Alles über null Grad ist warm

Teenager-Mädchen in rotem Pullover, schwarzem, kurzem Rock und grauen Kniestrümpfen hängt mit den Beinen über der Lehne einer mit Schnee bedeckten Bank und lässt die Arme auf den Boden in den Schnee hängen. Null Grad scheint warm für sie zu sein.
Frauen frieren schneller – nur nicht in Schweden? Foto von Dominika Roseclay von Pexels

Mein Mann würde am liebsten ständig barfuß laufen. Er hat immer heiße Füße. Mein Sohn genauso. Meine Füße sind immer kalt. Klassiker. Temperaturempfinden ist subjektiv. Vor allem zwischen Männern und Frauen scheiden sich die Geister bei der „richtigen“ Temperatur: ist es zu warm im Büro oder zu kalt? Lassen wir das Fenster nachts im Schlafzimmer offen oder nicht? Aber der Unterschied scheint nicht nur zwischen Männern und Frauen zu bestehen, sondern auch zwischen Ländern: Die Schweden finden alles über null Grad warm.

2 Grad – kurze Hose: normal in Stockholm

Heute morgen, 2 Grad, leichter Regen, Schneematsch in Stockholm. Ein etwa sieben Jahre alter Junge läuft mit seiner Mutter zur Schule: in Turnschuhen und kurzer Hose! In Deutschland würde man den Kopf schütteln und das für Kindeswohlgefährdung halten. Hier? Normal. Da schaut sich keiner danach um.

Im Sommer dasselbe Bild: 18 Grad, Sonne. In Deutschland überlegt man, ob man noch eine Jacke mitnimmt. In Schweden geht man selbstverständlich mit kurzem T-Shirt, Shorts und Badelatschen zum See schwimmen (Wassertemperatur dann vielleicht 15 Grad maximal!). Aber gut – die gehen ja auch „Eisschwimmen“, die Schweden. Ich schätze, 15 Grad Wassertemperatur sind dagegen geradezu heiß…

Zweierlei daran ist faszinierend:

  1. Ich merke, dass ich schon nach wenigen Monaten hier auch ein anderes Verhältnis zu Temperaturen habe: Nachdem es wochenlang um die -10 Grad tagsüber war, gehe ich jetzt – bei um die null Grad – mit offener Jacke, ohne Mütze und ggf. auch Turnschuhen aus dem Haus. Werde ich im nächsten Winter eisschwimmen ausprobieren?!
  2. Es gibt Studien über dieses unterschiedliche Temperaturempfinden. Danach sind Frauen bei höherer Raumtemperatur tatsächlich leistungsfähiger als wenn es ihnen zu kühl ist. Bei den Männer ist es andersrum. Temperatur wird eben subjektiv empfunden. Ich frage mich: Wie würde die Studie ausfallen, wenn sie mit schwedischen Frauen (alles über null Grad ist warm) und deutschen Männern (dito) gemacht würde? Könnte hier vielleicht die Lösung des Büro- und Schlafzimmer-Streits liegen? Deutsche Männer müssen einfach schwedische Frauen heiraten? Und deutsche Frauen (null Grad ist immer noch saukalt) italienische Männer (null Grad kommt auf unserer Temperaturskala nicht vor)? Ich warte auf neue Studien.

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