Interview mit Nr. 3 (10 Jahre)

Badeseen gut – alles andere schlecht

Zeitpunkt: April 2021. Wir wohnen seit acht Monaten in Schweden.

Auf einer Skala von 1-10 (1=schlecht, 10=supergut): wie geht es Dir im Moment?

4 oder 3. Weil Baum. (Verweist auf Beitrag hier, den solle man lesen, wenn man mehr wissen wolle.)

Was gefällt dir bisher am besten/am wenigsten hier?

Am besten dass es hier so warm ist. Ich find´s warm. Auch schon im Frühling. Dass es hier sehr viele Seen gibt. Am wenigsten: alles andere.

Gibt es etwas, was dich in Schweden überrascht hat?

Dass die so dumm mit Corona umgehen. Sie machen sehr viele Sachen falsch, tragen keine Masken in Geschäften und so, halten keinen Abstand…

Hast Du hier schon etwas Neues kennengelernt, etwas hier zum ersten Mal gesehen oder erlebt?

Nö.

Womit beschäftigst Du Dich zurzeit am liebsten?

Ich lese sehr gern.

Die Kinder in Deutschland haben seit Monaten Distanzunterricht wegen der Covid-Pandemie. Wenn sie in der Schule sind, müssen sie Masken tragen und Abstand halten. Hier gehen die Kinder von Klasse 1-9 durchgehend zur Schule seit wir hier sind (Aug. 2020). Masken werden in der Schule nur von wenigen Kindern freiwillig getragen, Abstände gibt es nicht. Welche Vor- und Nachteile dieser Situation siehst Du für die Kinder in Deutschland/in Schweden?

Nachteil für die Kinder in Deutschland ist, dass sie ihre Freunde nicht sehen können, wenn sie welche haben. Für ein Kind wie mich wäre das nicht so schlimm, Distanzunterricht zu haben, weil ich nur einen Freund habe, der eine halbe Stunde entfernt wohnt.

Hier in Schweden ist der Nachteil, dass sie sich anstecken können und damit auch ihre Familie. Und manche Kinder werden auch nach Hause geschickt, wenn sie Maske tragen (nicht in meiner Schule, in anderen). Der Vorteil für die deutschen Kinder ist, dass sie besser vor Corona geschützt sind und auch ihre Familie besser schützen können.

Der Vorteil für die schwedischen Kinder ist, dass sie ihre Freunde treffen können. – Wenn sie Freunde haben.

Was könnten die Schweden von den Deutschen lernen und andersrum? 

Die Schweden könnten lernen, besser mit Corona umzugehen. Z.B. müssten auch ein paar Deutsche in der schwedischen Regierung sitzen, damit auch was abgestimmt werden kann, wie man mit Corona umgehen soll. Bessere Wurst herzustellen könnten die Schweden auch lernen. Und bessere Döner und besseres Schulessen.

„Die Deutschen könnten von den Schweden lernen, mehr zu Fuss zu gehen“

Die Deutschen können von den Schweden lernen, mehr zu Fuss zu gehen und mit dem Rad zu fahren, im Park zu spazieren statt nur im Haus rumzusitzen, faul zu sein und dick zu werden. Die Schweden sind sportlicher. Die Deutschen könnten auch lernen, die Seen besser auszustatten: bei den Schweden gibt es an den Seen z.B. Bänke, Kioske usw… am Schlachtensee gibt es das z.B. nicht.

Wie ist das, wenn man plötzlich Ausländer ist? In welchen Situationen merkst Du, dass Du AusländerIn bist?

Scheiße. Man muss ’ne neue Sprache lernen, man muss eine neue Kultur lernen. Man muss extrem viel lernen: es gibt andere Sitten, anderes Essen… andere Probleme, andere gute Sachen. Z.B. wenn Schilder irgendwo stehen, verstehe ich die nicht. Oder wenn mich Leute ansprechen. Das ist ein doofes Gefühl. Ich merke auch, dass ich Ausländer bin, wenn ich Sachen nicht weiß, die für andere selbstverständlich sind, z.B. wo Badeseen sind. Man vermisst auch seine Heimat, kennt sich nicht aus.

Wo wärst du jetzt gern, wenn du für ein paar Stunden überall auf der Welt sein könntest? Wen würdest du dorthin mitnehmen oder treffen?

Ich wäre gern in Deutschland. Da würde ich gern ein paar Döner und Pizza essen, ein paar deutsche Sachen kaufen (z.B. deutsche Chips, weil es hier so wenige Sorten gibt). Meine Familie würde ich mitnehmen und meinen Freund würde ich in Deutschland treffen wollen. Ein paar Lieblingsorte würde ich noch besuchen, z.B. meine alte Schule.

Was gefällt Dir hier an der Schule besser, was findest Du weniger gut als an Deiner Schule in Deutschland?

An dieser Schule finde ich es besser, dass… eigentlich finde ich nichts besser.

An der Schule in Deutschland finde ich das Essen besser, dass die Bibliothek die ganze Zeit offen ist, dass man essen gehen kann, wann man möchte, dass man – wenn man nicht will – überhaupt nicht in die Mensa gehen muss. In Deutschland gibt es einen größeren Schulhof, mehr Kinder, dass die Klassen 4-6 zusammen unterrichtet werden finde ich auch besser: weil man dann auch ältere Kinder kennenlernt, Interessen austauschen kann, ältere Freunde finden kann vielleicht.

Wer oder was hilft Dir beim Eingewöhnen hier?

Es hilft mir, dass ich schon früher öfter hier war und Mama.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest, was würdest Du Dir gerade wünschen? (Alles ist erlaubt und möglich.)

Dass wir in Deutschland weiter leben könnten, dass Corona weg wäre, und dass wir ein eigenes Schwimmbad hätten.

Wer oder was hilft Dir, wenn Du traurig bist?

Mama.

Kannst Du schon Schwedisch sprechen?

Nein. Nur ein paar Sätze. Z.B. Jag heter Moritz (Ich heiße Moritz). Jag prater inte svenksa. (Ich spreche kein Schwedisch.)

Ein Blick in die Zukunft: Was glaubst du, wie es Dir hier in einem Jahr gehen wird? Was wird anders sein als jetzt? Wie?

Ich habe mich zwar besser eingewöhnt (wenn ich mehr Sachen weiß, wo Badeseen liegen z.B.), aber sonst nichts. Vielleicht ist Corona weg. Ich hoffe, dass es besser wird. Besser wäre, wenn ich mehr Schwedisch verstehe, dass ich Freunde habe, nettere Lehrer, bessere Lehrer.


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