und des ganzen deutschen Schulsystems, insbesondere an Gymnasien) ist so unglaublich vorgestrig. Es geht einzig und allein darum, „Noten zu machen“ und überhaupt nur nebenbei um Kompetenzen und Inhalte und das LERNEN (hier ein guter Artikel dazu, wie man Tests besser nutzen könnte; und hier einer zu Prüfungen an deutschen Schulen). Wenn schon meine Zweitklässlerin, die bisher supergern zur Schule gegangen ist, immer öfter sagt, ob sie nicht zuhause bleiben könne, dann ist doch was kaputt im System?

Kind 1 schleppt sich durch die vierte Klausurphase dieses Jahr

Kind 1 (11. Klasse) leidet darunter schon lange: Sie hat Prüfungsängste, insbesondere mündliche Prüfungen sind eine Tortur für sie, schon lange bevor die eigentliche Prüfung stattfindet. Und es ist so schade, dass sie deswegen ihr Potenzial nicht ausschöpfen kann. Zurzeit ist wieder eine von vier Klausurphasen im Schuljahr – jede Woche drei bis vier Prüfungen, sowohl schriftliche als auch mündliche. Und sie geht auf dem Zahnfleisch.

Ich selbst hatte mit Prüfungen selten ein Problem. Klar, ich war auch nervös, aber ich hatte schon immer so eine Art „Prüfungsmodus“, in den ich besonders bei mündlichen Prüfungen verfallen bin, und auf den ich mich verlassen kann. Vielleicht weil meine erste wichtige mündliche Prüfung (Deutsch-Abi) so gut lief?

Leider konnte ich meinem Kind diese Haltung weder vererben noch beibringen. Sie zählt nur noch die Tage bis zu den Sommerferien bzw. zur letzten Klausur. Und dann die Monate, die sie insgesamt noch in der Schule verbringen muss, bis sie endlich irgendwann das Abi hoffentlich in der Tasche haben wird. Ich glaube, dass sie wirklich nur der Gedanke aufrecht hält, dass sie dann nie mehr da hin muss.

Warum ändert sich in Schulen nichts, obwohl wüssten, was besser wäre?

Das kann es doch nicht sein?! Natürlich leiden nicht alle Kinder und Jugendlichen so unter der Schule wie unsere Älteste. Also könnte man sagen: alles palletti, bisschen komische Kinder gibt es immer, aber die meisten kommen ja klar. Ist das so? Selbst wenn: Inhalte und Art und Weise der Lehre sind an so vielen Schulen in Deutschland so wenig zukunftsweisend. Und das, obwohl wir mittlerweile viel besser wissen, wie man leichter lernt, was man dafür für Bedingungen braucht und dass viele der Inhalte, die noch in Lehrplänen stehen, in Zukunft sowieso wahrscheinlich eher von Künstlicher Intelligenz (KI) als von uns Menschen verarbeitet und gebraucht werden…

Es ist nach wie vor für die meisten Kinder und Jugendlichen so, dass sie auf ihr Glück angewiesen sind, wenn sie gut durch die Schule kommen wollen. Wenn man Glück hat und auf eine gute Lehrerin oder einen guten Lehrer trifft – dann bestimmt das oft die ganze Schullaufbahn positiv. Das gilt umso mehr, wenn man nicht zum Durchschnitt gehört und besondere Bedürfnisse oder Begabungen hat. Leider ist der Fall, dass man nicht auf gute LehrerInnen trifft, häufiger… In keinem anderen Bereich, so scheint mir, überlässt man es so sehr dem Zufall, ob das Projekt erfolgreich ist oder nicht.

Hochbegabung für Anfänger

Aber ich drifte ab. Wie eingangs erwähnt, habe ich mich diese Woche noch mit einem neuen Projekt beschäftigt. Einen ersten Auszug daraus könnt Ihr hier lesen: Was ist „Hochbegabung“? Der Text könnte Teil eines Buches über Hochbegabung aus Elternperspektive werden. „Hochbegabung für Anfänger“ sozusagen und von jemandem, der zwar nicht Fachperson ist, aber mittlerweile einige Erfahrungen mit dem Thema gesammelt hat. Falls Ihr Anregungen oder Fragen zum Text habt – ich freue mich über konstruktive Kritik.

So – und das Polizeimuseum muss leider noch warten… Hier aber immerhin drei Fotos.

Das Blaulicht kann man selbst an- und ausschalten. Sehr cool für Vorschulkinder! Fotos: privat.

Zurzeit gibt es eine Wechselausstellung zu den verschiedenen Berufen innerhalb der Polizei.
Die Dauerausstellung beinhaltet einen Bereich, in dem besonders viel angefasst und ausprobiert werden darf.

Genesen auf Gotland

21.04.2022 – Ein kurzes update: Wir haben es überstanden. Und bisher sieht es auch nicht nach bösen Nachwirkungen aus. Toi toi toi. Unsere zweitälteste Tochter (15) war ja vor der jetzigen Covid-Infektion noch nicht wieder fit. Das ist so geblieben: sie hat immer noch täglich Kopfschmerzen, eine erhöhte Herzfrequenz und ist viel schneller müde als normalerweise. Aber es ist immerhin nicht schlimmer geworden. Darüber bin ich sehr froh.

Gemischte Symptome

Und wie war´s? Ganz unterschiedlich: Mein Mann hatte einen Tag lang Fieber und lag richtig flach, fühlte sich ziemlich krank. Nach etwa zehn Tagen kamen Bauchschmerzen und Durchfall dazu. Das war nach drei Tagen besser. Müdigkeit und Abgeschlagenheit waren über insgesamt ca. zweieinhalb Wochen deutlich spürbar und sind auch jetzt noch nicht komplett weg. Die Jüngste (7) hatte hauptsächlich einen verschleimten Hals. Ihr nächstälterer Bruder (11) hatte zunächst Halsweh, dann trockenen Husten, fühlte sich schlapp, hatte Kopf- und Bauchschmerzen. Das Halsweh kam auch mehrfach wieder.

In diesem schönen Schwedenhaus von Freunden durften wir die ersten Frühlingstage auf Gotland verbringen.

Halsweh, Kopfweh, Bauchweh, Durchfall, Kraftlosigkeit

Die 15jährige hatte schon vor dem positiven Test einige Tage starke Durchfälle, das hielt insgesamt zweieinhalb Wochen an. Sie hatte außerdem auch Halsweh, Kopfweh, Heiserkeit. Die Älteste (16) hatte Halsschmerzen, Kopfschmerzen und ein starkes Müdigkeitsgefühl – allerdings zum Glück nicht das Gefühl von „fatigue“, was sie von September 2020 bis Dezember 2020 begleitet hat, nachdem sie Anfang September 2020 vermutlich ebenfalls eine Covid-Infektion hatte. Ich selbst habe mich vor allem schlapp gefühlt – als wäre alle Kraft aus mir „herausgesaugt“ worden. Ich musste nach kleinsten Anstrengungen, wie z.B. längerem Stehen oder kurze Strecken gehen, ausruhen. Das ging ein paar Tage so, dann wurden die Intervalle länger. Außerdem hatte ich immer wieder Probleme mit meiner Stimme, die einfach „belegt“ war. Ich musste mich häufig räuspern.

Mittagessen am Meer in Visby. Alle Fotos: privat.

Osterferien auf Gotland – viel Zeit zum Ausruhen

Zum Glück gab es letzte Woche Osterferien – und wir konnten sie im Haus von Freunden auf Gotland verbringen.

Raukar auf Fårö – der Rauk hinten in der Mitte wird „Hund“ genannt.

Das war genau richtig. Wir konnten alle so viel schlafen und ausruhen wie nötig. Wer aktiver sein wollte, konnte Ausflüge machen, musste aber nicht. Wir haben es langsam angehen lassen. Was wir gemacht haben: Einen kleinen Stadtrundgang in Visby.

Osterschmuck in Visby.

Einen Nachmittagsausflug nach Fårö, die kleine Insel im Norden Gotlands. Dort war noch alles geschlossen, und wir konnten deshalb nur ein langes Picknick am Strand machen und ein paar Raukar (Kalksteinformationen) anschauen – perfekt! (Ich hätte mich sonst vermutlich genötigt gesehen, die Kinder ins Ingmar-Bergman-Museum zu schleppen…)

Nur der kleine ICA hatte offen – also haben wir uns Picknick gekauft und am Strand in der Sonne gepicknickt.

Den einzigen Dolmen und eine von ca. 350 „Schiffssetzungen“ (ca. 3000-4000 Jahre alte Grabstätten aus der Bronzezeit in Form von Schiffen) haben wir auch angesehen, danach gab es wieder fika.

Schiffssetzungen sind tausende Jahre alte Grabstätten.

Und natürlich haben wir Eier gefärbt, einen Osterstrauß geschmückt, unsere Osternester gesucht. Sogar ein kleines Oster-Lagerfeuer haben wir veranstaltet.

Jetzt sind wir zurück in Stockholm, die Schule hat wieder angefangen. Die Großen müssen verpasste und aktuelle Klausuren (nach)schreiben.

Zweitälteste noch immer nicht wieder fit – wie soll das gehen in der 10.?

Und ich mache mir Gedanken, wie das nächste Schuljahr bei der Zweitältesten verlaufen soll: Es ist das Jahr mit den meisten Schulstunden pro Woche an der Deutschen Schule. Das liegt am zweigleisigen System von „Begegnungsschulen“: Die Kinder machen beide Abschlüsse, den deutschen und den des Gastlandes. Unsere Tochter soll dann auch in den schwedischen Fächern Klausuren mitschreiben und benotet werden. Obwohl wir 2023 wieder nach Deutschland zurückgehen werden und sie diese Fächer nicht braucht. Ich weiß wirklich nicht, ob sie dieser Doppelbelastung gewachsen sein wird.

Blick zurück auf Visby im Abendlicht – von der Fähre aus.

Keine Alternative zur Deutschen Schule

Ihre Gesundheit scheint sich seit Wochen – oder eher Monaten – nicht mehr zu verbessern. Jetzt diese neuerliche Infektion… Für den weiteren Schulweg in Deutschland muss sie die 10. Klasse allerdings zwingend hier an der Auslandsschule besuchen, weil sie sonst den Mittleren Schulabschluss nicht mitmachen kann – und ohne den ist kein Wiedereinstieg in die nächste Klasse in Berlin möglich. Sie kann also nicht einfach an eine schwedische Schule wechseln, um es entspannter angehen zu lassen. Auch deshalb nicht, weil sie dafür eine Schwedisch-Note aus der aktuellen Klassenstufe 9 bräuchte (das verlangen die Schweden, damit man an ein schwedisches Gymnasium wechseln kann). Im Moment ist sie aber noch von den Klausuren in den schwedischen Fächern befreit, weil sie fast das ganze erste Halbjahr der 9. Klasse wegen Krankheit verpasst hat…

Einer ist auf Klassenfahrt

Der 11jährige ist nach einem Tag Schule auf die langersehnte Klassenfahrt nach Lübeck gefahren und verbringt dort hoffentlich interessante und schöne Tage. Er war gestern ganz aufgeregt bei der Abfahrt und hat sich auch heute morgen schon beim Papa gemeldet… jetzt stapft er vermutlich gerade durch Lübeck – heute ist Stadtführung dran.

Wie ich mein letztes Jahr hier nutzen möchte

Und ich habe eine Idee, wie ich das letzte Jahr hier nutzen kann – verrate ich aber noch nicht. Wenn ich zu früh über Ideen spreche, dann langweilen sie mich entweder oder ich komme doch wieder von ihnen ab und finde es dann unangenehm, überhaupt jemandem davon erzählt zu haben. Ich hoffe aber, diese Idee auch zu verwirklichen – dann hätte ich die Zeit als „nur Hausfrau“ hier wenigstens zu etwas Produktivem für mich selbst genutzt. Das kommt nämlich wirklich zu kurz. Und ich denke, dass einige Frustrationen auch darauf zurückzuführen sind, dass ich einfach keine passionierte Hausfrau und Mutter bin. Ich brauche das Gefühl, auch außerhalb der Familie etwas Sinnvolles zu tun. Auch die Bestätigung, die man in bezahlten Jobs bekommt, ist einfach eine andere als zuhause. Kurz: Mir fehlt – trotz permanenten Zeitmangels und Gefühlen der Überforderung – mein Beruf! Ein eigenes Büro kann auch der „room of ones own“ sein…

Rauk „Jungfru“ auf Gotland.