Bilanz nach einem Jahr in Schweden

14 und ein bisschen weise

Wie geht es Dir im Moment auf einer Skala von 1 (nicht gut) bis 10 (sehr gut)?

9.

Ich fühl mich sehr wohl hier, ich mag das Haus sehr, die Umgebung. Es ist nett, dass auf Lidingö jeder grüßt. Obwohl man die Leute gar nicht kennt. Man kann sich meistens auch mal kurz gut unterhalten, wenn man Leuten auf der Straße begegnet, wenn man mit dem Hund unterwegs ist oder so.

Und es sind gerade Ferien. Das ist ein toller Faktor, weil dadurch hat man viel mehr Freizeit und kann machen, was man will.

Womit beschäftigst Du Dich zurzeit am liebsten?

Ich lese sehr viel auf Wattpad – eine Internetseite/App für junge Autoren, die darüber Geschichten teilen können.

Ich schreibe gerade auch ne Geschichte. Die spielt in einer Welt, in der Werwölfe existieren. Es geht um ein Mädchen, bei der die Mutter bei der Geburt der kleinen Schwester gestorben ist. Deshalb ist der Vater in Depressionen verfallen und alkoholsüchtig geworden. Deshalb hat sie mit ihrer älteren Schwester die Verantwortung für die kleine Schwester gekriegt hat. Die ältere Schwester ist drei Jahre älter, die ist aber von zuhause abgehauen, sobald sie erwachsen war, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat. Und sie ist eigentlich ziemlich schlau, aber weil sie sich um ihre Geschwister kümmern muss, kann sie das nicht komplett ausleben… Prolog und erstes Kapitel habe ich schon, bin also noch ganz am Anfang, habe es aber schon ziemlich genau im Kopf.

Wie war das erste Jahr im Ausland/in Schweden?

Es hat sich gar nicht mal so anders angefühlt als in Berlin. Der einzig hervorstechende Unterschied war, dass es eine komplett andre Sprache ist. Und naja, sonst nicht wirklich viel, weil man durch Corona auch nicht so viel erleben konnte. Was man schon gemerkt hat, war der Unterschied der Corona-Regelungen, da die Schweden das ziemlich locker sehen. Und man merkt auch, dass man einen Teil der Einstellungen dann schon übernimmt, dass man es nicht mehr so eng sieht… Das ist mir aufgefallen, als eine Freundin mir erzählt hat, dass sie jetzt in der Schule die Klassen geteilt hätten und die ganze Zeit FFP-II-Masken tragen müssten, die ganze Zeit das Fenster offen stünde, sie sich auf dem Schulhof nur in einem Bereich für ihre Klasse aufhalten dürfte… das fand ich dann schon etwas extrem.

Auch in meinem Sommercamp in Deutschland, wo ich jetzt war, was da manche erzählt haben, das waren schon ziemlich gravierende Unterschiede – aber die waren durch den unterschiedlichen Umgang mit Corona verursacht.

Was war die größte Schwierigkeit? Was fiel Dir unerwartet leicht?

Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht ist, diese Sprache kennenzulernen, so dass man sie versteht und lesen kann. Sprechen ist nochmal was anderes.

Schwierigkeit: Sich trotz Corona an das Leben hier, auch mit Schule und so, anzupassen, weil man das komplett anders gewöhnt war. Auch der Unterricht (der Stoff) war z.T. komplett anders. Ich musste ja ein Jahr Französisch aufholen, das war wohl eine der schwierigsten Sachen. Es ist mir im Grunde ziemlich leicht gefallen, aber das war zusammen mit der neuen Sprache am anstrengendsten. Ich wollte die neue Sprache unbedingt lernen, weil es mir unangenehm ist, auf der Straße angesprochen zu werden, und nicht helfen zu können. Oder an der Bushaltestelle z.B., wenn eine Person sich unterhalten will – ältere Personen z.B., wenn die übers Wetter reden wollen oder so…

Hast Du FreundInnen hier?

Gute Bekannte und vielleicht auch Freunde. Das ist ein bisschen schwierig zu definieren, weil ich nicht so gut darin bin, neue soziale Kontakte zu schließen. Und die Personen, mit denen ich mich gut verstehe, habe ich so lange nicht gesehen jetzt (wegen der Ferien). Und ich kann es ja nur von meiner Seite aus sagen. Ich kann nicht so einschätzen, wie die mich finden…

Gab es Überraschungen?

Meine Klasse. Die ist etwas verrückt, wenn man das so sagen darf. Z.B. wäre meine alte Klasse nie auf die Idee gekommen, im Klassenzimmer und auf den Fluren eine Schneeballschlacht zu veranstalten…

Dass es mir so leicht fiel, die Sprache zu verstehen. Hätte ich nicht gedacht. Wenn ich einen Text lese oder so, kann ich das im Großen und Ganzen verstehen. Natürlich sind immer wieder Wörter drin, die man nicht kennt. Aber man kriegt schon auch viel mit, z.B. wenn die Leute in meiner Klasse Schwedisch sprechen.

Was nimmst Du Dir für das zweite Jahr vor?

Das ist nicht unbedingt für das zweite Jahr hier, aber generell für das nächste Jahr hab ich mir vorgenommen, für meine Klassenarbeiten richtig zu lernen. Ich bin ganz gut in der Schule, aber da ist noch Potenzial nach oben, und das will ich jetzt mal richtig ausschöpfen. Ich weiß nicht, ob es was bringt, aber man kann ja mal versuchen, alles zu bringen und nicht nur 50%… man kann sich ja immer verbessern.

Ich würde auch gern wirklich das Sprechen im Schwedischen können nach dem zweiten Jahr.

Was möchtest Du noch hier tun oder erleben?

Ich will in den Freizeitpark hier in Stockholm gehen, der soll ziemlich cool sein (Gröna Lund). Man muss es ausschöpfen, dass man so nah am Meer wohnt und in der Nähe von Seen – also viel schwimmen gehen.

Wenn ich mal schwedisch gut kann, dann will ich auf jeden Fall mal in diese große Bibliothek gehen (Stadsbibliotek) und da lesen. Das ist ein Traum für jede Leseratte.

Ich möchte in den Freizeitpark gehen!

Sonst lass ich alles mal auf mich zukommen.

Die große „Stadsbibliotek“ in Stockholm hat einen imposanten Saal in der Mitte.

Was hast Du bisher gelernt durch das Leben im Ausland?

Menschen sind verschieden und trotzdem verhalten sich die meisten Menschen im Grunde genommen gleich, auch wenn sie aus anderen Ländern kommen. Wir sind alle Menschen und haben die gleichen Gefühle und Empfindungen, denken über ähnliche Sachen nach… Dafür muss man nicht im Ausland gelebt haben, aber es ist schon eine der prägendsten Erfahrungen. Es macht keinen Unterschied, ob man in Ägypten oder Korea geboren wurde – alle sind einfach Menschen. Im Hinblick auf Gefühle und Empfindungen sind wir alle gleich.

War es Deiner Meinung nach gut, hierher zu ziehen? Warum (nicht)? Hat Deine Beurteilung mit Covid19 zu tun?

Ja – allein um eine neue Umgebung kennenzulernen. Stockholm ist ja komplett anders als Berlin. Also der Aufbau der Stadt, die Art, sich fortzubewegen. Hier fahren z.B. enorm viele Leute Rad. Auch die Öffentlichen sind anders. Ich hab das noch nicht durchschaut. Aber wegen Covid konnte ich ja auch nicht viel ÖPNV fahren.
Auch um eine zusätzliche Sprache zu lernen, ist es gut. Ich denke, jede Sprache, die man kann, ist ein weiterer Pluspunkt für später. Wenn man sich bewerben will oder eine Weltreise machen möchte. Je mehr Sprachen man spricht, desto mehr Vorteile hat man, denke ich. Z.B. wenn man Französisch kann, das spricht man ja in mehreren Ländern der Welt, dann kann man sich also nicht nur in Frankreich sondern auch dort gut orientieren.

Schwedisch ist ja zB dänisch ziemlich ähnlich oder auch viele Wörte sind ähnlich zu Englisch. Wenn man Schwedisch kann, kann man auch viele andere nordische Sprachen leichter lernen und verstehen, weil sie sich alle ziemlich ähnlich sind. Also durch Schwedisch hat man eigentlich drei Länder abgedeckt: Dänemark, Schweden und Norwegen. Und wenn man Übersetzerin werden möchte, dann ist es auch praktisch. In Schweden werden ja gute Bücher geschrieben. Ich könnte mir das als Beruf z.B. vorstellen.

Könntest Du Dir vorstellen, hier länger als die geplanten drei Jahre zu bleiben? Was spricht dafür, was dagegen?

Ja, könnte ich. Schweden ist schön, und ich mag es hier.

Es ist halt nicht mein Heimatland, der Großteil meiner Familie lebt immer noch in Deutschland, den kann ich dann nicht so oft sehen. Bei einem Großteil meiner Freunde ist es genauso. Aber ich fände es schon auch schön, hier zu bleiben (länger).

Könntest Du Dir vorstellen, später noch einmal ins Ausland zu gehen? Hättest Du ein Wunsch-Land oder einen Wunsch-Kontinent? Warum?

Ja, auf jeden Fall.

Wie schon gesagt: ich finde es interessant, immer neue Sprachen zu lernen und neue Länder kennenzulernen. Auch in einem anderen Schulsystem zu sein, fände ich interessant. Ich würde gern nach Asien, weil ich Animes und Mangas sehr gern lese und gucke und auch ein Fan von K-Pop bin. Die Sprachen finde ich auch faszinierend und die ganz andere Art von Kultur. Ich würde auch gern nach Südamerika, ins Amazonas-Gebiet. Der fasziniert mich auch sehr. Ägypten fände ich auch toll, weil ich Geschichte auch sehr mag und Ägypten eine sehr faszinierende Geschichte hat. Aus demselben Grund wäre auch Griechenland sehr interessant für mich. Aber am liebsten würde ich auch wirklich gern auf einen anderen Kontinent. Nordamerika oder Asien, Australien wäre natürlich auch interessant.

Also eigentlich bin ich so ziemlich offen für alles, nur Afrika ist mir vielleicht zu heiß.

Gibt es Vorteile, die wir hier als Ausländer (mit dem besonderen Status als Diplomaten) haben? Gibt es Nachteile?

Die Diplomaten-Parkplätze in der Stadt sind praktisch. Da darf man mit Diplomatenkennzeichen einfach parken, wenn von der Botschaft gerade niemand den Parkplatz braucht. Anonsten ist es nämlich schwierig mit Parkplätzen in Stockholm. Man bekommt auch leicht Strafzettel – und die sind immer sofort sehr teuer (90 Euro oder so, nicht wie bei uns 10…). – Es ist ein bisschen schwierig mit der Personennummer, weil man darüber alles regelt. Und Diplomaten haben ja keine richtige Personennummer, sondern eine andere und damit hatten wir am Anfang ein bisschen Schwierigkeiten bei den Ärzten oder so.

Was wünschst Du Dir im Moment am meisten?

Gute Frage. Dass Corona verschwindet und dass meine Familie gesund bleibt. Sonst – ich bin eigentlich ziemlich zufrieden mit meinem Leben im Moment.

Ich bin ziemlich zufrieden mit meinem Leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Bitte akzeptiere zunächst unsere Datenschutzbedingungen.