Bilanz nach einem Jahr Schweden – die 15jährige

Vasa-Museum mit der kleinen Schwester.

Schweden ist zu nah um außergewöhnlich zu sein

Anfang August 2021, gegen Ende der hiesigen Sommerferien:

Wie geht es Dir im Moment hier auf einer Skala von 1 (nicht gut) bis 10 (sehr gut)?

8-9.

Woran liegt das?

Ich hab Ferien, ich war bei meinen Freunden in Berlin. Es ist alles einfach ganz entspannt gerade.

Womit beschäftigst Du Dich zurzeit am liebsten? Themen? Aktuelle Bücher?

Zeichnen und mit meinen Freunden auf Discord sein – mit denen reden hauptsächlich… Alles, was so in die Richtung schminken und so geht, mach ich auch gern. „Alternative make-up“. Ich schminke mich nicht so normal, sondern so ein bisschen gruselig immer und mache Fotos und Videos davon. Ich stelle das in meinen Status auf WhatsApp. Ich habe gerade meine Haare lila gefärbt. DSA – „Das schwarze Auge“, ein Rollenspiel – spiele ich bzw. wir bereiten es vor: Wir, das sind die Leute aus dem Sommercamp, in dem ich in Deutschland war (Scharfenberg).

Lesen tue ich gerade „Long way down“ von Jason Reynolds. Und das andere ist „Bridgets Jones´ diary“ und ein Buch über Extremismus. Das ist sehr theoretisch, das ist ein bisschen anstrengend.

Erstes Halbjahr: langweilig (weil krank), zweites Halbjahr besser

Wie war das erste Jahr im Ausland/in Schweden?

Insgesamt ganz gut. Erst ein bisschen langweilig, als ich krank war (Anmerkung: Die Große war von Anfang September bis Ende Dezember 2020 krank: nach einem Infekt – ob es Covid19 war, ist ungeklärt geblieben -, litt sie monatelang unter so schlimmer Erschöpfung/fatigue, dass sie nicht in der Lage war, in die Schule zu gehen. Mittlerweile geht es ihr zum Glück wieder gut.). Aber das zweite Halbjahr fand ich ganz gut. Bisschen anstrengend mit der Schule, das war halt viel: Wir hatten viele Stunden, und es war ein neues System, das ich am Anfang noch nicht ganz so gut verstanden habe (in Berlin: Gemeinschaftsschule, hier: Gymnasium).

Als wir wieder in der Schule waren, fand ich es gut, dass ich Leute hatte, mit denen ich reden konnte. (Ab Ostern ungefähr durften in Schweden die Klassen 10 bis 12 wieder in den Präsenzunterricht; davor hatten sie von Weihnachten ab Distanzunterricht.)

Discord hilft beim Kontakthalten mit alten Freunden

Was war die größte Schwierigkeit? Was fiel Dir unerwartet leicht?

Die größte Schwierigkeit war, mit Corona Leute kennenzulernen, weil man die ganze Zeit zuhause war. Und über (Microsoft-)Teams hat man nicht wirklich was von den anderen Leuten in der Klasse mitgekriegt.

Es fiel mir unerwartet leicht, mit meinen Freunden in Berlin in Kontakt zu bleiben. Ich dachte, dass es schwerer ist, mit allen in Kontakt zu bleiben, aber eigentlich geht es. Discord hilft da sehr.

Hast Du FreundInnen hier? (Warum noch nicht)?

Schulfreunde ja. Noch nicht so gute, aber ich denke, das kommt mit der Zeit.

Gab es Überraschungen? Welche?

Ich glaube nicht. Im Sommer waren wir davor ja schon häufiger hier. Es gab eigentlich nichts, was so anders ist als als wir hier Urlaub gemacht haben.

Was nimmst Du Dir für das zweite Jahr vor?

Ich möchte, dass mein Abi gut wird. Deshalb möchte ich in der Schule gut sein. Letztes Jahr waren meine Noten durchwachsen, weil neues System, manche Sachen bei den Klausuren hab ich nicht so verstanden, wie sie das haben wollten oder fand es doof. Ich hatte auch ein paar Lücken in Mathe, musste in Französisch viel aufholen…

Ansonsten ist es alles ganz angenehm so.

Was möchtest Du noch hier tun oder erleben?

Ich würde gern hoch in den Norden fahren und Nordlichter sehen. Das finde ich cool. Oder rüberfahren nach Finnland, das fände ich auch cool.

Was hast Du bisher gelernt durch das Leben im Ausland?

Äh… ich weiß es nicht.

War es Deiner Meinung nach gut, hierher zu ziehen? Warum (nicht)? Hat Deine Beurteilung mit Covid19 zu tun?

Ja, ich fand es gut. Es ist natürlich eine gute Erfahrung, wenn man eine Zeitlang woanders gewohnt hat, als wo man immer gewohnt hat. Man lernt irgendwann die Sprache ein bisschen und man versteht wahrscheinlich andere Leute besser, die mit mehreren Kulturen aufgewachsen sind. Man lernt Englisch besser, weil man sich am Anfang damit verständigt.

Schweden hat nicht mein Lieblingsklima

Könntest Du Dir vorstellen, hier länger als die geplanten drei Jahre zu bleiben? Was spricht dafür, was dagegen?

Eigentlich nicht. Ich möchte eigentlich nicht länger bleiben, weil ich finde es zwar ganz gut, aber wenn dann will ich nochmal woanders hin. Schweden ist nicht so außergewöhnlich, es ist zu nah dran, um außergewöhnlich zu sein. Es ist auch nicht mein Lieblingsklima, es ist mir zu dunkel im Winter und zu hell im Sommer.

Könntest Du Dir vorstellen, später noch einmal ins Ausland zu gehen? Hättest Du ein Wunsch-Land oder einen Wunsch-Kontinent? Warum?

Ja. Ich würde gern nochmal woanders hingehen. Am liebsten nach New York oder nach Südkorea, nach Seoul oder Busan. Oder nach Japan. Weil ich die Kulturen von den Ländern cool finde und die Sprachen gern können würde. New York wäre cool, weil es in den Staaten liegt, was cool wäre, aber es bessere Waffengesetze dort gibt als sonst in den USA, und weil man da Englisch spricht und ich eigentlich gern perfekt Englisch sprechen würde. Dafür wäre das gut.

Vor- und Nachteile hier als Ausländer

Gibt es Vorteile, die wir hier als Ausländer (mit dem besonderen Status als Diplomaten) haben? Gibt es Nachteile?

Vorteile nicht wirklich, man kann halt bei manchen Parkplätzen parken, wo anderen nicht parken können. Ansonsten finde ich es eher anstrengend, weil die Immunitetsnummer hat, weil es dadurch anstrengender ist, sich bei Banken anzumelden, als Jugendliche kann ich kein Swish haben (Bezahldienst), man muss es ständig allen Leuten erklären…. um an eine schwedische Schule zu gehen, ist es auch komplizierter, weil man eine Schwedisch-Note aus der 9. Klasse braucht, das hat man nicht, wenn man davor nicht an einer schwedischen Schule war… alles anstrengender.

Was wünschst Du Dir im Moment am meisten?

Materielles oder nicht Materielles? Materielles: einen gaming-PC. Und sonst – ich würde gerne haben, dass Corona endlich vorbei ist und man reisen kann und man einfach rausgehen kann mit Leuten, mit mehreren… dass es wieder so ist wie vor der Pandemie, weil die sehr anstrengend ist.

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